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Grubenflutung
EVS: Grubenflutung schadet Kanalsystem

Eine schöne Seite des Grubenswassers, das jetzt für so viel Diskussion sorgt: Im Wassergarten der Grube Reden tritt warmes Grubenwasser zu Tage. Im Mosesgang kann man durch eine künstliche Schlucht laufen.
Eine schöne Seite des Grubenswassers, das jetzt für so viel Diskussion sorgt: Im Wassergarten der Grube Reden tritt warmes Grubenwasser zu Tage. Im Mosesgang kann man durch eine künstliche Schlucht laufen. FOTO: BeckerBredel
Saarlouis-Fraulautern. Der Entsorgungsverband Saar äußert Bedenken angesichts der Grubenwasserpläne des Bergbaukonzerns RAG. Von Udo Lorenz

Der Entsorgungsverband Saar (EVS) befürchtet bei Einstellung des Grubenwasserabpumpens durch den Bergbaukonzern RAG eine Gefährdung seines 1100 Kilometer langen Abwassernetzes, was zu Kostensteigerungen und letztlich Gebührensteigerungen beim Bürger führen könnte. Auf der EVS-Verbandsversammlung in Fraulautern kündigte EVS-Geschäftsführer Georg Jungmann (CDU) am Dienstag an, der Verband werde im laufenden Verfahren fristgemäß bis Mitte Januar/Februar seine Stellungnahme mit allen bis dahin abgeklärten Bedenken und Einwendungen abgeben. Illingens Bürgermeister Armin König (CDU) hatte zuvor den EVS auf der Versammlung aufgefordert, gegen die Grubenflutung „Front zu machen“, da sie sowohl das Trinkwasser als auch die Abwasserversorgung gefährden könne, was ein Straftatbestand sei.


Als „schwerwiegenden Verfahrensfehler“ sieht es der Illinger Bürgermeister, dass der EVS zum RAG-Grundsatzbeschluss zur Einstellung der Grubenwasserhaltung bislang nicht als Beteiligter gehört wurde. „Das Thema betrifft nicht nur 30 Kommunen mit 600 000 Einwohnern im Land, sondern alle im EVS“, betonte König. Dies begründete er mit den bei Grubenflutung möglichen Bodenhebungen oder -senkungen, die die Abwasserkanäle mit ihren Hauptsammlern gefährdeten. Der Kirkeler Bürgermeister Frank John (SPD) sagte, auch die in Zukunft mögliche höhere Hochwassergefahr durch die Grubenwasserflutung gehöre in die EVS-Stellungnahme. „Das Hochwasser macht nicht der Fluss, sondern das Grundwasser“, sagte er. Illingens Rathauschef König sah gar eine drohende Verunreinigung von Trinkwasser, Grund und Boden.

Mit großer Mehrheit verabschiedete die EVS-Verbandsversammlung den Wirtschaftsplan 2018, der die vom EVS schon früher angekündigte Preisstabiltät bei den Abfall- und Abwassergebühren zumindest bis Anfang 2020 gewährleisten soll. Im Ergebnis plant der EVS nächstes Jahr in der Sparte Abfallwirtschaft einen Gewinn von 6,6 Millionen Euro und in der Abwasserwirtschaft einen Überschuss von 5,7 Millionen Euro. Die Bürgermeister der Städte Saarbrücken, Mettlach und Wallerfangen stimmten gegen den Wirtschaftsplan. Die Kommunen Lebach, Überherrn und Wadgassen enthielten sich der Stimme.

Einstimmig nominierte die EVS-Verbandsversammlung dagegen am Dienstag die Aufsichtsratsmitglieder für die künftige EVS BioMasseZentrum GmbH, die bis März 2018 gegründet sein soll. Nach Darstellung von EVS-Geschäftsführer Jungmann soll das für knapp 40 Millionen Euro geplante neue Biomassezentrum in Ensdorf im Jahr 2021 in Probe- und spätestens 2022 in Regelbetrieb gehen.

Zugleich sicherten er und Co-EVS-Geschäftsführer Michael Philipp (SPD) den Kommunen im Land Unterstützung bei der Umsetzung der neuen Grüngut-Konzeption zu, die vor Ort Probleme bereiten könne, da teils auch höhere örtliche Beiträge ermittelt und auf die Bürger umgelegt werden müssten.