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"Früher hat der Opa mit den Enkeln gemeißelt . . ."

Riegelsberg/Alt-Saarbrücken. Jeden Mittwochmorgen um kurz nach sieben verlässt Werner Bärmann (61) sein Haus in Riegelsberg, steigt in sein Auto und macht sich auf den Weg nach Saarbrücken. Einmal pro Woche sucht der freischaffende Bildhauer die Deutschherren-Grundschule in Alt-Saarbrücken auf Von SZ-Mitarbeiterin Nadja Altpeter

Riegelsberg/Alt-Saarbrücken. Jeden Mittwochmorgen um kurz nach sieben verlässt Werner Bärmann (61) sein Haus in Riegelsberg, steigt in sein Auto und macht sich auf den Weg nach Saarbrücken. Einmal pro Woche sucht der freischaffende Bildhauer die Deutschherren-Grundschule in Alt-Saarbrücken auf. Wenn er dort ehrenamtlich mit Kindern zusammenarbeitet, dann steht etwas ganz Besonderes auf dem Stundenplan: Steinbildhauerei. Der Saarländer ist einer von rund 23 Millionen Deutschen, die viel Zeit, Energie und Kreativität in ehrenamtliche Tätigkeiten investieren. Ob in der Feuerwehr, als Schülerlotse, im Sportverein oder als Sprachpate - die Möglichkeiten zur Übernahme eines Ehrenamtes sind schier unbegrenzt. Werner Bärmann bietet seinen Steinbildhauerkurs seit 2008 im Rahmen des Kunstunterrichtes an der Deutschherrn-Grundschule in Alt-Saarbrücken an. Unter seinen erfahrenen Augen - er übt das Kunsthandwerk seit 20 Jahren aus - lernen Viertklässler den Umgang mit Hammer und Meißel. Mit speziell für Kinder angefertigten Miniatur-Werkzeugen gestalten sie eigene Figuren oder Reliefs aus Sandstein. "Sie sind stolz, weil sie wissen, dass ihre Arbeiten praktisch ewig halten und nicht einfach so kaputt gehen", beschreibt Bärmann die Freude der Schüler beim Bildhauen. "Ich find' das klasse, wenn die Steine so wegfliegen", sagt Lucas Kelm (10) aus der Klasse 4.1. Damit das nicht mal ins Auge geht, tragen die Kinder große Schutzbrillen. Auch Cao Son Ta (10) ist mit Eifer dabei, pinselt immer wieder vorsichtig den Staub von seiner gerade entstehenden Adler-Plastik. "Immer schön im Rhythmus klopfen - eins, zwei, eins, zwei, sonst hämmert man wie ein Specht", erklärt Bärmann den kleinen Künstlern. Warum investiert Bärmann seine Zeit in ehrenamtliche Arbeit? "Ich möchte einfach etwas Sinnvolles für die Gesellschaft tun. Die Kinder sollen wieder eine Beziehung zu Materialien aufbauen, die ihnen fremd sind. Früher hat der Opa ja noch mit seinen Enkeln gemeißelt, heute kommt so etwas zu kurz", sagt Bärmann. Ulrike Hahn, Leiterin der Grundschule Deutschherrn, räumt dem Ehrenamt einen hohen Stellenwert ein. Es ermögliche viele Projekte. "Ohne Ehrenämtler bekämen die Kinder zwar das, was notwendig ist, aber nicht das, was sie wirklich bereichert und sie in ihrer Entwicklung fördert", sagt Hahn.



Auf einen BlickHeute im SR-Programm zur ARD-Themenwoche "Ist doch Ehrensache! Wie Menschen sich für die Gesellschaft engagieren": Fernsehen: 18.50 Uhr Kulturspiegel, Das Kunstmuseum Eppelborn, Ehrenamtler im Kulturbetrieb. 19.20 Uhr Aktueller Bericht: Bezahlung und Haftung von Ehrenamtlern. Radio:SR3 5.30 Uhr Warum engagieren sich viele Firmen ehrenamtlich und halten ihre Mitarbeiter dazu an? 9.04 Uhr Die Grünen Damen in den Kliniken. SR2 7.40 Uhr Obdachlosenbetreuung in St. Ingbert und Forbach. Unser Ding 8.45 Uhr: Wie sich Ehrenamt von der Steuer absetzen lässt. SR1 9 Uhr, Thomas Rosch im Gespräch mit dem Landesjugendring. red