| 20:14 Uhr

Freiheit muss man sich erkämpfen

Der große Moment: Storchenvater Christoph Braunberger (vorne) und Vogelschützer Fritz Kaufmann helfen den beiden Neunkircher Jungstörchen auf die langen Beine. Foto: Thorsten Wolf
Der große Moment: Storchenvater Christoph Braunberger (vorne) und Vogelschützer Fritz Kaufmann helfen den beiden Neunkircher Jungstörchen auf die langen Beine. Foto: Thorsten Wolf
Ingweiler. Behutsam befreien "Storchenvater" Christoph Braunberger und Vogelschützer Fritz Kaufmann die beiden Neunkircher Jungstörche aus ihren Transportboxen. Ein kurzes Anheben der völlig ruhigen Tiere - und der große Moment ist schon vorbei: Die freie Wildbahn hat zwei Störche mehr Von SZ-Mitarbeiter Thorsten Wolf

Ingweiler. Behutsam befreien "Storchenvater" Christoph Braunberger und Vogelschützer Fritz Kaufmann die beiden Neunkircher Jungstörche aus ihren Transportboxen. Ein kurzes Anheben der völlig ruhigen Tiere - und der große Moment ist schon vorbei: Die freie Wildbahn hat zwei Störche mehr. Das Schauspiel, das in jedem Jahr viele Zuschauer an die Blieswiesen nach Ingweiler lockt, gehört inzwischen zur Routine für Neunkirchens Zoodirektor Norbert Fritsch. Schon zum wiederholten Male ist er Urheber dieser kontrollierten Vermehrung des Storch-Bestandes im Bliestal. Doch an diesem Morgen wird auch schnell klar: Ungefährlich ist das Leben "draußen" für Störche nicht. Ein Jagdschützer hat nur wenige Tage zuvor einen toten Storch unweit des Auswilderungsplatzes entdeckt und zeigt den Kadaver. Einer, der die Störche und ihre Wege im Bliestal genau im Auge hat, ist "Storchenpapa" Christoph Braunberger von der Arbeitsgemeinschaft Bliestalstorch. Er kennt die Gefahren, die gerade auf die unerfahrenen Jungstörche in der freien Wildbahn lauern. "Eine große Gefahr droht den Tieren von den Überland-Stromleitungen. Entweder durch Kurzschluss, wenn sie mit ihren Flügeln die beiden Leiterseile berühren, oder wenn sie gegen ein solches Seil fliegen und sich dabei einen Genickbruch oder Ähnliches zuziehen." Und was tun, wenn man einen Storch findet, der ein solches Unglück überlebt? "In einem solchen Fall sollte man entweder den Zoo oder auch den Nabu informieren. Dort wird man sich um das verletzte Tier kümmern." Abseits dieser vom Menschen geschaffenen Gefahren drohen dem Storch in Deutschland keine natürlichen Feinde. Den Wolf gibt's kaum mehr, und der Fuchs geht nicht gern ins offene Gelände zum Jagen. So sind die Storchzahlen im Ostsaarland und in der Westpfalz gut. "100 Tiere können wir in der Region zählen", sagt Christoph Braunberger. Und nun sind es zwei mehr. Mit der Auswilderung der beiden Jungstörche hat der Neunkircher Zoo erneut Anteil an der stetig wachsenden Zahl von Störchen in der Region. "Die beiden werden sich hier ernähren und Reserven aufbauen. Dann werden sie sich mit anderen Tieren 'vergesellschaften' und auf den Zug nach Spanien begeben." Fritsch hofft nun, dass so viele wie möglich gesund den Weg zurückfinden, am besten natürlich in die Region Bliestal. "Aber natürlich wird es auch Verluste geben. Das ist der Lauf der Natur." Einen Namen haben die beiden Tiere nicht. Und auch ihr Geschlecht wird erst anhand von Feder-Analysen in den kommenden Wochen bestimmt.



Der große Moment: Storchenvater Christoph Braunberger (vorne) und Vogelschützer Fritz Kaufmann helfen den beiden Neunkircher Jungstörchen auf die langen Beine. Foto: Thorsten Wolf
Der große Moment: Storchenvater Christoph Braunberger (vorne) und Vogelschützer Fritz Kaufmann helfen den beiden Neunkircher Jungstörchen auf die langen Beine. Foto: Thorsten Wolf