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Frage nach tödlichem Unfall
Wie gefährlich leben Polizisten im Saarland?

  Bei einem Unfall am Samstagmorgen in Güdingen war eine 22-jährige Polizistin ums Leben gekommen.
Bei einem Unfall am Samstagmorgen in Güdingen war eine 22-jährige Polizistin ums Leben gekommen. FOTO: BeckerBredel
Saarbrücken. Dass ein Beamter während einer Einsatzfahrt ums Leben kommt, ist im Saarland bislang beispiellos. Dabei sind Unfälle mit Dienstwagen keine Seltenheit. Von Dominik Dix

Auf einer Einsatzfahrt ist am Samstag eine Polizeibeamtin im Saarland zu Tode gekommen, ihr 34-jähriger Kollege hat schwere Verletzungen davongetragen (wir berichteten). Die Unfallursache ist bisher unklar, möglicherweise soll Straßenglätte eine Rolle gespielt haben.


Das tragische Ereignis ist im Saarland beispiellos. Laut einer Statistik des Landespolizeipräsidiums ist das der einzige bekannte Fall, bei dem ein Beamter auf einer Einsatzfahrt sein Leben verloren hat. Dabei sind Unfälle der 670 Dienstfahrzeuge keine Seltenheit. Im Jahr 2018 registrierte die saarländische Polizei 193 Unfälle im öffentlichen Verkehrsraum. „Die bei weitem meisten Unfälle passieren allerdings bei Fahrten mit niedrigen Geschwindigkeiten, etwa beim Rückwärtsfahren, Einparken oder Rangieren. Dabei entstehen in aller Regel nur geringe Sachschäden“, teilt die Polizei dazu mit. Dennoch wurden im vergangenen Jahr 15 Personen bei Unfällen mit Polizeifahrzeugen verletzt, davon zwölf Polizeibeamte. Im Jahr 2017 gab es noch 245 Unfälle mit 19 Verletzten. Auch hier war die Mehrzahl der Verwundeten unter den Polizisten zu suchen. 13 Beamte kamen zu Schaden.

Der letzte zumindest ähnlich gelagerte Fall liegt sieben Jahre zurück. 2012 kam eine Polizeibeamtin bei einer Routinekontrolle auf der Autobahn A1 bei Göttelborn ums Leben. Die Beamtin wurde Opfer eines Fahrers, der mit nicht angepasster Geschwindigkeit in eine Kontrollstelle raste. Diese war allerdings noch nicht gesichert. Dabei rammte er einen Privatwagen, verletzte einen Beamten schwer und die Polizistin tödlich. Das Verfahren wurde eingestellt, da kein fahrlässiges Verhalten beim Fahrer festgestellt werden konnte.



Im Rahmen von Einsatzfahrten kam es 2018 zu insgesamt 36 Verkehrsunfällen, einer weniger als im Vorjahr. 22 davon haben die Beamten selbst verschuldet. 2017  waren es noch 25. „Einsatzfahrten beinhalten ein hohes Gefahrenpotential“, sagt Polizeisprecher Stephan Laßotta. Allerdings würden bereits angehenden Polizisten im Rahmen der Ausbildung die Gefahren von Einsatzfahrten nähergebracht. „Fahrsicherheitstrainings gehören zur Ausbildung der Polizeianwärterinnen und –anwärter und werden auch im Rahmen der Fortbildung für alle Polizeibeschäftigten angeboten.“

Ein weitaus höheres Risiko für Leib und Leben besteht für Polizisten dann, wenn sie Opfer von Gewaltdelikten werden. Im Bundeslagebild „Gewalt gegen Polizeivollzugsbeamte 2017“ steht das Saarland an sechster Stelle in Sachen Häufigkeit ebendieser Taten, gemessen an Straftaten pro 100 000 Einwohner. Setzt man diese Werte in ein Verhältnis zueinander, erhält man die sogenannte Häufigkeitszahl. Der Bundesdurchschnitt hier liegt bei 44,2 Taten, das Saarland mit 50,0 deutlich darüber. Bei der Häufigkeit der registrierten Gewaltdelikte weisen Berlin, Bremen und Hamburg die höchsten Belastungen auf, gefolgt von Thüringen, Nordrhein-Westfalen und dem Saarland.

In absoluten Zahlen bedeutet das, dass 1271 Gewaltdelikte gegen die knapp 2500 saarländischen Polizeibeamten verübt worden sind. Der häufigste Tatbestand ist Widerstand gegen Vollzugsbeamte mit 844 Fällen. Doch auch insgesamt 345 Fälle von Körperverletzung weist die Statistik aus. Deutschlandweit wurden im Jahr 2017 71 315 Polizisten Opfer von Gewalttaten. Das sind 3,6 Prozent mehr als im Vorjahr.