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Finanzielle Lage wird zunehmend schlechterHebammen demonstrieren gegen Schließung der Kinderklinik

Merzig. Die Krankenhäuser in den Landkreisen Saarlouis und Merzig-Wadern schlagen Alarm. Wie in fast allen saarländischen Krankenhäusern verschlechtert sich auch ihre finanzielle Situation zusehends, die Finanzierungslücke zwischen steigenden Kosten und deutlich hinterherhinkenden Einnahmen wächst stetig Von SZ-Redakteurin Margit Stark

Merzig. Die Krankenhäuser in den Landkreisen Saarlouis und Merzig-Wadern schlagen Alarm. Wie in fast allen saarländischen Krankenhäusern verschlechtert sich auch ihre finanzielle Situation zusehends, die Finanzierungslücke zwischen steigenden Kosten und deutlich hinterherhinkenden Einnahmen wächst stetig. Derzeit fehlen den Krankenhäusern in beiden Landkreisen insgesamt rund 5,6 Millionen Euro, teilte gestern die Saarländischen Krankenhausgesellschaft (SKG) in einer Pressemitteilung mit.

Situation spitzt sich zu

Unter Federführung der Saarland-Heilstätten GmbH (SHG) haben die regionalen Krankenhäuser im SHG-Klinikum Merzig jetzt "ihre" Abgeordneten über die zunehmend dramatische Situation informiert und an die Parlamentarier appelliert, sich auf Bundes- und Landesebene für eine faire Finanzierung einzusetzen. "Die Krankenhäuser brauchen Hilfe, um weiterhin eine qualitativ hochwertige Versorgung ihrer Patienten sicherstellen zu können", betonte der SKG-Vorsitzende Alfons Vogtel.

Nahezu die Hälfte aller Krankenhäuser in Deutschland schreiben rote Zahlen, im Saarland inzwischen fast jedes dritte. In den Landkreisen Saarlouis und Merzig-Wadern (10 Standorte, 1518 Betten, 3737 Beschäftigte) konnten sie ihre Erlöse zwar um 2,64 Mio. Euro steigern, zugleich wuchsen aber auch die Personalkosten um 6,67 Mio. Euro und die Sachkosten um 1,54 Mio. Euro. Letztere beinhalten alleine eine Steigerung bei den Energiekosten um 317 000 Euro (Zahlen von 2012/2013). Auch das Klinikum Merzig macht da keine Ausnahme, wie SHG-Geschäftsführer Dr. Kurt Wahrheit darlegte: "Wir stehen vor einer Finanzierungslücke von mehreren 100 000 Euro".

Tiefrote Zahlen

Die Crux der entweder unter freigemeinnütziger oder öffentlicher Trägerschaft stehenden Krankenhäuser: Konfessionelle Verbände oder Kommunen können und dürfen die Defizite nicht ausgleichen. Also sind politische Lösungen auf Bundes- wie Landesebene unausweichlich. Von den Krankenkassen, die für die Finanzierung der Betriebskosten verantwortlich sind, erwarten die Krankenhäuser für 2013 einen dringend erforderlichen Zuschlag, um so die ausreichende Zahl von Mitarbeitern angemessen zu finanzieren. Des Weiteren wird vom Bundesgesetzgeber eine Änderung der Krankenhausfinanzierung zur Beseitigung einnahmeschmälernder Vorgaben verlangt.

Für die Finanzierung der Krankenhausinvestitionen, beispielsweise in Bauten und Sanierungen, sind die Bundesländer verantwortlich. Hier fordern die Krankenhäuser in den beiden Landkreisen, dass die "bereits jetzt nicht ausreichenden Fördermittel auch in der aktuellen Haushaltsnotlage des Saarlandes nicht noch weiter gekürzt werden".Merzig-Wadern. Kampflos wollen Hebammen aus dem Kreis die Schließung der Kinderklinik am SHG-Klinikum Merzig nicht hinnehmen. Die Entscheidung, die Station mit fünf Betten zu schließen, ist am Dienstag bekannt geworden. "Kommende Woche wollen wir mit einer Unterschriftenaktion beginnen", sagt Geburtshelferin Daniela Schühler-Hilgert aus Losheim. Flugblätter sollen verteilt werden, an Infoständen auf ihren Protest aufmerksam gemacht werden. "Unsere Demo ist bereits angemeldet", sagt die Geburtshelferin. Mit ihren Kolleginnen Yasmin Chirinpour, Katja Kautenburger, Hanna Spelz und Maike Schumacher will sie alles daransetzen, die Pädiatrie zu erhalten.

"Es ist eine Katstrophe, dass die einzige Kinderklinik im Kreis schließt." Daher hoffen die Hebammen bei ihrem Kampf um den Erhalt auf viel Unterstützung von Eltern und Kindern. "Ich habe das Gefühl, dass Schwerpunkt-Krankenhäuser zentriert werden sollen. In Homburg, Neunkirchen, Saarbrücken und Saarlouis gibt es Kinderkliniken. Dann kommt lange nichts. Für die Mädchen und Jungen im Grünen Kreis bedeutet dies lange Wege. Ich denke, dass man den ländlichen Raum ausbluten will." Eine Schließung der Kinderklinik zieht nach Ansicht von Daniela Schühler-Hilgert auch Konsequenzen für die Geburtshilfe nach sich. "Wenn kein Kinderarzt mehr da ist, wird es auch keine Entbindungen mehr geben, bei denen ein Risiko droht. Somit werden sich viele Frauen von vorneherein für andere Kliniken entscheiden" - eine Meinung, die Hebamme Manuela Klein teilt.

"Ich bin entsetzt, dass die SHG die Kinderklinik schließt", sagt sie. Ein Großkonzern wie die SHG lasse die Menschen am Ende ihres Lebens im Regen stehen, wie der Umzug der Palliativstation aus einem separaten Bau auf die Innere Abteilung im Haupthaus beweise. Jetzt verabschiede sich der Träger auch von den Menschen, die am Anfang ihres Lebens stehen. Derweil steht für Ellen Schreiner, 2006 eine der Aktivistinnen im Kampf für den Erhalt der Kinderklinik, fest: "Es sind die gleichen wirtschaftlichen Argumente, die damals von der SHG ins Feld geführt worden sind." Und Mitstreiterin Sabine Krämer, damals Initiatorin der kleinen Hände, ergänzt: "Wenn es zu einem Kampf der Giganten kommt, bin ich wieder dabei." > Seite C5: Bericht über die angekündigte Schließung der Geburtshilfe in Hermeskeil.

Foto: shg

Auf einen Blick

Am Freitag, 5. April, 10 bis 14 Uhr, wird vor dem Alten Rathaus in Merzig für den Erhalt der Kinderklinik demonstriert, kündigt Daniela Schühler-Hilgert an. mst

Die Zukunft der Kliniken in der Region ist ungewiss. Foto: SHG
Die Zukunft der Kliniken in der Region ist ungewiss. Foto: SHG
Alfons Vogtel
Alfons Vogtel