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Neue Stiftung
Geldsegen für junge Saar-Talente

Preisträgerin Beate Schmitt im Labor.
Preisträgerin Beate Schmitt im Labor. FOTO: Hans&Ruth-Giessen-Stiftung
Saarbrücken. Die Hans-und-Ruth-Giessen-Stiftung will sich jungen Eliten widmen. Ziel ist es, die Menschen nach Möglichkeit im Saarland zu halten. Von Dennis Langenstein


Eine neue Stiftung im Saarland will sich der Elite-Förderung widmen. Die Hans-und-Ruth-Giessen-Stiftung wird hierfür pro Jahr 50 000 Euro, eine der höchsten Förderungen im südwestdeutschen Raum, zur Verfügung stellen, um junge Menschen in den naturwissenschaftlichen Bereichen Biologie, Chemie und Physik sowie deren interdisziplinären Verknüpfungen zu fördern. Hinzu kommen noch die Fachbereiche der Medizin und klassischen Musik, erklärt Wilhelm Burgemeister vom Rotary Club St. Ingbert, dessen Mitglieder die Stiftung ehrenamtlich verwalten.

In diesem Jahr stand dabei die Förderung besonders begabter Studierender und deren Vorhaben in der Promotionsphase oder der Phase nach der Dissertation an den Saarländischen Hochschulen im Vordergrund. „Vorstellbar in den kommenden Jahren sind aber auch Projekte an Gymnasien oder bei Jugend forscht“, sagt Burgemeister. Die ersten Förderpreise, jeweils mit 25 000 Euro dotiert, wurden gestern im gut 190 Gästen gut gefüllten Alten Waschhaus in St. Ingbert an zwei junge Menschen verteilt.



Die 26-Jährige Medizinerin Beate Schmitt überzeugte dabei das Kuratorium mit ihrer Forschung an häufig sehr bösartigen Hirntumoren, sogenannte Glioblastome. Bei diesen beschränkten sich bisher die Behandlungsmöglichkeiten wegen fehlender Heilungsmöglichkeiten vorwiegend auf die Symptomlinderung. Ziel ihrer Forschung sei es, die Tumorzellen an ihrer Teilung, und damit deren  Wachstum zu hindern oder im günstigen Fall zu stoppen.

Zweiter Preisträger ist der 19-Jährige Pianist Jonas Stark. Er startete bereits nach seinem Abi als 15-Jähriger sein Musikstudium an der Hochschule für Musik Saar und ist bereits heute ein vielfach ausgezeichneter, national und international gebuchter Musiker mit Auftritten beispielsweise in Köln, Homburg, Wien und Davos. Als Solist war er zuletzt bei den Mozartfestspielen in Schwetzingen zu hören. Und auch die Deutsche-Radio-Philharmonie hat ihn für die kommende Saison engagiert. Nach zwei Meisterkursen in Manchester und Dresden, will er nun für zwei Jahre zu einem Masterstudium an die Royal Academy of Music in London. Der Förderpreis finanziert ihm dabei die Studiengebühr für das erste Jahr, erklärt Burgemeister. „Uns ist wichtig, dass die jungen Leute auch einen Eigenbeitrag leisten.“

„Hans Giessen war selbst 1979 Gründungsmitglied unseres Clubs. Wir sind über Jahre die Sachgebiete durchgegangen, die er fördern möchte“, erklärt Burgemeister den Hintergrund, wie es zu der Stiftung kam. Da der Rotary Club bereits ein breites Spektrum von der Denkmal- und Heimatpflege über die Tafel bis hin zum internationalen Schüler- und Studentenaustausch fördere, entschied Giessen sich vor seinem Tod im letzten Jahr für die Förderung junger Talente. „In dem Bündel fehlte noch die Eliteförderung“, sagt Burgemeister. Zweck der Stiftung ist es, die noch jungen Menschen nach Möglichkeit an das Saarland zu binden. Im Fokus sollen dabei Projekte stehen, „die es ohne die Förderung nicht geben würde“.

Der in Landau geborene Giessen verbrachte sein berufleben im Saarland und entschied sich daher bewusst für das Bundesland als Förderstätte: „Hier habe ich meinen beruflichen Erfolg begründet und deshalb sollten junge Menschen aus dieser Region davon profitieren“, ist von ihm überliefert. Bewerben kann man sich allerdings nicht selbst.  Gerade im wissenschaftlichen Bereich lässt der Club den Fakultäten eine Vorauswahl, ein Kuratorium der Stiftung, bestehend dem ehemaligen Rektor der Hochschule für Musik Saar, Professor Thomas Duis, dem ehemaligen Minister für Wirtschaft und Arbeit im Saarland, Dr. Hanspeter Georgi, und dem ehemaligen Präsidenten der Universität des Saarlandes, Professor Volker Linneweber, bereite diese dann vor, die endgültige Entscheidung trifft dann der Stiftungsvorstand.

Allerdings wird es die Stiftung nach bisherigen Stand nicht für alle Ewigkeit geben, sagt Burgemeister. „Die Zinsen sind dafür im Moment einfach zu niedrig.“ Das sei auch bewusst von Hans Giessen so entschieden worden, damit jährlich bis zum möglichen Stiftungs-Ende Geld ausgeschüttet werden kann. Allerdings hoffen die Rotary-Mitglieder auf höhere Zinsen und Zustiftungen. Eine über 10 000 hat es laut Burgemeister bereits gegeben.

Der 19-Jährige Pianist Jonas Stark.
Der 19-Jährige Pianist Jonas Stark. FOTO: Hans&Ruth-Giessen-Stiftung