| 20:19 Uhr

Familiäre Opfer für die Kunst

Saarbrücken. "Ich habe kein Bedürfnis, Dinge zu abstrahieren." Malgorzata Sztremer malt gegenständlich und das mit narrativem Aspekt: Ihre Bilder erzählen Geschichten, zwangsläufig stehen daher Menschen im Mittelpunkt. Persönliche Erlebnisse und Erfahrungen prägen ihre Werke, aber auch Emotionen aus Unterbewusstsein und Träumen schlagen sich darin nieder Von SZ-Mitarbeiterin Kerstin Krämer

Saarbrücken. "Ich habe kein Bedürfnis, Dinge zu abstrahieren." Malgorzata Sztremer malt gegenständlich und das mit narrativem Aspekt: Ihre Bilder erzählen Geschichten, zwangsläufig stehen daher Menschen im Mittelpunkt. Persönliche Erlebnisse und Erfahrungen prägen ihre Werke, aber auch Emotionen aus Unterbewusstsein und Träumen schlagen sich darin nieder. Geboren wurde Sztremer 1972 in Polen; sie studierte Malerei an der damals postimpressionistisch dominierten Kunstakademie Krakau. Anschließend absolvierte sie ein Studium der Freien Kunst an der Hochschule der Bildenden Künste (HBK) Saar und erfüllt dort seit fünf Jahren einen Lehrauftrag für Kunst und Raum. Seit 1997 lebt Sztremer in Deutschland, die polnische Staatsbürgerschaft hat sie beibehalten. "Die Entfernung zur Heimat wird mir immer bewusster. Und die Sehnsucht danach, an der Entwicklung dort teilzunehmen." Das Leben in Polen hat sie geprägt, so verarbeitete sie etwa das Leben ihres Vaters, eines Bergbauingenieurs, und die Ängste ihrer Mutter - die Bergleute arbeiteten unter lebensgefährlichen Bedingungen. Zurückkehren nach Polen möchte Sztremer jedoch nicht. "Es ist mir zu katholisch. Die Menschen in Westeuropa sind viel selbstbewusster." Die gesellschaftlichen Unterschiede registriert die Mutter zweier Söhne im Alter von sieben und zehn Jahren zunehmend deutlicher, etwa bei Begegnungen mit anderen Familien. In Fragen der Kindererziehung stünden deutsche Frauen im Vergleich zu den in dieser Hinsicht gelasseneren polnischen Müttern unter enormem Druck.Sponsoren willkommenAngesichts der Fördermaßnahmen, die deutsche Mütter ihrem Nachwuchs angedeihen ließen, stelle sie sich oft die Frage: "Bin ich als Mutter gut genug?" Denn Sztremer und ihr Mann Andreas Golczewski, ebenfalls Maler, opfern sich nicht auf für die Familie - sie bringen familiäre Opfer für die Kunst. Vor zwei Jahren gründeten die beiden das "Museum Gosz - Raum für Kunst und Kommunikation" in der Eisenbahnstraße 22. Sie finanzieren das Atelier und den Ausstellungsraum aus eigenen Mitteln. Zwar existiert ein Förderverein mit rund 25 Mitgliedern, doch da Sztremer und Golczewski sich als nicht-marktorientierte "Kunstarbeiter" verstehen, sind Sponsoren willkommen. Im Juni wurde Sztremer mit dem Förderstipendium der Landeshauptstadt ausgezeichnet; aus diesem Anlass zeigte das Museum die Ausstellung "Pani tutaj - abgemacht Teil 2" - ein Gemeinschaftsprojekt mit der Bildhauerin Michaela Tröscher, die Bilder Sztremers choreografiert und zu einer Raumskulptur gefügt hat. Die Zusammenarbeit mit anderen Künstlern ist ihr wichtig. Dabei geht es nicht um einen Vergleich, sondern um die Wertschätzung der Arbeit anderer - etwa indem man ihnen in blindem Vertrauen sein eigenes Werk zur Umdeutung überlässt.