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Polizeiaktion
Erste Verhaftung wegen IS-Verdachts in Luxemburg

(Symbolbild)
(Symbolbild) FOTO: picture alliance / dpa / Patrick Pleul
Luxemburg. Die Polizei hat eine Person festgenommen, die angeblich geholfen hat, Propaganda-Botschaften der Terrororganisation zu verbreiten. Von Bodo Bost

Luxemburg stand bisher als internationaler Bankenplatz eher in Verdacht bei der Terrorfinanzierung eine Rolle zu spielen. Vor allem das Emirat Katar, wo  das Oberhaupt der radikalislamischen Muslimbruderschaft seinen Sitz hat, über das die meisten anderen arabischen Staaten wegen seiner Terrorbeteiligung vor einem Jahr eine internationale Blockade verhängt hatten, hatte sich nach der Bankenkrise von 2008 stark im Bankenwesen des Großherzogtums engagiert. Es hatte eine der größten Banken des Bankenplatzes übernommen. Jetzt hat dieses Engagement eine zusätzliche Facette bekommen.


      Bei einem Anti-Terror-Einsatz in Luxemburg wurde, wie die Staatsanwaltschaft erst fünf Tage später bekanntgab, ein vermutliches Mitglied des sogenannten Islamischen Staates (IS) festgenommen. Dabei handelt es sich um einen 26-jährigen Luxemburger, der seit Monaten beobachtet worden war. Presse-Informationen zufolge fand der Einsatz im Bankenviertel auf dem Kirchberg statt. Im Visier der Ermittler war IT-Material, sodass davon auszugehen ist, dass der Verdächtige via Internet und sozialen Medien auffällig geworden war. Die Polizei hatte sich nach einem richterlichen Beschluss Zutritt zu einer verdächtigen Wohnung verschafft. Bei der Durchsuchung wurde denn auch IT-Material beschlagnahmt und der Verdächtige und seine Freundin festgenommen.

    Dem Mann wird vorgeworfen, „an der Verbreitung von Botschaften und Propagandamaterial für die Terrorgruppe“ IS beteiligt gewesen zu sein. „Es gibt keinen Hinweis darauf, dass ein Angriff geplant ist“, sagte ein Sprecher der Justizbehörde. Er wies auch darauf hin, dass dies „der erste islamistische Terrorverdacht in Luxemburg“ seit dem Aufkommen des IS sei, der in den vergangenen Jahren zahlreiche Anschläge in Europa verübt hat. Der Verdächtige befindet sich seit Mittwochabend in Untersuchungshaft, die Frau wurde wieder auf freien Fuß gesetzt. Derweil laufen die Ermittlungen weiter und das beschlagnahmte Material wird untersucht.



Obwohl das Großherzogtum bislang wenig im Zusammenhang mit dem islamistischen Dschihad in Erscheinung getreten ist, gab es auch von Luxemburg aus bereits einige Ausreisen in den Dschihad in Syrien. In Esch und auch in Luxemburg Stadt war es seit 2014 zu islamistischen Koranverteilaktionen gekommen und eine radikalislamische Moschee in Esch war in den Focus der Ermittler geraten.

Am bekanntesten wurde der Fall des 29-jährigen Steve Duarte, ein Luxemburger portugiesischer  Herkunft. Dieser ehemalige gescheiterte Rapper mit dem Künstlernamen „El Pollo“ (Das Hähnchen) war zum Islam konvertiert und 2014 mit einem Freund nach Syrien ausgereist. Der Mann aus Meispelt nannte sich nach seiner Ausreise Abu Muhadjir al-Andalousi und gehörte zum inneren Kern des IS. Er soll an mehreren Hinrichtungen teilgenommen haben. Es gibt jedoch auch Berichte, nach denen er wie sein deutscher Rapper-Kollege Deso Dogg in Syrien beim Sturm auf Rakka im Januar 2018 umgekommen sein soll.  Ob der jetzt verhaftete IS-Anhänger vom Luxemburger Kirchberg mit Duarte in Verbindung stand, ist nach bisherigen Erkenntnissen nicht bekannt.