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Saarbrücken
Gewerkschaft: In der JVA Lerchesflur fehlen mehr als 60 Beamte

JVA Lerchesflur in Saarbrücken.
JVA Lerchesflur in Saarbrücken. FOTO: Robby Lorenz
Saarbrücken. Die Gewerkschaft Verdi hat in einer Pressemitteilung einen Personalmangel in den saarländischen Vollzugsanstalten beklagt. „Der Personalbestand an ausgebildeten und qualifizierten Beamten in den saarländischen Vollzugseinrichtungen muss aus Sicht Verdis dringend angehoben werden.“ Dies zeige unter anderem die hohe Arbeitsbelastung. Von Dennis Langenstein

So könnten ausgebildete Beamte in der Justizvollzugsanstalt Saarbrücken teilweise 200 bis 300 Überstunden vorweisen. An einen Abbau der Stundenzahl sei nicht zu denken.


„Der im Strafvollzugsgesetz verankerte und im Koalitionsvertrag vereinbarte Vollzug funktioniert nicht ohne ausreichende Mittel und Menschen. Man bekommt auch keinen Luxuswagen zum Preis eines Fahrrades“, sagt Sabine Engelhardt-Cavelius, Gewerkschaftssekretärin bei Verdi. Eine „Eigenart der saarländischen Gefangenenzusammenstellung“ erschwere zudem die Arbeit der Beamten: „Im Saarland werden im Gegensatz zu anderen Bundesländern Schwerverbrecher zusammen mit Menschen, die leichtere Verbrechen begangen haben, eingesperrt. Teilweise auf der gleichen Station“, erklärt Dennis Dacke, Verdi-Pressesprecher des Landesbezirks. In Verbindung mit Personalbesetzungszahlen sei das nicht mehr zeitgemäß. Auch der sogenannte Stundenschlüssel sei seit den 1980er Jahren nicht mehr angepasst worden.

„Die hohe Belastung der Bediensteten ist ein hausgemachtes Problem. Es besteht dringender Handlungsbedarf“, sagt Engelhardt-Cavelius. „Allein in der JVA Saarbrücken fehlen nach unseren Berechnungen mehr als 60 ausgebildete und qualifizierte Beamte.“ Der Personalmangel belaste nicht nur die Beamten, sondern erschwere auch die Arbeit mit den Gefangenen. „Das Personal bildet den Grundpfeiler der Resozialisierung der Gefangenen“, so Engelhardt-Cavelius. Die Personalnot führe auch zu einem hohen Krankenstand und einer „Unausgewogenheit“ zwischen Leben und Arbeit. Dieser Teufelskreis müsse durchbrochen werden.



Verdi will nun mit den gewerkschaftlich organisierten Beschäftigten das Thema weiter am Kochen halten. „Dieser Hilferuf muss seitens der Verantwortlichen gehört werden“, so Engelhardt-Cavelius. Bereits im Juni hat Verdi eine Resolution im Rahmen der Justizministerkonferenz in Eisenach übergeben. Darin wird eine bessere Personal- und Sachausstattung sowie die Weiterbildung von Beschäftigten gefordert.