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France Mobil an der Montessori-Schule
Französische Hits statt Vokabelhefte

Marion Kieber kam im „France Mobil“ in die Montessori-Gemeinschaftsschule nach Friedrichsthal. Mit ihrem Musik-Quiz hatte sie viel Erfolg.
Marion Kieber kam im „France Mobil“ in die Montessori-Gemeinschaftsschule nach Friedrichsthal. Mit ihrem Musik-Quiz hatte sie viel Erfolg. FOTO: Hélène Maillasson
Friedrichsthal. Mit dem„France Mobil“ tourt Marion Kieber durch das Saarland und Rheinland-Pfalz. Jetzt besuchte sie Schüler in Friedrichsthal. Von Hélène Maillasson
Hélène Maillasson

15 Jungs und Mädels sitzen rund um den grünen Teppich. Besser gesagt, sie stehen gebückt auf den Zehenspitzen, bereit zu springen. Gleich spielt Marion Kieber das nächste Lied. Die Wörter, die darin vorkommen, sind auf Plastikschilder aufgeschrieben. Den Schülern geht es darum, diese als erste zu erkennen und sich das entsprechende Schild zu greifen. Klingt an sich ziemlich einfach. Der Haken an der Sache: Das Lied ist auf Französisch. Doch der Ehrgeiz hat die Siebtklässler, die in zwei Teams aufgeteilt sind, gepackt. Jeder will seiner Gruppe die meisten Punkte bringen.


Genau das ist Marion Kiebers Ziel. Seit September ist die 25-jährige Französin an drei Tagen wöchentlich in Rheinland-Pfalz und im Saarland mit ihrem Wagen „France Mobil“ unterwegs, um Schüler spielerisch für die französische Sprache zu begeistern. Wie heute in der Montessori-Gemeinschaftsschule in Friedrichsthal. Sie will den Schülern fernab von Schulbüchern ein zeitgemäßes Bild von Frankreich vermitteln. Und in der Tat spielt Kieber ihnen nicht nur die neuesten Hits aus dem Nachbarland vor, sondern bringt der Klasse auch bei, dass es neben „bonjour“ und „salut“ noch weitere Arten der Begrüßung gibt. Sie zeigt die Gesten, die dazu gehören, etwa das Winken für „coucou“, wenn man sich auf der anderen Straßenseite befindet oder den „Faustcheck der coolen Jungs, die sich mit ‚Wesh’ begrüßen“. Sie sprechen über ihre Familie, ihren Wohnort, was sie mögen und hassen. Am Verein Bayern München scheiden sich die Geister. Bei Schokolade herrscht im Gegenteil Konsens – alle mögen sie. „Mit den Kindern zu arbeiten, macht richtig viel Spaß. Man bekommt sofort eine Rückmeldung, was zieht, was nicht, und kann unglaublich viel ausprobieren“, erzählt Kieber, was ihr an ihrer Arbeit am besten gefällt. Die Kehrseite: Als „France Mobil“-Betreuerin zählt man die Kilometer nicht und arbeitet ohne Kollegen.

Das Programm „France Mobil“ läuft deutschlandweit seit 15 Jahren. In diesem Jahr machen zwölf französische Lektoren mit. Schulen, die sich einen Besuch vom „France Mobil“ wünschen, können bei demjenigen direkt anfragen, der für das jeweilige Gebiet zuständig ist. So machte es auch Annika Gebhard, Lehrerin an der Montessori-Gemeinschaftsschule. „Das ‚France Mobil’ ist zum ersten Mal bei uns. Viele Schüler finden Französisch schwer und überlegen, das Fach abzuwählen. Umso wichtiger ist es, sie für die Sprache mit solchen Aktionen zu motivieren“, sagt sie. Das Programm ist erfolgreich. Seit Beginn hatten über eine Million Schüler schon Besuch vom „France Mobil“. Auch Marion Kieber kann sich vor Anfragen kaum retten. „Bis Juni sind fast alle Termine vergeben“, sagt sie und spielt auf ihrem Laptop den nächsten Song ein.

Von Lied zu Lied steigen die Anforderungen. Damit wird es für die Kinder schwieriger, die Wörter rauszuhören.  Doch es ist ihnen egal, denn die Spannung ist auf dem Höhepunkt: Beide Teams stehen auf Gleichstand mit jeweils zehn Punkten.  Nach „Alors on danse“ von Stromae kommt noch Rap. Manch einer denkt ein Wort erkannt zu haben, hat sich geirrt, legt das Schild zurück. Marion Kieber spielt das Lied nochmal. Dann greifen zwei Mädels zu, sie haben den richtigen Text erkannt und bringen so ihrem Team den Sieg. Die Verlierergruppe ist enttäuscht, aber nicht nachtragend. Am Ende werden die Punkte laut zusammen gezählt. Auf Französisch natürlich.