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Geschichte zu Tage gefördert

Die Bergleute und Gäste beim Verlassen der Grube nach dem Festgottesdienst. Foto: Lehmann
Die Bergleute und Gäste beim Verlassen der Grube nach dem Festgottesdienst. Foto: Lehmann
Auersmacher. "Glück auf, Glück auf, der Steiger kommt. Und er hat sein helles Licht bei der Nacht, und er hat sein helles Licht bei der Nacht, schon angezünd', schon angezünd' Von SZ-Mitarbeiter Heiko Lehmann

Auersmacher. "Glück auf, Glück auf, der Steiger kommt. Und er hat sein helles Licht bei der Nacht, und er hat sein helles Licht bei der Nacht, schon angezünd', schon angezünd'." 175 Gäste und der Chor der Grubenwehrkameradschaft Jägersfreude schmetterten das wohl berühmteste Bergmannslied in der Kalksteingrube Auersmacher und starteten damit die Feier zum 75-jährigen Bestehen der Kalksteingrube.


Vor 75 Jahren wurde in der heute größten, noch intakt befindlichen Kalksteingrube Europas angehauen. Die Technik war damals bei weitem nicht so modern wie heute, wie sich Manfred Brandstetter aus Auersmacher erinnert.

"Damals zogen Pferde der Auersmacher Bauern die Kalksteine aus der Grube. Es gab noch keine andere Technik. Es war ein Geben und Nehmen. Die Bauern konnten sich etwas dazuverdienen, und der Kalkstein konnte gefördert werden", erzählt Manfred Brand-stetter, dessen Vater Josef mit seinen Pferden jahrelang den Kalkstein ans Tageslicht zog.



Das Verhältnis der Auersmacher Bevölkerung zu ihrer Grube ist seit 75 Jahren bemerkenswert. "Wir kommen sehr gut miteinander aus. Es wird über alles geredet, und wir finden immer eine gemeinsame Lösung", erzählt Ralf Schmidt, der seit mehr als zehn Jahren der Leiter der Grube in Auersmacher ist. Hier wird vor allem Kalkstein gefördert, der zur Metallverarbeitung im Saarland gebraucht wird.

Der Auersmacher Hans-Josef Frey arbeitet seit 38 Jahren in der Grube in seinem Heimatort. "Früher war die Arbeit richtige Knochenarbeit. Heute wird viel von Maschinen gemacht. Dennoch muss man jederzeit aufmerksam sein, sonst kann es gefährlich werden", erzählt Frey, der im Mai 2011 seine letzte Schicht machen wird. "Ein Grubenbrand im Jahr 2002 war der Negativhöhepunkt in meiner Laufbahn. Ansonsten war es eine tolle Zeit mit den Kumpels", blickt Frey zurück.

Neben Brandstetter und Frey kamen noch viele andere Gäste zur 75-Jahrfeier der Kalksteingrube. Auersmacher Bürger, Politprominenz und viele Bergleute feierten das Jubiläum. Insgesamt 175 Gäste starteten bereits morgens einen 30-minütigen Fußmarsch durch die Kalksteingrube bis zur Kapelle der Bergleute unter Tage. Pfarrer Gerd Schroer und Pastoralreferentin Beatrix Michalak gestalteten den Gottesdienst gemeinsam mit dem Chor der Grubenwehrkameradschaft Jägersfreude.

Nach der Rückkehr ans Tageslicht wurde im Ruppertshofsaal weiter gefeiert und auf gute Zusammenarbeit der Grube mit der Bevölkerung auch in Zukunft angestoßen. Wie lange in Auersmacher noch Kalkstein abgebaut wird, ist zurzeit nicht ganz klar. "Es gibt schon noch Kalkstein unter uns. Allerdings sind aufgrund der Sicherheitsvorgaben die Abbaugebiete eingeschränkt", sagt Ralf Schmidt zu den Zukunftsaussichten.

Stichwort

Auf einer Fläche von vier Quadratkilometern wird unter Auersmacher Muschelkalk abgebaut. Im Zwei-Schichtbetrieb werden täglich 1500 Tonnen Kalkstein ans Tageslicht gefördert. Inhaber der Kalksteingrube ist die Saarstahl AG. Im vergangenen Sommer löste sich im Wald von Kleinblittersdorf eine 50 Meter hohe Kalksteinsäule und riss ein riesiges Loch in den Boden. Verletzt wurde dabei niemand. Gemeinsam mit der Gemeindeverwaltung von Kleinblittersdorf ist die Grubenleitung seit dem Vorfall auf der Suche nach einer Lösung, um das Loch wieder zu stopfen. Nach Informationen der Saarbrücker Zeitung soll der Aushub der Saarland-Therme in Rilchingen-Hanweiler genutzt werden, um das Loch zu füllen. Die Braschen vom ehemaligen Braschen-Fußballplatz in Auersmacher sollen beim Bau der Zuwegung zum Loch Verwendung finden. Die Arbeiten sollen noch in diesem Winter beginnen. leh