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Geschichte wird wieder sichtbar

Die Brücke zum "Halben Mond" bleibt nun doch erhalten. Bis Herbst soll sie wieder benutzbar sein. Hier wird zusätzlich eine Rampe von der Vaubanstraße in das Ravelin V gebaut. Foto: Roi
Die Brücke zum "Halben Mond" bleibt nun doch erhalten. Bis Herbst soll sie wieder benutzbar sein. Hier wird zusätzlich eine Rampe von der Vaubanstraße in das Ravelin V gebaut. Foto: Roi
Saarlouis. Der Umbau des früheren Schlachthofareals in Saarlouis hat begonnen. In die Mauern und Gräben des Festungsecks Ravelin V hinein soll für 5,6 Millionen Euro der Stadtgarten vergrößert werden. Offizieller Spatenstich ist am Freitag. Von SZ-Redakteur Johannes Werres

Saarlouis. Die Umgestaltung des früheren Schlachthof-Geländes in Saarlouis zum so genannten Ravelin V hat begonnen. Das Gelände ist derzeit eine aufgelassene Baugrube, in der mächtige Mauern und Gräben der Überschwemmungsfestung Saarlouis erkennbar sind. Dieses Ravelin V ist die einzige noch gut erkennbare Ecke des sechszackigen Festungssterns, den Sebastien le Prestre de Vauban und sein Architekt Thomas de Choisy Ende des 17. Jahrhunderts geplant haben.


Anbindung an die Innenstadt

Von Einbauten, die preußische Militärs nach Übernahme der Festungsstadt 1815 vornahmen, ist nur noch wenig zu sehen: Auffällig die Wallerfanger Poterne, eine Art Fußgängerbrücke, über einen Graben. Was preußisch war, fiel dem Bagger zum Opfer, als vor Jahren an dieser Stelle ein Komplex mit Luxus-Wohnungen geplant wurde. Der Bau wurde aus wirtschaftlichen Gründen abgeblasen. Seitdem konzentriert sich die städtische Identifikation mit ihrer Festungsvergangenheit auf dieses Ravelin V. Hier soll sichtbar werden, wie einst die Überschwemmungsfestung Saarlouis funktioniert hat.

Zugleich soll das Areal den Stadtgarten, der sich zwischen Saaraltarm, einst Teil der Festungsanlage, Gräben und Mauern erstreckt, an die Innenstadt anbinden. Dazu wird der Stadtpark auf das jetzige Baugelände bis zur Vaubanstraße ausgedehnt. Das ist Gegenstand der jetzt laufenden ersten und zweiten Bauabschnitte.

Dazu werden jetzt zwei Zugänge gebaut: der eine, an der Vaubanstraße gegenüber dem DRK-Krankenhaus, barrierefrei, das ist der erste Bauabschnitt. Der andere, an der Kreuzung zum Anton-Merziger-Ring, barrierearm, der zweite Bauabschnitt. Die Rampen führen hinunter in die Gräben und auf den Leinpfad am Saaraltarm. Der Hauptgraben wird sich wie eine Zunge aus dem Stadtgarten vom Saaraltarm zur Stadt hin ziehen: mit grünem Rasen und der Rekonstruktion einer Wasserrinne ("Küvette") in der Mitte.



Darin könnte einmal, sagt Stadtplaner Jürgen Baus, Wasser aus einem anderen Graben fließen. Es ist der kleine Graben neben einem Plateau, begrenzt von einer Art Schleuse aus dem 17. Jahrhundert, dem so genannten Batardeau. Das Plateau müsste noch rekonstruiert werden. Es ist der so genannte Waffenplatz. Im Graben daneben könnte zeitweilig Wasser stehen - im Winter vielleicht zum Schlittschuhlaufen. Das alles aber bleibt einem dritten Bauabschnitt vorbehalten.

In den jetzigen beiden Bauabschnitten werden auch Mauern gesichert und saniert, die die Abgänge flankieren. Über einem kammartigen Mauerskelett ist bereits Erdreich aufgeschüttet: Hier entsteht der Wall neu, den das Skelett früher einmal gehalten hat.

Neues vom Alten trennen

Die Rampen werden aus Betonteilen gebaut, um Neues bewusst von Altem zu trennen. Neben der benachbarten Bastion VI stehen derzeit drei Betonteile. Es sind Beton-Muster für die Rampen, die dort auf ihre Material-Tauglichkeit geprüft werden. Sie verschwinden später wieder. Für die Rampe an der Vaubanstraße ist der Zugang zur Brücke auf die Altarm-Insel (Halber Mond) abgerissen worden. Die Brücke bleibe entgegen ersten Planungen aus Kostengründen doch erhalten, sagt Baus. Sie soll im Herbst wieder passierbar sein. Die beiden ersten Bauabschnitte könnten noch im Lauf 2013 beendet werden.

Am Freitag, 8. Juni, erfolgt nachträglich der erste Spatenstich für den ersten und zweiten Bauabschnitt.

Hintergrund

Finanzierung: Die städtebauliche Umgestaltung des Ravelin V sieht zunächst vier Bauabschnitte vor, die zusammen 5,6 Millionen Euro kosten. Für die beiden laufenden Bauabschnitte sind rund drei Millionen Euro veranschlagt. Ein dritter, noch nicht sicher ausfinanzierter Abschnitt, der unter anderem den Waffenplatz und eine als Durchgang aus transparentem Material gestalteten Rekonstruktion einer Mauer umfasst, beliefe sich auf weitere 2,4 Millionen Euro. Ein vierter Abschnitt mit einem Buscap in der Vaubanstraße ist vorgesehen.

Nicht in den Kosten enthalten sind mögliche touristische Aufwertungen der unmittelbaren Umgebung.

Geld für den Umbau kommt aus Förderprogrammen: Das Bundesprogramm "Stadtumbau West" wird voraussichtlich 1,6 der drei Millionen Euro für die ersten beiden Abschnitten beisteuern. we

Wie eine Zunge erstreckt sich der Hauptgraben vom Stadtgarten zur Stadt. Wo jetzt Wasser steht, soll Rasen gesät werden. Er wird von einer Rampe an der Kreuzung erschlossen. Foto: Thomas Seeber
Wie eine Zunge erstreckt sich der Hauptgraben vom Stadtgarten zur Stadt. Wo jetzt Wasser steht, soll Rasen gesät werden. Er wird von einer Rampe an der Kreuzung erschlossen. Foto: Thomas Seeber
Die Brücke zum "Halben Mond" bleibt nun doch erhalten. Bis Herbst soll sie wieder benutzbar sein. Hier wird zusätzlich eine Rampe von der Vaubanstraße in das Ravelin V gebaut. Foto: Roi
Die Brücke zum "Halben Mond" bleibt nun doch erhalten. Bis Herbst soll sie wieder benutzbar sein. Hier wird zusätzlich eine Rampe von der Vaubanstraße in das Ravelin V gebaut. Foto: Roi
Wie eine Zunge erstreckt sich der Hauptgraben vom Stadtgarten zur Stadt. Wo jetzt Wasser steht, soll Rasen gesät werden. Er wird von einer Rampe an der Kreuzung erschlossen. Foto: Thomas Seeber
Wie eine Zunge erstreckt sich der Hauptgraben vom Stadtgarten zur Stadt. Wo jetzt Wasser steht, soll Rasen gesät werden. Er wird von einer Rampe an der Kreuzung erschlossen. Foto: Thomas Seeber