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Fast wie ein echter Einsatz

Die Jugendfeuerwehrleute Lisa Hoffmann und Salvatore Capello bei der „Menschenrettung“. Foto: Bernhard Schäfer
Die Jugendfeuerwehrleute Lisa Hoffmann und Salvatore Capello bei der „Menschenrettung“. Foto: Bernhard Schäfer FOTO: Bernhard Schäfer
Spiesen. Am evangelischen Gemeindezentrum am Bethelplatz in Spiesen herrschte Ausnahmezustand: Die Jugendfeuerwehr zeigte in einer Übung ihr Können – von „Menschenrettung" bis Löschangriff. Von SZ-Mitarbeiter Bernhard Schäfer

Das Martinshorn hallt um kurz nach 16.30 Uhr los, das Warnlicht beginnt zu blinken: Der Alarm ist ausgelöst. Mit Blaulicht rollen wenig später vier Löschfahrzeuge der Feuerwehren aus Spiesen und Elversberg los, gehen vor und hinter dem Gebäude am Bethelplatz in Stellung. Heraus springen keine Feuerwehrmänner und Feuerwehrfrauen, sondern Jugendliche - Mädchen und Jungen im Alter von acht bis 16 Jahren: die Jugendfeuerwehr, die am evangelischen Gemeindezentrum in Spiesen Mitte dieses Monats eine Großübung abhielt.

Dabei ging es ganz schön realistisch zu, schließlich wurde für den Ernstfall geprobt. Zwar waren die Atemschutzgeräte nur Attrappen, aber die "Retter" mussten sich durch die engen Gänge und Räume kämpfen, schreiende und leblose Verletzte bergen. Draußen wurde so etwas wie eine Wasserwand aufgebaut, "Riegelstellung" sagen dazu die Feuerwehrleute, damit die Flammen nicht auf angrenzende Gebäude überschlagen.

Bei der Großübung wurden die Jugendfeuerwehren der beiden Löschbezirke mit 37 Mädchen und Jungen alarmiert. Das Szenario, wie der angenommene Brand in der Feuerwehrsprache heißt, spielte sich im Untergeschoss des Gemeindezentrums ab. Dort befinden sich im Hauswirtschaftsraum die Hausanschlüsse, sowie diverse Elektrogeräte und die Heizung. Der angenommene Brand ist dort ausgebrochen und schnell ist das ganze Gebäude voller Rauch.

"Hier Angriffstrupp Spiesen 1-23, Person gefunden, wird nach draußen gebracht", meldet Angriffstruppführer Salvatore Capello. Er ist 15 und mit Jugendfeuerwehrfrau Lisa Hoffmann (11) im Innenangriff. Schnell haben beide die Übungspuppe auf ein Bergetuch gepackt und ins Freie geschleppt. "Gruppenführer Spiesen 1-23, Person gerettet und an Rettungsdienst übergeben", so die Rückmeldung des engagierten Jugendfeuerwehrmanns.

Im Außenangriff ist Lisa-Marie Matheis (13) mit ihrer Freundin Hanna Stein (9) eingesetzt. Bereits nach zwei Minuten haben sie den Schlauch ausgelegt und das Strahlrohr angekuppelt. Als das Wasser mit Druck die Schläuche durch die Luft wirbelt, müssen auch die beiden Mädels ihre ganze Kraft im Kampf gegen den Schlauch aufwenden. Aber schon Sekunden später haben sie alles im Griff und das Wasser erreicht punktgenau das virtuelle Feuer.

Action und Spaß haben sie bei der Jugendfeuerwehr, das wird von allen Seiten bestätigt. Holger Ambos, der als Gemeindejugendfeuerwehrbeauftragter für die Jugendfeuerwehr in der Gemeinde Spiesen-Elversberg verantwortlich ist, bestätigt dies ausdrücklich. "Die Jugendlichen wünschen sich diese großen Übungen, sie wollen ihren Eltern und Freunden zeigen, was sie so drauf haben." Unter den Zuschauern waren auch jede Menge Uniformträger von der anderen großen Hilfsorganisation aus Spiesen. Die Jugendgruppe des Technischen Hilfswerks (THW) aus Spiesen-Elversberg schaute sich an, was die Mädels und Jungs mit den roten Autos so alles anstellen können.