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Feuerwehr geht das Personal aus

Der Quierschieder Wehrführer Jürgen Meiser. Foto: Cor
Der Quierschieder Wehrführer Jürgen Meiser. Foto: Cor
Quierschied. "Niemand muss Angst haben. Wenn man die Feuerwehr anruft, kommt sie auch", sagt Jürgen Meiser, Wehrführer der Freiwilligen Feuerwehr in Quierschied. Zwischen 60 und 100 mal im Jahr müssen die Feuerwehrleute in Quierschied, Fischbach, Camphausen oder Göttelborn ausrücken. Dabei geht es bei weitem nicht nur um Brände Von SZ-Mitarbeiter Patric Cordier

Quierschied. "Niemand muss Angst haben. Wenn man die Feuerwehr anruft, kommt sie auch", sagt Jürgen Meiser, Wehrführer der Freiwilligen Feuerwehr in Quierschied. Zwischen 60 und 100 mal im Jahr müssen die Feuerwehrleute in Quierschied, Fischbach, Camphausen oder Göttelborn ausrücken. Dabei geht es bei weitem nicht nur um Brände. Auch bei Verkehrsunfällen, Personenrettungen oder gegen Wespennester muss die Wehr Hilfe leisten.Noch gibt es rund 80 aktive Feuerwehrleute in der Gemeinde. "Es waren schon deutlich mehr", sagt Meiser mit ernstem Gesicht, "der Personalrückgang geht auch an uns nicht vorbei." Am 15. Dezember 2012 wurde der Löschbezirk Göttelborn geschlossen. Gerade einmal zwölf Männer und Frauen gab es zuletzt noch. Löschbezirksführer Werner Ruf wechselt gesundheitsbedingt in die Alterswehr, drei seiner Kollegen nach Fischbach, einer nach Quierschied. Der Rest hört auf.


Die Gründe für den Rückgang sind vielfältig und nicht allein dem demografischen Wandel geschuldet. "Man ist das ganze Jahr gebunden, praktisch immer im Dienst", erklärt der 52-jährige Meiser, der selbst seit 41 Jahren dabei ist und "Feuerwehrleute opfern schon sehr viel Freizeit für Ausbildung, Lehrgänge, Übungen und Einsätze." Und das ganze natürlich ehrenamtlich. "Wir erhalten keinen Cent", betont Meiser, "vielleicht wäre es ein Anreiz, wenn die Dienstzeit bei der Feuerwehr später in irgendeiner Form auf die Rente angerechnet würde." Früher entschieden sich viele junge Männer für den Dienst in der Feuerwehr, um dem Wehrdienst in der Bundeswehr zu entgehen. Doch seit der Aussetzung der allgemeinen Wehrpflicht ist auch das kein Anreiz mehr. So setzt man heute verstärkt auf den Nachwuchs aus den eigenen Reihen. "Oft kommen Gruppen aus Kindergärten zu uns. Wir gehen in Schulen, beteiligen uns an Projektwochen. Wir müssen einfach mehr Werbung für die Feuerwehr machen, als das früher der Fall war", berichtet Meiser.

"Wir haben in unserer Jugendwehr knapp 30 Kinder und Jugendliche", erklärt er. Sie lernen in zwei Altersgruppen (8 bis 12 Jahre und 12 bis 16 Jahre) das Feuerwehr-ABC. Doch auch hier werfen gesellschaftliche Veränderungen die Schatten ihrer Nebeneffekte voraus. "Wenn die flächendeckende Einführung der Ganztagsschule kommt, wird es noch schwieriger - nicht nur für uns, sondern für alle Vereine", befürchtet der Wehrführer und "wenn die Kinder erst nach 17 Uhr heim kommen, bleibt wenig Zeit für Freizeitaktivitäten."

Und weil durch die rückläufigen Geburtenzahlen der letzten Jahre buchstäblich der Nachwuchs fehlt, gibt es nun die Idee am anderen Ende der Altersstruktur zu arbeiten. "Bislang muss man mit 63 aus dem aktiven Dienst ausscheiden. Davon wären bei uns in der Gemeinde in den nächsten 13 Jahren etwa 22 Feuerwehrleute betroffen", erklärt Joachim Pfeiffer, der Mitarbeiter im Rathaus, der auch für die Belange der Feuerwehr zuständig ist, "diese Altersgrenze ist aber nicht mehr zeitgemäß. In anderen Bundesländern wurde sie schon auf 67 heraufgesetzt."

Da in Deutschland auch das Renteneintrittsalter angehoben wurde, soll nun der Übergang vom aktiven Feuerwehrdienst in die Alterswehr später erfolgen. "Wir hatten das beim zuständigen Ministerium noch unter Jamaika beantragt und jetzt nochmals angesprochen", sagt Bürgermeisterin Karin Lawall, "damals wurde dagegen entschieden. Jetzt werden die Möglichkeiten geprüft. Wir warten allerdings noch auf Antwort."



Jürgen Meiser arbeitet schon lange an der Neuaufstellung "seiner" Wehr - vor allem was den Fahrzeugpark angeht: "Derzeit haben wir noch elf Fahrzeuge. Ich will das auf sieben herunterfahren." Da aber einige Einsatzfahrzeuge schon über 25 Jahre alt sind, sollen mindestens zwei moderne Geräte angeschafft werden. Doch Fahrzeuge alleine löschen kein Feuer. "Es werden weitere Wehren schließen oder zusammengelegt", ist sich Quierschieds Wehrführer Jürgen Meiser sicher, "die Zukunft heißt interkommunale Zusammenarbeit." Damit auch künftig die Feuerwehr kommt, wenn man sie anruft.

Der Quierschieder Wehrführer Jürgen Meiser. Foto: Cor
Der Quierschieder Wehrführer Jürgen Meiser. Foto: Cor