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Haftstrafe nach Familiendrama in Dudweiler
Familienvater wegen Totschlags verurteilt

Während der fünf Prozesstage sagte der Mann nichts zu seinem Tatmotiv.
Während der fünf Prozesstage sagte der Mann nichts zu seinem Tatmotiv. FOTO: picture alliance / dpa / Peter Steffen
Saarbrücken. Das Landgericht Saarbrücken hat einen Familienvater aus Dudweiler zu elf Jahren Haft wegen Totschlags verurteilt. Von Wolfgang Ihl
Wolfgang Ihl

Der 38-Jährige hatte am 28. August 2017 seine Lebensgefährtin in der gemeinsamen Wohnung mit einem Küchenmesser erstochen. Wahrscheinlich wollte er an jenem Abend nicht akzeptieren, dass die zehn Jahre jüngere Frau und Mutter von zwei gemeinsamen Kindern sich endgültig von ihm trennt.


Angeklagter schweigt zum Motiv der Bluttat

Der Mann sagte während der fünf Prozesstage nichts zu seinem Tatmotiv. Vor und nach den Sitzungen hielt er einen Papier-Doppelbogen vor sein Gesicht, um sich vor den Fotografen und Kameraleuten im Sitzungssaal zu schützen. Auf dem Blatt war in blauer und roter Farbe ein großes Herz gemalt. Umrahmt von dem per Hand geschriebenen Satz: „Ich liebe meine Kinder.“



Täter und Opfer haben gemeinsame Kinder

Der ursprünglich aus einem kleinen Dorf in Indien stammende Mann und die Saarländerin hatten sich 2002 kennengelernt. Der Angeklagte arbeite zeitweise als Pizzabäcker, er bezog zuletzt Sozialleistungen. Etwa ab dem Jahr 2014 gab es Probleme in der Beziehung, so der Vorsitzende Richter in der mündlichen Urteilsbegründung. Die Frau habe keine gemeinsame Zukunft mehr gesehen und von Trennung gesprochen. Dennoch sei sie in der gemeinsamen Wohnung geblieben. Zum einen wegen der Kinder. Zum anderen aus Angst davor, dass sich der Familienvater etwas antun könnte. Schließlich habe er ihr gedroht, er werde sich umbringen, wenn sie geht.  Umziehen in eine andere Wohnung im gleichen Mehrfamilienhaus wollte der Angeklagte offenbar nicht.  

Frau wollte Neuanfang für sich und die Kinder

Aus Sicht der 28-Jährigen war die Beziehung mit ihm dennoch beendet – sie hoffte lediglich auf eine gütliche Trennung im Interesse der Kinder. Im Jahr 2017 lernte sie einen anderen Mann kennen. Sie blieb aber mit den Kindern in der gemeinsamen Wohnung mit dem Angeklagten. Im August 2018 wollte die Frau endgültig einen Schlussstrich ziehen. Das berichtete sie einer Freundin. Sie habe einen Neuanfang für sich und ihre Kinder gewollt und den Angeklagten damit konfrontieren wollen.

Mann stach mehrfach mit einem Küchenmesser zu

   

Ob dies an jenem Abend passiert ist, konnte vor Gericht nicht geklärt werden. Klar ist, dass die Frau gegen 22 Uhr von der Arbeit nach Hause kam. Dort bekam sie Streit mit dem 38-Jährigen. Dazu die Richter: Der Angeklagte nahm ein Küchenmesser mit 18 Zentimeter langer Klinge und griff die Frau in der Küche zunächst von vorne massiv an. Sie versuchte, sich mit den Armen zu schützen. Aber einer der Stiche traf ihre Leber. Sie ging in den Flur. Dort trafen sie drei Stiche in den Rücken, zwei davon gingen in die Brusthöhle. Nachbarn hörten die gellenden Hilfe-Schreie der Frau und riefen Polizei und Rettungsdienst. Unterdessen schaffte es die 28-Jährige nach unten vor das Haus. Aber es war zu spät. Die inneren Verletzungen der Frau waren tödlich.