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Gemüsebau Kunzler aus Überherrn
Diese Folie gehört auf den Kompost

Das Familienunternehmen Gemüsebau Kunzler aus Überherrn (v.l.): Juniorchef Simon und seine Frau Tina, Juniorchef Thomas, Birgit und ihr Ehemann, der Seniorchef Gerhard. Vorne: die Enkel Rémy (li.) und William.
Das Familienunternehmen Gemüsebau Kunzler aus Überherrn (v.l.): Juniorchef Simon und seine Frau Tina, Juniorchef Thomas, Birgit und ihr Ehemann, der Seniorchef Gerhard. Vorne: die Enkel Rémy (li.) und William. FOTO: Teresa Bauer
Überherrn. Das Familienunternehmen Gemüsebau Kunzler aus Überherrn benutzt biologisch abbaubare Folien für seine Kräuter. Von Teresa Bauer

Diese Verpackung landet nicht im gelben Sack oder der gelben Tonne – auch wenn sie auf den ersten Blick aussieht wie eine gewöhnliche Plastikfolie. Das Familienunternehmen Gemüsebau Kunzler aus Überherrn verpackt seine Kräuter in kompostierbaren Folien und beliefert damit über das Zentrallager der Warenhauskette im rheinland-pfälzischen Bingen 28 Globus-Märkte in Südwest-Deutschland.


Seit vier Generationen vermarkten die Kunzlers Petersilie, Schnittlauch und Dill als Bundware. Bis vor einigen Monaten noch unverpackt. Die Warenhauskette machte dann im Herbst vergangenen Jahres dem Familienunternehmen aus Hygiene- und Frische-Gründen den Vorschlag, seine Kräuter künftig zu verpacken. „Kräuter sind sehr sensibel“, erklärt Seniorchef Gerhard Kunzler. Gerade im Sommer, bei sehr heißen Temperaturen, könne ohne adäquate Kühlung die Frische der Produkte nicht bis Ladenschluss gewährleistet werden. Eine Verpackung halte die Produkte hingegen deutlich länger frisch. Außerdem biete sie einen optimalen Griffschutz. Denn, „dieser gewährleistet ein Produkt, dass nicht zuvor von mehreren Personen im Laden angefasst wurde“, so Kunzler.

Eine handelsübliche Plastikfolie kam für das Familienunternehmen aber nicht in Frage. „Verpacken kann ja jeder“, sagt Juniorchef Thomas Kunzler. „Wir wollten etwas Innovatives machen.“ Auf Messen seien er und sein Bruder Simon auf eine kompostierbare Folie gestoßen. „Sie besteht aus Maisstärke. Die Etiketten sind aus Cellulose, also Holz, aus einer nachhaltigen Forstwirtschaft.“ Eigentlich sieht sie aus, wie jede andere Folie auch. Hält man sie aber in der Hand, merkt man schnell den Unterschied. Sie wirkt steifer und knistert, sobald man sie drückt. „Das liegt daran, dass keine künstlichen Weichmacher enthalten sind“, erklärt Gerhard Kunzler. Nach vier Wochen im feuchten Boden des Kompostes beginne der Zersetzungsprozess der Folie und dauere bis zu drei Monaten, sagt Juniorchef Simon.



Seit rund drei Monaten sind Kunzlers Kräuter in dieser Verpackung auf dem Markt. Tim Strübing, Leiter Sortimentsmanagement Obst und Gemüse bei Globus sagt: „Wir möchten den hohen Anteil an Kunststoffverpackungen spürbar reduzieren.“ Wichtig sei, den Kunden das neue Verpackungskonzept „näher zu bringen und zu erklären“. In den Märkten stehen nun Pappaufsteller an den Gemüseregalen, die auf die speziellen Folien hinweisen. Sogar die einzelnen Stadien der Kompostierung werden durch Bilder verdeutlicht. Nach anfänglicher Skepsis erfreue sich die Verpackung immer größerer Beliebtheit, ist sich Strübing sicher. Es gebe aber vereinzelt Verbraucher, die sich ärgern, dass „schon wieder etwas verpackt wird“, sagt Simons Ehefrau Tina Kunzler. Viele würden nur die Folie sehen, aber nicht genauer hinschauen. Denn auf den Etiketten ist in großen Buchstaben „kompostierbar“ zu lesen. „So etwas braucht natürlich Anlaufzeit“, sagt Birgit, Ehefrau von Seniorchef Gerhard.

„Der Kunde hat nur Vorteile durch die Folie. Die Frische und die Hygiene sind gewährleistet, und man tut etwas Gutes für die Umwelt“, betont Thomas Kunzler. Allerdings sind die Kräuterbündel durch die Verpackung auch etwas teurer geworden. „Arbeitskraft, Material und Verschleiß der Maschine müssen in die Produktion miteinberechnet werden“, so der Juniorchef. Das Saar-Umweltministerium jedoch begrüßt diese Initiative. „Sie trägt dazu bei das Abfallaufkommen zu verringern und Ressourcen zu schonen beziehungsweise nachwachsende Rohstoffe, wie in diesem Fall Mais statt Erdöl basierte Materialien einzusetzen“, sagt Damian Müller vom Ministerium. Besonders interessant sei, „dass sie (scheinbar) ohne Förderung auskommt. Die umweltfreundliche Verpackung wird vom Verbraucher finanziert. Nur solche Initiativen die der Markt trägt, können langfristig Erfolg haben“.

Und noch etwas sollten die Verbraucher beachten. Entsorgt man die Folie in der Biotonne kann es sein, dass das jeweilige Entsorgungsunternehmen der Städte und Gemeinden die Tonne nicht entleert. Denn durch die äußere Ähnlichkeit mit Plastikfolien könne schwer unterschieden werden. „So ist es den Mitarbeitern der Verwertungsanlagen bei der Anlieferung auch nicht möglich zu erkennen, um welches Material es sich handelt. Daher müssen alle Plastiktüten unter großem Aufwand aussortiert und getrennt entsorgt werden“, erklärt Marianne Lehmann vom Entsorgungsverband Saar (EVS). Außerdem sei der Verrottungsprozess der Schnell-Kompostierung des EVS mit vier bis sechs Wochen kürzer als bei den Folien von Familie Kunzler. „Nach Abschluss des Verfahrens können von dem Material Schnipsel im Kompost zu finden sein“, so Lehmann. Dies werde als Verunreinigung des Kompostes gewertet.

Landet die Verpackung aber im Restmüll oder im gelben Sack, „werden bei der Müllverwertung beziehungsweise -verbrennung keine giftigen Stoffe freigesetzt. Unsere Folie setzt auch nicht mehr CO2 frei als sie aufgenommen hat“, ergänzt Tina Kunzler.

Sie sieht aus wie gewöhnliches Plastik, aber diese Verpackung aus Maisstärke ist kompostierbar.
Sie sieht aus wie gewöhnliches Plastik, aber diese Verpackung aus Maisstärke ist kompostierbar. FOTO: Teresa Bauer