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Frost macht Gärtnern und Winzern Kummer

 Erfrorene Apfelblüten hängen an einem Baum. Der Frost der vergangenen Wochen macht den Obstbauern zu schaffen. Foto: Patrick Seeger/dpa
Erfrorene Apfelblüten hängen an einem Baum. Der Frost der vergangenen Wochen macht den Obstbauern zu schaffen. Foto: Patrick Seeger/dpa FOTO: Patrick Seeger/dpa
Saarbrücken. Die Eiseskälte hat viele Blätter und Blüten absterben lassen. Vor allem Hortensien, Walnussbäume und Sommerflieder sind betroffen. Dietmar Klostermann

Seit etwa zwei Wochen hat eine Kältewelle das Saarland im Griff. Heizungen laufen wieder auf Hochtouren, Autoscheiben müssen morgens vom Eis befreit werden. Der wärmste März seit Beginn der Wetteraufzeichnungen ist längst passé, Pullis und dicke Jacken sind das (Mode)-Gebot der Stunde.


Die allzu frühe Wärme hat viele Pflanzen dazu verleitet, Blüten und frisches Blattwerk zu treiben. "Der Forst hat ziemlich reingeschlagen", sagt Karen Falch, Expertin für Pflanzengesundheit bei der saarländischen Landwirtschaftskammer in Bexbach. Besonders Hortensien, Blauriegel, Walnussbäume und Sommerflieder hätten gelitten, Blätter und Blüten seien abgestorben. Dieses für jeden Gärtner und Gartenbesitzer jammervolle Bild bestätigt auch Monika Lambert-Debong, Geschäftsführerin des Verbands der Gartenbauvereine Saarland/Rheinland-Pfalz im Kulturzentrum Bettinger Mühle in Schmelz. "Es war in den vergangenen Tagen viel zu kalt und viel zu trocken", sagt Lambert-Debong. Neben Hortensien und den dunklen Magnolien seien auch Obstbäume geschädigt worden, die bereits in Blüte standen. Das sind im Saarland etwa Kirsch- und Apfelbäume. "Mit deutlichen Schäden ist zu rechnen", erklärt die Diplom-Ingenieurin Gartenbau. Was die Gärtner bereits gesät hätten, entwickele sich aufgrund der kalten Witterung erst gar nicht, so Lambert-Debong. Im Gemüsegarten könne man daher jetzt wenig tun. "Die Schwelle sind die Eisheiligen Mitte Mai, erst danach kann der Gärtner richtig loslegen", sagt die Verbandsgeschäftsführerin.

Die Pflanzengesundheits-Expertin der Landwirtschaftskammer Falch berichtet, dass der Frost auch die Plagepflanze Japanischer Knöterich angegriffen habe. Diese invasive Pflanze, die bis zu vier Meter hoch wird, hat sich im Saarland auch in Waldgebieten breit gemacht und verdrängt dort heimische Flora. Junge Knöterich-Triebe hängen nach den eisigen Nächten schlaff und gelb herab.



"Auch der Wein hat Frost abbekommen", berichtet Falch. Große Obstbauern in Süddeutschland hätten ihre Plantagen künstlich beregnet, um die Blüten mit einem "Eisfilm" zu schützen, so die Expertin. Ob diese Methode im Saarland angewendet werde, wo es weitaus kleinere Obstanbauflächen gebe, sei fraglich. Auch Lambert-Debong verweist auf die Möglichkeit, Frostschutzfliese oder Folien über die jungen Pflanzen zu spannen, was jedoch nur bei größeren Flächen Sinn mache.

Christian Feld, Experte für Feldbewirtschaftung bei der Landwirtschaftskammer, erklärt, dass die Ackerbauern im Saarland nur stellenweise betroffen seien. Dem Weizen habe der Frost nichts anhaben können. "Beim Raps sind jedoch die Stengel abgeplatzt. Da sind die Rapsfelder im nördlichen Saarland betroffen, nach Süden hin halten sich die Schäden in Grenzen", sagt Feld.

Der Hauptgeschäftsführer des Saar-Bauernverbands Hans Lauer berichtet, dass der Frost derzeit bei in Blüte stehenden Erdbeeren Schäden verursache, im Obst- und Weinbau seien die Schäden noch nicht quantifizierbar. "Die seit vier bis sechs Wochen anhaltende Trockenheit betrifft uns allerdings härter", sagt Lauer. "Die Pflanzen lechzen nach Wasser." Das Wachstum stagniere, Kartoffeln könnten nicht gelegt und Mais nicht gesetzt werden. "Das bedrückt uns ein bisschen", so Lauer. Sorgenfrei ist Joachim Stelzer (Vize beim Saarforst-Landesbetrieb). "Im Wald ist durch den Frost nichts passiert", sagt Stelzer.

Zum Thema:

In Rheinland-Pfalz wird derzeit darum gebeten, die Frostschäden in Natur und Gärten zu melden. Der Naturkundeverein Pollichia und die Koordinierungsstelle für ehrenamtlich erfasste Naturschutzdaten (Konat) sammeln die Daten auf ihren Internet-Seiten. www.artenfinder.rlp.de und www.pollichia.de