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| 22:20 Uhr

Fliegerbombe auf dem Rodenhof"Ich denke nicht, dass das Ding hochgeht"

Saarbrücken. Mit bloßen Händen wollte ein Arbeiter in einer Baugrube an der Ecke Sittersweg/Ziegelstraße am Freitag gegen 9.30 Uhr vorsichtig die Erde unter einer von oben bereits freigelegten Stromleitung (10 000 Volt) wegschieben, da spürte er plötzlich ein großes Stück Metall im Boden Von SZ-Redakteur Jörg LaskowskiVon SZ-Mitarbeiterin Hannah Schnur

Saarbrücken. Mit bloßen Händen wollte ein Arbeiter in einer Baugrube an der Ecke Sittersweg/Ziegelstraße am Freitag gegen 9.30 Uhr vorsichtig die Erde unter einer von oben bereits freigelegten Stromleitung (10 000 Volt) wegschieben, da spürte er plötzlich ein großes Stück Metall im Boden. Eine Bombe? Die Bauarbeiter riefen ihren Chef an, der informierte gegen 10 Uhr den Kampfmittelbeseitigungsdienst (KBD). Kurz darauf war KBD-Chef Dirk Otterbein vor Ort und bestätigte: Es ist eine amerikanische Flieger-Bombe, 20 Zentner, knapp 1,80 Meter lang, Durchmesser etwa 60 Zentimeter, 500 Kilo Sprengstoff TNT. Würde sie explodieren, entstünde ein fünf Meter tiefer Trichter mit einem Durchmesser von 20 Metern. Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienste sperrten die Umgebung ab und evakuierten rund 1000 Menschen, darunter knapp 630 Kinder aus drei Schulen und einer Tagesstätte. Die meisten wurden an der Saarlandhalle von ihren Eltern abgeholt. Ein Bus brachte etwa 25 Bürger in die Turnhalle Am Hof auf der Rußhütte.Rohrzange am ZünderGegen 13 Uhr legte der KBD - assistiert von zwei Bauarbeitern - die Bombe von Hand frei und stellte fest: Sie hatte keine Säurezünder, sondern vorn und hinten Aufschlagzünder. "Da konnten wir adrenalinmäßig gleich ein paar Takte runterschalten", sagte KBD-Chef Dirk Otterbein später. Säurezünder seien erheblich gefährlicher, weil völlig unberechenbar. Die Männer zogen Ketten durch die Ringe, an denen die Bombe schon im Flugzeug eingeklinkt war. Anschließend beförderte der Baggerführer die Bombe behutsam unter der Stromleitung hervor und aus der Grube. Dann mussten alle weg, außer den vier Entschärfern. Mit einer Rohrzange schraubte Otterbein die Zünder heraus. Sie waren erstaunlich gut in Schuss, kein bisschen Rost am Gewinde. Deshalb klappte alles sehr schnell. Um 13.31 Uhr war die Bombe entschärft. Oft dauert das über eine Stunde. Per Gabelstapler legte ein Bauarbeiter das Monstrum auf den KBD-Laster und der transportierte die Bombe in ein geheimes Munitionslager. Von dort wird sie in Kürze zu einer speziellen Anlage verfrachtet, wo man sie zersägt und den Sprengstoff herausbrennt. Um 14.15 Uhr am Freitag durften die Rodenhofer in ihre Häuser und Wohnungen zurück.Saarbrücken. Die SZ sprach mit rund 25 Rodenhofern, die am Freitag im Regen ihre Häuser und Wohnungen verlassen und in einem Bus warten mussten. Werner Gabriel (67) wohnt seit 20 Jahren in der Wolfshumes. Dass ganz in der Nähe eine Bombe liegt, beunruhigt ihn zwar schon. Wirklich Angst hat er aber nicht. Er ist zuversichtlich, dass die Einsatzkräfte das Ganze in den Griff bekommen. Vor zwei Jahren habe es einen ähnlichen Fall gegeben. Damals wurde eine Bombe auf dem Bahngelände gefunden. "Evakuiert wurde da aber nicht", erinnert sich Gabriel. Er fühle sich dieses Mal schon sicherer. Erika Kraft (68) ist besorgt, als sie im evakuierten Gebiet einen Krankenwagen losfahren sieht: "Das ist bestimmt meine 88-jährige Mutter. Ich durfte nicht mehr zu ihr. Ich konnte nur noch meinem Bruder Bescheid sagen. Ich hoffe, dass er sich kümmern konnte." Sie ist verärgert über die Situation rund um die Baustelle (SZ berichtete): "Die können die Leute nicht verstehen", sagt sie und meint Stadt und Landesregierung: "Hauptsache wir kriegen die Stadtmitte am Fluss, alles andere scheint egal zu sein!" Und die Bombe? Hat sie Angst, dass etwas passieren könnte? Nein! "Ich sehe so was immer positiv. Man kann ja doch nichts daran ändern, warum also Panik machen?"Ruben Martin (20) wohnt seit acht Jahren in der Wolfshumes. Auch er ist zuversichtlich: "Die machen das schon. Ich denke nicht, dass das Ding hochgeht." Etwas Vergleichbares habe er auf dem Rodenhof allerdings noch nicht erlebt. Der Bus fährt zur Turnhalle Am Hof auf der Rußhütte. Dort sind Tische und Stühle aufgebaut, und die meist älteren Leute können auf die Toilette gehen. Anneliese Müller (84) ist dort. Sie erzählt, dass sie gerade zum Arzt wollte, als es hieß, sie solle sich beeilen, eine Bombe sei entdeckt worden. Auch für Ilse Austgen (73) kam die Nachricht überraschend. Weder Schmuck noch Papiere konnte sie mitnehmen. Trotzdem ist sie zuversichtlich, dass die Bombe entschärft wird. Aber sie habe schon ein mulmiges Gefühl: "Schließlich wissen wir alle noch, wie wir damals im Krieg in die Bunker gerannt sind." Marga Ferdinand (80) wohnt im Sittersweg. Angst hat sie nicht. "Die Entschärfer machen das ja nicht zum ersten Mal." Und sie weiß: "Hier ist alles voller Bomben."