| 00:00 Uhr

„‚Eye In The Sky' ist mein eigener Favorit“

Alan Parsons, der mit den Beatles und dann mit Pink Floyd zusammen gearbeitet hat, kommt mit Alan Parsoins Live Project am 28. Juli ins Luxemburgische Beaufort im herrlichen Müllertal und spielt vor der beeindruckeneden Kulisse des alten Schlosses seine großen Hits. Foto: Veranstalter
Alan Parsons, der mit den Beatles und dann mit Pink Floyd zusammen gearbeitet hat, kommt mit Alan Parsoins Live Project am 28. Juli ins Luxemburgische Beaufort im herrlichen Müllertal und spielt vor der beeindruckeneden Kulisse des alten Schlosses seine großen Hits. Foto: Veranstalter FOTO: Veranstalter
Der britische Sänger, Keyboarder und Gitarrist Alan Parsons tritt mit seiner Band, dem Alan Parsons Live Project, am Sonntag, 28. Juli, im Chateau Beaufort in Luxemburg auf. SZ-Mitarbeiter Martin Trappen sprach vorab mit ihm über seine Anfänge in der Musikbranche, was ihn zum Schreiben eigener Musik bewegte und was er in Zukunft noch vor hat. mtn

Sie haben ihre Karriere als Assistenz-Tontechniker in den Abbey Road Studios in London im Alter von 18 Jahren begonnen. Haben Sie dort direkt nach der Schule angefangen?

Alan Parsons: Nein, nicht direkt, mein erster Job war bei EMI Music, denen die Abbey Road Studios gehörten. Genauer gesagt habe ich in einer Einrichtung angefangen, die Tonbänder dupliziert hat und in Verbindung mit Abbey Road stand. Ich habe also schon ein wenig über Ton gelernt, bevor ich bei Abbey Road selbst anfing.

Die Beatles waren eine der ersten Bands, denen Sie bei Abbey Road als Techniker zugewiesen wurden. An welchem Album hatten die Beatles zu dieser Zeit gearbeitet?

Parsons: Tatsächlich waren die Beatles die allererste Band mit der ich je gearbeitet habe und . . .

Bevor Alan die Frage ganz beantworten kann, wird er von lautem Hundegebell im Hintergrund unterbrochen.

Parsons: Tut mir leid wegen des Hundes, wann immer etwas am Fenster vorbeikommt, dreht er durch.

Kein Problem.

Parsons: Also wie gesagt, die Beatles waren die erste Band, und das erste Album von ihnen, an dem ich mitgearbeitet habe, war "Let It Be". Mit dem Album "Abbey Road" hatte ich allerdings nichts zu tun, da es bekanntermaßen vor "Let It Be" aufgenommen wurde, obwohl es später veröffentlicht wurde. Außerdem habe ich als Studiotechniker an dem Film, den sie zu der Zeit drehten, der "Let It Be"-Dokumentation, mitgearbeitet. Ich war auch unter anderem an den berühmten "Rooftop Sessions", dem letzten Live-Auftritt der Beatles, beteiligt. Es war also eine sehr spannende Zeit für Beatles-Fans wie mich.

Was genau war die Aufgabe eines Studiotechnikers zu dieser Zeit?

Parsons: Zu der Zeit war ich nur Assistent, also musste ich lediglich Bänder einsetzen und "Aufnahme" drücken, wenn es mir gesagt wurde. Es war nicht sonderlich kompliziert, ich musste höchstens einmal Bänder zurückspulen und sie dann im Kontrollraum von vorne abspielen. Aber wie Sie vermutlich wissen, waren die Beatles zu dieser Zeit nicht sehr motiviert und kamen kaum voran. Daher war es auch sehr unangenehm, mit ihnen in einem Studio zu sein.

Wann wurden Sie ein vollwertiger Tontechniker?

Parsons: Das war 1971. Ich war immer noch neu als Techniker, als ich mit Pink Floyd arbeitete. Ich hatte zwar schon etwas Erfahrung gesammelt, war aber immer noch recht grün hinter den Ohren, wie man so schön sagt.

Pink Floyd ist ein gutes Stichwort: Sie haben mit vielen verschiedenen Bands gearbeitet, inwiefern haben diese Sie beeinflusst und was hat Sie dazu bewogen, selbst auf die Bühne zu treten?

Parsons: Das Alan Parsons Project war im Prinzip eine Studio-Band, und ein wenig wurde ich sicher von den Künstlern, mit denen ich gearbeitet habe, darunter Pink Floyd und die Beatles, inspiriert. Aber bis 1995 hatte ich nicht angefangen, selbst zu spielen. In dem Jahr waren wir auf unserer ersten Deutschland-Tournee. Vor diesem Zeitpunkt gab es aber praktisch überhaupt keine Live-Auftritte.

Nochmals zurück zu Pink Floyd. Sie waren Toningenieur beim erfolgreichen Album "Dark Side Of The Moon". Wie hatte sich die Band auf die Aufnahme vorbereitet?

Parsons: Die Band hat zu dieser Zeit nicht viel geprobt, allerdings das Stück schon live gespielt, bevor sie zu Abbey Road kamen, daher war das Konzept für "Dark Side" schon recht gut strukturiert. Normalerweise war es nie Aufgabe des Tontechnikers, irgendetwas für die Session zu planen, außer die Mikrofone zu platzieren und ähnliche Vorbereitungen. Die Band hat sich nicht mit mir zusammengesetzt und erklärt, was sie wollte. Es ist sehr selten, dass jemand sowas für einen Techniker macht - auch heute noch.

Wie lange dauerten die Aufnahme-Sessions für "Dark Side"?

Insgesamt haben wir, glaube ich, nicht viel länger als ein Jahr gebraucht. Aber zwischen den Arbeiten im Studio wurde "Dark Side" auch mehrfach live gespielt.

Hat die Band irgendwann Ihre Meinung über einen der Songs oder die Zusammenstellung geändert, nachdem sie das Album einem Live-Publikum vorgspielt hatten?

Ich kann mich an keine bewussten Entscheidungen aufgrund der Live-Auftritte erinnern. Das ganze Album komplett vorzutragen, hatte aber eine Auswirkung auf die Strukturierung im Studio. Das meiste wurde als Album aufgenommen, die Songs waren nicht voneinander getrennt. Der Großteil der beiden Seiten wurden so aufgenommen, wie sie letztlich erschienen sind.

Das war dann also nach der Trennung des Alan Parsons Project?

Parsons: Ja, das stimmt. Obwohl Eric Woolfson und ich uns nie offiziell getrennt haben. Es hat einfach jeder sein eigenes Ding gemacht. Das letzte Mal haben wir an dem Musical "Freudiana" zusammen gearbeitet. Es gab außerdem ein Doppel-Album mit dem gleichen Namen, das nicht unter dem Namen "Alan Parsons Project" veröffentlich wurde, obwohl dasselbe Team dahinter steckte. Es ist allerdings erstaunlich, wie erfolglos das Album war, weil niemand wusste, was "Freudiana" überhaupt war. Rückblickend hätte sich die Platte wohl besser verkauft, wenn der Name "Alan Parsons Project" drauf gestanden hätte.

Was tun Sie heutzutage? Treten Sie mehr live auf oder arbeiten Sie mehr im Studio?

Parsons: Ich verbringe mehr Zeit mit Live-Auftritten. Wir sind schon drei Wochen lang durch Deutschland getourt und hängen dieses Jahr noch zwei Wochen dran. Das ist gut so, live zu spielen ist inzwischen zu meiner Hauptbeschäftigung geworden, ich habe schon seit geraumer Zeit nichts Neues mehr veröffentlicht. Genau gesagt, habe ich 2004 mit dem Album "A Valid Path" zum letzten Mal etwas aufgenommen. Dafür habe ich mehr Zeit mit Sachen wie der Videoreihe "The Art And Science Of Sound Recording" verbracht, die vermitteln soll, wie man Ton am besten aufzeichnet.

Also sind Sie inzwischen mehr Live- als Studiomusiker. Gefällt Ihnen das so oder würden Sie lieber mehr aufnehmen?

Parsons: Nein, ich spiele sehr gerne live, und es ist auch wesentlich lukrativer als die reine Aufnahme. Zudem gehöre ich zu diesem geheimnisvollen Musikbereich namens "Classic Rock". Und Classic-Rock-Künstler können keine neue Musik verkaufen, sondern nur alte Musik. Und genau das tun wir auf unserer Tour, wir spielen die Hits, und die Leute lieben es sehr. Mir ist das recht, und ich verspüre nicht den Drang, immer wieder neue Sachen zu produzieren.

Gibt es also gar keine neuen Platten von Ihnen zu kaufen?

Parsons: Doch, wir haben eine Live-Doppel-CD gemacht, die pünktlich zur Tour fertig sein wird. Die CD wird dann bei der Show zum Verkauf angeboten.

Mit komplett neuen Alben ist aber nicht zu rechnen?

Parsons: Wir werden bald eine neue Single veröffentlichen, aber ich sehe keinen Grund, ein ganzes Album herauszubringen, es sei denn, wir haben eine Single als Aushängeschild. Falls die Single erfolgreich sein sollte, werde ich sofort ins Studio springen und eine neue Platte aufnehmen.

Auf dieser Tour werden Sie also vor allem Ihre größten Hits spielen?

Parsons: Ja, wie gesagt, es ist eine Hit-Show. Und auf dieser Tour ist auch Kip Winger von der Band "The Wingers" mit dabei. Einmalig auf dieser Tour wird er live mitsingen. Darauf freue ich mich schon sehr.

Welcher Ihrer eigenen Songs ist Ihr persönlicher Favorit?

Parsons: Ich habe immer schon Sirius, den instrumentalen Anfang von "Eye In The Sky", sehr gemocht, ich habe ihn immer gern gespielt, und mir gefällt auch, dass er sehr oft bei Sportveranstaltungen in den USA zu hören ist. Einer der besten Songs war meiner Meinung nach aber "Limelight", ein nicht besonders bekanntes Lied von dem Album "Stereotomy". Aber ich persönlich mag das Stück sehr, und ich finde, Eric ist der Text wirklich gut gelungen.

Im Hintergrund habe ich kurz nach Beginn des Interviews einen Hund bellen hören. Was für ein Hund war das und wie heißt er? Wir haben hier in der Redaktion nämlich auch zwei Hunde, müssen Sie wissen.

Parsons: Das war eine englische Bulldogge namens "Diesel". Wir haben aber insgesamt drei Hunde, noch eine Bulldogge mit Namen "Peanut" und einen Labrador-Schäferhund-Mischling der "Scooby" heißt.

Scooby, wie die Zeichentrick-Figur?

Parsons: Ganz genau, das war allerdings nicht meine Idee, sondern die meiner Tochter (lacht).

Naja, das ist doch ein passender Name für einen Hund.

Parsons: Das stimmt, ja. Wir haben außerdem noch zwei Katzen, sechs Hühner und ein großes Pferd namens "Dante".

Oha, Sie haben ja einen regelrechten Zoo zu Hause.

Parsons: Ja, fast (lacht).

Dann bleibt mir nur, Ihnen viel Erfolg für die Tour zu wünschen.

Parsons: Vielen Dank, ich freue mich schon auf die Show, und hoffentlich sehen wir uns in Luxemburg.

Karten gibt's im Vorverkauf für 50 Euro (Stehplatz) und 64 bzw. 70 Euro (Sitzplatz) inklusive aller Gebühren an allen an Ticket Regional angeschlossenen Vorverkaufsstellen und unter www.ticket-regional.de. Ticket-Hotline (06 51) 9 79 07 77. In Merzig beim Wochenspiegel und bei Kultopolis (Sammler-Hardtickets), Schankstraße 42, in Losheim bei der Tourist-Info am See, Buchhandlung Rote Zora, Ticket-Hotline (0 68 61) 93 99 80.



Zum Thema:

HintergrundAlan Parsons hat Musikgeschichte geschrieben als assistierender Tontechniker der Beatles und als Produzent verschiedener legendärer Alben, unter anderem für Pink Floyd. Mit dem Alan Parsons Project hatte er unzählige Hits wie "Eye in the Sky", "Sirius", "Don't answer me", "Prime Time", "Lucifer". Legendär war das erste Album "Tales of Mystery and Imagination - Edgar Allan Poe" und die darauf enthaltenen Songs "The Raven" und "A Dream within a Dream". Das Alan Parsons Project war ein reines Studio-Projekt. Erst neue Keyboard-Technologien machten es in den 90ern möglich, den komplexen und orchestralen Sound der Songs live wiederzugeben. Im Juli 2012 wurde Alan Parsons bei der Verleihung des "Deutschen Entertainment Preises" für sein Lebenswerk geehrt. Zurück ist Alan Parsons ist mit der aktuellen Greatest Hits Tour. Das Publikum und die Presse danken es Alan Parsons und seiner Band mit Standing ovations. Der Klang ist erstklassig, die Musiker sind vom Feinsten. Die Lightshow verpackt die Show und untermalt alle seine großen zeitlosen Hits. mtn