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Saar-Linke länger kopflos
Ex-Linken-Chef Flackus für Generationswechsel an der Spitze

Der zurückgetrenene Saar-Linken-Chef Jochen Flackus.
Der zurückgetrenene Saar-Linken-Chef Jochen Flackus. FOTO: dpa / Oliver Dietze
Saarbrücken. Der am Wochenende zurückgetretene Politiker will aus gesundheitlichen Grünen nur noch Landtagsarbeit machen. Von Dietmar Klostermann

Der am Wochenende überraschend zurückgetretene Saar-Linken-Chef Jochen Flackus hat sich gestern Mittag vor Medienvertretern im Landtag in guter Verfassung präsentiert. „Mein Rücktritt hatte keine politischen Beweggründe“, sagte Flackus, der erst am 25. November 2017 von einem Landesparteitag der Linken zum Parteivorsitzenden gewählt worden war. Denn der neue Landesvorstand habe in den zurückliegenden drei Monaten „gut zusammengearbeitet“, betonte der Ex-Linken-Chef. Doch Anfang des Jahres habe er sich in medizinische Behandlung im Herzzentrum der SHG-Klinik in Völklingen begeben müssen. „Die Ärzte haben mir geraten, mich ruhiger zu verhalten“, erklärte Flackus. Das habe ihn zu der Entscheidung bewogen, das Spitzenamt in der Partei abzugeben.Er bleibe jedoch Landtagsabgeordneter und Parlamentarischer Geschäftführer der Linken im Saarland.


Dabei waren die Saar-Linken erst nach dem Amtsantritt von Flackus als Nachfolger der Landtagsabgeordneten Astrid Schramm wieder in ruhigeres Fahrwasser gesteuert. „Die Gräben in der Partei sind noch nicht zugeschüttet“, räumte Flackus ein. Der Prozess der Zusammenführung der beiden Lager müsse daher weitergehen. Das habe der Landesvorstand bei einer Klausurtagung vor Kurzem so vereinbart. Dabei habe man auch die Mitgliederkartei der Partei „auf Vordermann gebracht“. „Da gab es ja Manipulationsvorwürfe“, sagte Flackus.

Diese Vorwürfe, dass der linke Bundestagsabgeordnete Thomas Lutze bei der Kandidatenaufstellung für den Bundestag im vergangenen Frühling neue Mitglieder angeworben haben soll, die jedoch keine Beiträge gezahlt hätten und nur wegen der Stimmabgabe für Lutze in die Partei kamen, hatten verschiedene Mitglieder geäußert. Unter anderem der damalige Landesschriftführer Adolf („Addy“) Loch aus Merzig, der mit Klagen gegen die Rechtmäßigkeit der Kandidatenaufstellung allerdings vor öffentlichen Gerichten scheiterte. Das Bundesschiedsgericht der Partei hat Loch nun offenbar ausgeschlossen (siehe Bericht unten). Flackus erklärte, dieses und andere Verfahren aus dem vergangenen Jahr seien noch „Positionen, die es abzuarbeiten gilt“. Da müsse man durch, das müsse man ertragen. „Das tut ein bisschen weh“, so Flackus. Die Probleme bei den Saar-Linken seien eben nicht vom Tisch, indem man sich einfach neu zusammensetze. „Der Wille ist da, dass wir in dem Stil, wie wir jetzt zusammenarbeiten auch weiterarbeiten. Das ist das Entscheidende“, sagte Flackus. Das ändere jedoch nichts daran, dass es immer „Querschläger“ in der Partei geben werde.

Flackus erklärte, dass der Landesvorstand das weitere Prozedere, was die Neuwahl eines Vorsitzenden anbelange, am 5. März festlegen werde. In den nächsten Monaten sollen die drei Vize-Vorsitzenden Barbara Spaniol (Homburg), Andreas Neumann (Wadgassen) und Patricia Schumann (Saarbrücken) die Partei im Saarland führen. „Es muss einen Generationswechsel an der Spitze geben“, betonte der Ex-Vorsitzende Flackus. Auf die Frage, ob auch der 24-jährige linke Landtagsabgeordnete Dennis Lander dafür in Frage kommt. sagte Flackus: „Ich will mich nicht auf eine Person festlegen. Aber Dennis Lander halte ich einen guten Teil in der Partei“. Lander bringe „frischen Wind“ auch in den Landtag herein. Aber das müsse am Ende der Parteitag entscheiden, wie sich die Linke in der Spitzenfrage positioniere. Eine Doppelspitze bei den saarländischen Linken halte er für „eine durchaus respektable Variante“.

Ein junger linker Hoffnungsträger an der Saar: Dennis Lander, 24.
Ein junger linker Hoffnungsträger an der Saar: Dennis Lander, 24. FOTO: Thomas Wieck