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Schneechaos
Fahrlässigkeit auf Sommerreifen

Verkehrschaos durch Wintereinbruch: Auf der A 623 kam es zu Wartezeiten von mehr als einer Stunde, auf den Nebenstrecken war ebenfalls Geduld gefragt – wie hier auf der Landstraße 258 bei Sulzbach.
Verkehrschaos durch Wintereinbruch: Auf der A 623 kam es zu Wartezeiten von mehr als einer Stunde, auf den Nebenstrecken war ebenfalls Geduld gefragt – wie hier auf der Landstraße 258 bei Sulzbach. FOTO: BeckerBredel
Saarbrücken. Am Freitag gab es etliche Unfälle und Behinderungen im Straßenverkehr. Schuld sind nicht nur Schnee und Glätte. Von Lisa Kutteruf

Während sich viele Kinder der Schokolade hinter dem ersten Adventskalender-Türchen erfreuten, wartete hinter der Tür nach draußen noch etwas anderes: Schnee. Leise fielen die Flocken am frühen Freitagmorgen auf Bäume, Häuser und Straßen. Zum Schneemannbauen reichte die weiße Pracht kaum – für Chaos auf den Straßen jedoch allemal.


Bis zum Mittag des 1. Dezember registrierte die Polizei 60 Unfälle und zahlreiche Behinderungen landesweit. Vier Personen wurden verletzt, eine davon schwer. „Ein Mann wollte auf der Landesstraße 129 zwischen Merchweiler und Heiligenwald ein Warndreieck aufstellen und wurde von einem Auto erfasst“, sagte Clemens Gergen vom Landespolizeipräsidium. Den Schwerpunkt des Verkehrschaos‘ verortete er in der Mitte und im Westen des Landes. „Auf der Lebacher Landstraße stand ein Lkw quer, die Strecke war stadtein- und auswärts gesperrt“, sagt Gergen. Auf der A 1 bei Riegelsberg und auf der A 623 staute sich der Verkehr. Zwischen Wadgassen und der Westspange in Saarbrücken kam er ebenfalls zum Erliegen. Mittags habe sich die Lage entspannt.

Auch für den öffentlichen Nahverkehr hatte der Wintereinbruch Folgen. Vor allem der Regionalverband Saarbrücken und Höhenlagen seien betroffen gewesen, während andere Gegenden verschont blieben, sagte Marco Dincher vom Saarländischen Verkehrsverbund. Am Sommerberg in Püttlingen stellten sich Busse quer. Busfahrer steuerten Höhenlagen und Haltestellen, die am Hang liegen, nicht an, unter anderem in Bischmisheim und am Eschberg. In Merzig, Losheim und Wadern mussten die Passagiere „geringfügige Verspätungen“ hinnehmen. Manche Verbindungen fielen komplett aus, zum Beispiel zwischen Riegelsberg und Saarbrücken. Einige Kinder seien am Morgen nicht mit dem Bus zur Schule gekommen, sagte eine Sprecherin der Stadtwerke. Die Saarbahn sei aber gefahren.



In einer Grundschule in Völklingen-Fürstenhausen fiel der Unterricht aus, weil viele Lehrer es witterungsbedingt nicht zur Schule schafften. Zum Unterrichtsbeginn seien drei von zwölf Lehrern da gewesen, sagte eine Mitarbeiterin.

Die Lage am Flughafen Saarbrücken war unterdessen ruhig. Der Straßenverkehr um den Flughafen sei normal geflossen, sagte Sprecher Ludwin Vogel am Freitag. „Der Flugverkehr war nicht beeinträchtigt. Die Startbahn wird automatisch vom Winterdienst gestreut.“ Zwei Maschinen seien mit leichter Verspätung angekommen, allerdings nicht aus Witterungsgründen.

Manche Verkehrsunfälle hätten sich offenbar leicht vermeiden lassen. „Die Beamten konnten in zwei Fällen feststellen, dass die Fahrer der unfallbeteiligten Fahrzeuge mit Sommerreifen unterwegs waren“, meldete die Polizeiinspektion Sulzbach am Freitagnachmittag. Inwiefern bei den anderen Unfällen im Saarland ebenfalls Fahrzeuge mit Sommerreifen beteiligt waren, war am Freitag unklar. „Wer bei diesem Wetter ohne Winterreifen erwischt wird, muss mit einem Bußgeld rechnen“, sagte Gergen. Dies belaufe sich auf 60 Euro und einen Punkt in Flensburg. Wenn das Auto in einen Unfall verwickelt war, seien es 120 Euro und ein Punkt.

Offenbar hat der Schnee einige Saarländer dazu bewogen, ihre Reifen endlich wechseln zu lassen. Zumindest berichtete das ein Mitarbeiter der A.T.U.-Filiale in Saarbrücken-Malstatt am Freitagnachmittag: „Der Andrang war heute riesig.“