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Ein besonderes Projekt
Erste Solaranlagen für das Inselparadies

Der Saarbrücker Kevin Marx ist Projektmanager bei den Chinesen.
Der Saarbrücker Kevin Marx ist Projektmanager bei den Chinesen. FOTO: BeckerBredel
Saarbrücken/Malé. Der 29-jährige Saarbrücker Kevin Marx installiert auf den Malediven die ersten Solaranlagen. Dazu mussten alle Bau-Materialien importiert werden. Von Frank Bredel

Traumstrände und himmelblaues Wasser, die absolute Ruhe am Korallenriff. So kennt man die Malediven mit den ringförmigen Atollen im Indischen Ozean aus dem Werbeprospekt. Die Inselkette ist ein Sehnsuchtsort für Romantiker, ein Postkartenmotiv. Das Klischee täuscht allerdings darüber hinweg, dass der Staat der Malediven zu den Entwicklungsländern zählt. Aufbauarbeit leistet dort seit Dezember der 29-jährige Saarbrücker Kevin Marx. „Ich bin seit Anfang Dezember hier auf den Malediven, habe dort auch Weihnachten, Neujahr und vor kurzem meinen Geburtstag verbracht.“ Sein Job: der Aufbau von Solarparks. Das macht Marx seit Jahren. Als Projektmanager errichtete er schon 60 Anlagen. Aktuell baut er für den chinesischen Großkonzern CMEC das maledivische Staatsprojekt „1.6 MWp Installation at 1000 Housing Units Hulhumale“.


Marx fühlt sich als Pionier auf der Insel, denn der Auftrag habe es in sich. Auf den Inseln werde aktuell der gesamte Strom mit Dieselgeneratoren erzeugt. Und das obwohl das ganze Jahr die Sonne scheine, es kaum Unwetter gebe und man dank der nahen Lage am Äquator auch kaum Verschattung habe. Mit über neun täglichen Sonnenstunden habe man Idealvoraussetzungen. Nur die Solartechnik fehle völlig.

Marx montiert mit seinem Team in Hulhumale aktuell 5950 Solarmodule mit 76 Wechselrichtern auf 34 Gebäuden. 20 Kilometer Kabel sind zu verlegen. „Alles musste importiert werden. Die Solarmodule und Wechselrichter kamen aus China, alle anderen Materialien aus Europa. Spezielle Baumaschinen wie Scherenlifte sind auf den Malediven nicht vorhanden und mussten aus Spanien importiert werden. Viele Materialien konnten nur per Luftfracht aus Deutschland eingeflogen werden.“ Alle Handwerker mit Ausnahme der Manager und Vorarbeiter habe man vor Ort rekrutiert, aber neu anlernen müssen. Zwei Monate habe man allein dadurch verloren. Trotzdem gehe es voran, auch wenn kein Haus vor Ort stimmige Baupläne habe, von Standards ganz zu schweigen.



Dass er als Projektmanager voll mitarbeiten müsse und das 14 Stunden am Tag und fast sieben Tage die Woche, störe ihn nicht. Das Projekt begreife er eben als besondere Herausforderung. Die jüngsten Berichte über Unruhen in der Hauptstadt Malé haben den Malediven negative Aufmerksamkeit gebracht. Marx, der immer wieder in die Inselhauptstadt Malé fahren muss, berichtet von allgegenwärtiger Polizeipräsenz und zahlreichen Militärs. Unruhen habe er selbst erlebt. Doch als erkennbarer Ausländer sei er stets gegrüßt und nie aufgehalten worden: „Es ist schon ein etwas mulmiges Gefühl, aber im Großen und Ganzen fühlt man sich trotzdem als Nicht-Einheimischer hier sicher“, erklärt Marx. Ausländer würden betont in Ruhe gelassen.

Ein chinesischer Großkonzern baut auf den Malediven die ersten Solaranlagen auf die Hausdächer.
Ein chinesischer Großkonzern baut auf den Malediven die ersten Solaranlagen auf die Hausdächer. FOTO: BeckerBredel