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Feuerwehren funken SOS

Bei aller Kritik: Am Ende gab's Blumen für die Dame.Foto: Faber
Bei aller Kritik: Am Ende gab's Blumen für die Dame.Foto: Faber FOTO: Faber
Freisen. Die Ministerpräsidentin zu Besuch bei der Feuerwehr-Basis: Im Freisener Feuerwehrgerätehaus stellte sich Annegret Kramp-Karrenbauer der Kritik und den Fragen der Führungskräfte der Feuerwehren im Landkreis St. Wendel. Von SZ-Mitarbeiter Frank Faber

Bei der Mitgliederentwicklung in den freiwilligen Feuerwehren im Landkreis zeichnet sich eine rückläufige Tendenz ab. Deren Führungskräfte schlagen unter anderem deshalb bei der Sommertour von Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) Alarm.

Der Freisener Gemeindewehrführer Paul Haupenthal sieht große Probleme auf die Wehren zukommen. "Die Feuerwehr macht sich selbst kaputt, wenn keine Leute mehr bereit sind Feuerwehrdienst zu leisten", befürchtet Haupenthal.

Die Politik steht in der Pflicht

Wenn die freiwillige Feuerwehr nicht mehr existiere, dann habe auch die Politik ein Problem. "Die politische Schiene ist aufgefordert, Anreize zu schaffen, um die Dienstleistung weiter umsonst anbieten zu können", fordert Haupenthal. Die Aufstellung der Feuerwehr fällt als Pflichtaufgabe in die Zuständigkeit der Gemeinde. "In den meisten Fällen stehen wir, was die Mitgliederwerbung anbetrifft, jedoch ganz alleine da", bemängelt Dirk Schäfer, der Pressesprecher des Kreisfeuerwehrverbandes. "Wie viele Millionen werden durch das Ehrenamt eingespart?", so Haupenthal fragend, "deshalb müssten die Politiker mehr nach uns schauen." Dementsprechend sauer waren die Feuerleute über deren Wertschätzung bei der Premiere der Kreisfeuerwehrtage am Bostalsee im vergangenen Jahr. "Die politische Schiene hat gefehlt, es waren nur einige Bürgermeister da", so Haupenthal. Denn nur an der Basis würden sie erfahren, was los sei.

Ein weiterer Kritikpunkt ist der 2008 in Kraft gesetzte Brandschutzbedarfsplan. "Dabei wird von oben nach unten delegiert und die Basis muss es auf die Reihe bringen", wertet Haupenthal. Gelassen kontert Ministerpräsident Kramp-Karrenbauer den Vorwurf. "Als Innenministerin habe ich den Brandschutzbedarfsplan selbst mit auf den Weg gebracht. Darin wird umgesetzt dass die Anschaffungen besser koordiniert werden und dass nicht jede Feuerwehr ihr Spielzeug bekommt", verdeutlicht sie. Schwierigkeiten sieht sie künftig darin, die Tagesbereitschaft zu gewährleisten. "Zunehmend können Arbeitgeber die Leute nicht mehr freistellen", ahnt Kramp-Karrenbauer. Zur Nachwuchsgewinnung rät sie, zu versuchen, verstärkt Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund in die Vereine und Organisationen rein zu bringen.

Kreisbrandinspekteur Dirk Schmidt wünscht sich, als Würdigung des Ehrenamtlers, dem Betreffenden steuerlich entgegen zu kommen. Des Weiteren wird vonseiten der Feuerwehr angeregt, zum Beispiel bei Stellenausschreibungen Bewerber aus Hilfsorganisationen zu bevorzugen. Bei den Einstellungspraktiken, so Kramp-Karrenbauer, stelle sich die Frage, ob man dies überhaupt machen kann. "Es ist mir wichtig mitzuholen, was läuft gut, wo drückt der Schuh und was sind die Wünsche. Ich habe mir meine Hausaufgabenliste mitgenommen", meinte sie.

Aber wie steht es eigentlich um das THW, das DRK, oder um die DLRG? Kein anwesender Vertreter der drei Hilfsorganisationen hat sich während der Diskussion zu Wort gemeldet. Dazu gezielt angesprochen oder aufgefordert hat sie der in Vertretung für Pressesprecher Schäfer, moderierende Vorsitzende des Kreisfeuerwehrverbandes, Andreas Wita, aber auch nicht.


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Auf einen BlickAuf ihrer Sommertour vom 16. bis 31. Juli reist Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer durch die saarländischen Landkreise und den Regionalverband Saarbrücken, um sich in Einrichtungen, Betrieben und Standorten vor Ort über die Entwicklung in der jeweiligen Region zu informieren. Im Landkreis St. Wendel besuchte sie die Marienverehrungsstätte im Marpinger Härtelwald, die Dörrwies-Mühle in Urweiler, die Bohnentaler Muske(l)tiere in Lindscheid, den Schaumbergturm in Tholey und den Business-Park Helmut Zimmer, St. Wendel. Außerdem war in Freisen das Treffen mit den Führungskräften der Hilfsorganisationen. "Der Landkreis St. Wendel ist gut aufgestellt, überall habe ich viele engagierte Leute angetroffen", resümierte die Ministerpräsidentin. frf