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Missstände an saarländischen Schulen
Gemeinschaftsschule in Güdingen klagt ebenfalls über Probleme

Auf SZ-Anfrage teilt das Bildungsministerium mit, im Juli reagiert zu haben und der Gemeinschaftsschule 40 Stunden für die Sprachförderung Deutsch zugewiesen zu haben.
Auf SZ-Anfrage teilt das Bildungsministerium mit, im Juli reagiert zu haben und der Gemeinschaftsschule 40 Stunden für die Sprachförderung Deutsch zugewiesen zu haben. FOTO: Julian Stratenschulte / dpa
Saarbrücken. Nach den alarmierenden Briefen der Saarbrücker Gemeinschaftsschulen Bruchwiese, Dudweiler und Rastbachtal hat nun der Personalrat der Gemeinschaftsschule Saarbrücken-Güdingen der SZ sein Schreiben an Bildungsminister Ulrich Commerçon (SPD) vom 30. Juni vergangenen Jahres vorgelegt, in dem Missstände an der Schule mit rund 450 Schülern benannt werden. „Das letzte Schuljahr hat gezeigt, dass wir immer mehr an unsere Grenzen kommen und die innerschulischen Ressourcen längst ausgeschöpft sind“, schreiben die Lehrer. Als größtes Problem habe sich die Zunahme der Schüler mit einer emotionalen-sozialen Entwicklungsstörung gezeigt. „Bei ihnen greifen unsere pädagogischen Maßnahmen kaum mehr. In einigen Klassen häufen sich aus diesem Grund die Störungen, so dass Unterricht im eigentlichen Sinn kaum mehr möglich ist.“ Ein weiteres Problem seien zu große Klassen mit rund 29 Schülern, die teilweise auf fünf Niveaustufen unterrichtet würden. „Da es keine räumlichen Ausweichmöglichkeiten gibt, sind problematische Situationen vorprogrammiert.“ Von Ute Kirch
Ute Kirch

Das Kollegium sei die Inklusion motiviert und engagiert angegangen, um diese zum Erfolg zu bringen. Die tägliche Praxis sei „eigentlich nicht hinnehmbar“. „Einige dieser Förderkinder sind gegen sich und andere – Lehrer nicht ausgenommen – verbal und physisch äußerst aggressiv, sind in bestimmten Situationen von niemandem zu ,bändigen’.“ Aber auch die übrigen Kinder in der Klasse hätten einen Anspruch auf eine Lernatmosphäre, „die nicht geprägt ist von permanenten Störungen und Angst“. Unter diesen Voraussetzungen könnten auch die über 70 Flüchtlingskinder nicht adäquat gefördert werden. „Wir betonen, dass die massiven Probleme nicht den Schülern mit Migrationshintergrund geschuldet sind“, sagt Lehrerin Renate Klingen, Vorsitzende des Personalrats. Das größte Problem sei die Inklusion, die „mit heißer Nadel gestrickt“ sei. Die Lehrer forderten daher zusätzliche Förderlehrer, Schulsozialarbeiter und Therapeuten, eine schnellere Bereitstellung von Integrationshelfern, Doppelbesetzungen in großen Klassen und kleinere Klassen. „Nichtbeschulbare Kinder müssen weiterhin in solchen Einrichtungen Unterstützung finden, die sowohl über das ausgebildete Personal als auch über die infrastrukturellen Voraussetzungen verfügen.“



Auf SZ-Anfrage teilt das Bildungsministerium mit, im Juli reagiert zu haben und der Gemeinschaftsschule 40 Stunden für die Sprachförderung Deutsch zugewiesen zu haben. Außer den zusätzlich 15 Förderstunden für die Geflüchteten seien weitere Stunden als Reserve in das System gegeben worden. Zur Entlastung des bisher dreiköpfigen Schulleitungsteams sei auch eine Koordinatorenstelle für besondere Aufgaben besetzt worden. Auch die im vergangenen Jahr ausgefallene Förderlehrkraft sei für das aktuelle Schuljahr nachbesetzt worden. Forderungen nach weiteren Förderlehrern und mehr Schulsozialarbeitern und Integrationshelfern könne das Ministerium nachvollziehen: „Wir müssen aber auch klar sagen, dass Schulen verstärkt gesellschaftlichen Entwicklungen ausgesetzt sind, mit denen die Bildungspolitik nicht allein gelassen werden darf, sondern die eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe sind und bei der zum Beispiel auch Sozialpolitiker gefragt sind.“ Weitere umfassende Maßnahmen zur systematischen Entlastung von Schulen mit besonderen Herausforderungen seien in Vorbereitung.

Personalrätin Klingen hält die ergriffenen Maßnahmen für nicht ausreichend. Seit dem Brief hätten die Sachbeschädigungen zugenommen, Probleme bereiteten auch Drogen. „Viele Schüler, aber auch Eltern verhalten sich immer häufiger respektlos und distanzlos“, sagt Klingen. Zu körperlicher Gewalt komme es jedoch nicht. Lehrer müssten neben Wissen zunehmend Werte, die für ein Zusammenleben in der Gemeinschaft unerlässlich seien, vermitteln. Dieser Aufgabe kämen viele Eltern nicht nach.