| 20:31 Uhr

LSVS-Skandal
Die Alten Herren des Sportverbandes präsentieren ihre Sicht

 Kurt Bohr, ehemaliger Vizepräsident des LSVS.   Foto: Imago/Becker&Bredel
Kurt Bohr, ehemaliger Vizepräsident des LSVS. Foto: Imago/Becker&Bredel FOTO: BeckerBredel
Saarbrücken. Im Untersuchungsausschuss des Landtages äußert sich der frühere LSVS-Vize Kurt Bohr zur Finanzaffäre. Der Ehrenpräsident Gerd Meyer schweigt. Von Tobias Fuchs
Tobias Fuchs

Es sind die Alten Herren des Landessportverbandes (LSVS), die am Dienstag im Untersuchungsausschuss zur Finanzaffäre aussagen sollen. Gerd Meyer, der Ehrenpräsident, schweigt jedoch im Landtag. Denn die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft wegen Untreueverdachts könnten in der Zukunft auch seine Generation treffen. Der heute 74-Jährige führte den Sportverband vor Klaus Meiser, zwölf Jahre lang. Anders als Meyer tritt Kurt Bohr, früher LSVS-Vize, vor den Parlamentariern auf. Er präsentiert im Ausschuss seine Auslegung der Regularien des Sportverbandes.


Wie konnte der LSVS in eine finanzielle Schieflage geraten? Wann gab es erste Anhaltspunkte? Und wieso haben die Verantwortlichen nichts gemerkt? Das sind Fragen, zu deren Beantwortung an diesem Nachmittag auch ein dritter Ehemaliger des Präsidiums beitragen soll: Karl-Heinz Groß, einst Direktor der Dresdner Bank in Saarbrücken. Er sitzt zwischen dem schweigenden Meyer und Bohr – und markiert mit seinen knappen Aussagen den Mittelwert an Auskunftsfreudigkeit. Groß will erst vor einem Jahr von der Misere des LSVS erfahren haben.

Bohr trägt zunächst aus der LSVS-Satzung vor. Nach Auffassung des 71-Jährigen konzentriert sich die Aufgabe des Präsidiums auf die Aufstellung der Haushaltspläne. „Es hat keinen Haushalt gegeben, der ein Defizit aufgewiesen hätte“, sagt der Ex-Staatssekretär (SPD). Dass dieselbe Satzung der Verbandsspitze auch die „Vorprüfung des Jahresabschlusses“ vorschreibt? „Für mich hatte das null Relevanz“, sagt Bohr: „Die Vorprüfung, wie sie hier steht, ist nicht durch uns erfolgt.“ Auf das Regelwerk des Verbandes hingewiesen, erklärt Bohr: „Wir haben nie selbst eine Bilanz oder eine Gewinn-und-Verlust-Rechung aufgestellt.“ Mit der Kontrolle der Zahlen ist satzungsgemäß ein Wirtschaftsprüfer befasst. Darauf verweisen die meisten Sportfunktionäre in der Finanzaffäre. Überraschend stellt Bohr im Ausschuss die Beauftragung eines Finanzexperten durch den LSVS in Frage: „Was soll die Bilanz, was soll der Prüfbericht?“



Er habe Hermann Neuberger noch sehr gut gekannt, sagt Bohr. Neuberger baute in der Nachkriegszeit die Strukturen des Saarsports auf – nebenbei beherrschte der Multifunktionär auch Saartoto. Und im Toto-Haus in Saarbrücken soll es einen Wirtschaftsprüfer als Mieter gegeben haben. Interpretiert Bohr die internen Vorschriften als überlieferte Gefälligkeit? „So ist das entstanden: Parallel zum Haushalt einen Jahresbericht vorzulegen“, erklärt er seine Sicht der Dinge.

Befragt wird Bohr nach der Personalpolitik des Verbandes – zu der sich am Vormittag vier Zeugen geäußert haben. Darunter Sigrid Morsch, die den LSVS bei der Stellenbewertung nach öffentlichem Tarifrecht beriet. Und die frühere Personalrats-Chefin Susanne Frantz. Die Abgeordneten haben sich bei ihnen nach Ausschreibungen, Eingruppierungen, Zulagen erkundigt. Einmal sagt Bohr: „Ich betrachte das als maßlose Überdehnung, dass wir uns als ehrenamtliches Präsidium in solche Details der Personalverwaltung begeben sollten.“

Mit den Ex-Verantwortlichen geht vor allem Jochen Flackus von der Linksfraktion hart ins Gericht: „Das ist die Vogel-Strauß-Politik, die wir von den ehemaligen Präsidiumsmitgliedern schon kennen“, sagt er. „Jetzt noch zu behaupten, wir haben mit all dem nichts zu tun, wir sind ja Ehrenamtliche, das geht dann schon fast zu weit.“