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Erfindergeist und Massenproduktion

Verwaltung und Gesamtbelegschaft der Koksbatterien im Jahr 1906. Fotos: Arbeitskreis
Verwaltung und Gesamtbelegschaft der Koksbatterien im Jahr 1906. Fotos: Arbeitskreis
Altenwald. Die industrielle Nutzung der Kohle schuf zahlreiche Arbeitsplätze und versorgte ganze Familien im Saarland. Ein Beispiel hierfür ist die Kokerei in Altenwald, die vor 50 Jahen ihre Pforten schloss. dla

Vor 50 Jahren schloss die Kokerei in Altenwald endgültig ihre Pforten. Zuvor hat die Verhüttung von Eisen Generationen von Familien ernährt. Erste Versuche mit Koks statt mit Holzkohle Eisen zu verhütten gehen im Saarland bis in Jahr 1761 zurück.

Damals hatte Fürst Wilhelm Heinrich von Nassau-Saarbrücken auf der Sulzbacher Eisenschmelze erste Experimente dieser Art durchführen lassen. 1765 wurden erste Koksöfen in der Nähe der Sulzbacher Schmelze erbaut und erste Probeläufe unternommen. Das Interesse an den Versuchen scheint recht groß gewesen zu sein, da 1767 der Franzose De Genssane Sulzbach besuchte, um das Verfahren zu studieren und der Acadèmie Française darüber zu berichten. Doch die noch wenig erfolgreichen Experimente endeten mit dem Tod des Nassauer Fürsten 1768. Erst 1780 wurden auf der Halberger Hütte mit in Dudweiler Meilern hergestelltem Koks neue Versuche unternommen, doch das Eisen erwies sich als rotbrüchig, daraus hergestellte Bleche zeigten Risse.

Erst um die Mitte des 19. Jahrhunderts ist eine größere Produktion festzustellen. Die Preußische Bergwerksverwaltung errichtete 1842 am Eingang des Ruhbachtals 27 Koksöfen. Allerdings endete die Produktion 1858 wieder. Daneben bemühte sich die Firma Haldy & Co ab dem Jahr 1852 in der Nähe der Grube Altenwald, damals noch Eisenbahnschächte genannt, eine Kokerei zu errichten. Die von der Grube angelieferte Stück- und Kleinkohlen wurden zuerst gemahlen, gesiebt und gewaschen, bevor sie mit einem Holzkolben verdichtet wurde, um schließlich im Ofen zu landen. Und auch ein erstes Nebenprodukt, die Koksgase, fanden Verwendung, indem sie ab 1856 zur Beleuchtung der Anlage eingesetzt wurden. Daneben wurden zwei Dampfkessel, in denen die Abhitze der Koksöfen ausgenutzt wurde, installiert. 1867 kaufte sich die Firma Röchling in die Kokerei in Altenwald ein, die sie schließlich im Jahr 1874 von der Firma Haldy übernahm.

Doch die schlechte Konjunktur der Folgejahre sorgte für weitere Nöte. 1876 stand die Produktion für einige Wochen still, da man sich bei den Verhandlungen mit der Bergwerksdirektion über den Kohlenpreis nicht einig wurde. Um die Wirtschaftlichkeit der Kokerei sicherzustellen, rückten wieder die Nebenprodukte in den Mittelpunkt des Interesses. Dank neuer Patente aus Altenwald konnte nun Ammoniak gewonnen werden. Die Arbeit mit dem Salz war jedoch von großen Gefahren begleitet. Es wurde noch mit Löffeln abgeschöpft, die Belastung der Arbeiter durch Salze und Säuren war daher groß. Erst im Jahr 1909 sollte eine Zentrifuge eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen schaffen. Und auch die erste große Dampfmaschine begann 1881 ihren Einsatz in Altenwald, womit die Elektrifizierung des Werks ihren Anfang nahm, doch erst 1936 sollte die Fabrik selbstständig in ihrer Stromerzeugung werden.

Nach dem Krieg wurde die Kokerei von der französischen Militärregierung 1946 stillgelegt, allerdings wurde die erste Batterie bereits 1948 wieder angeheizt. Ab Mitte der 50er Jahre folgten noch einige arbeitstechnische Verbesserungen, beispielsweise durch Verlademaschinen. Allerdings wurde die Stilllegung durch die Direktion wenig später, im Frühjahr 1963, beschlossen. Am 28. September wurde die letzte Batterie abgeschaltet und die Anlagen landeten im Schrott.

Die Informationen und Bilder wurden uns vom Arbeitskreis Altenwalder Dorfgeschichte zur Verfügung gestellt.


Die Kokerei in Altenwald mit Verladebahnhof im Jahr 1950.
Die Kokerei in Altenwald mit Verladebahnhof im Jahr 1950.