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Ensemble für Alte Musik spielte Bach in modern klingender Version

St. Arnual. Wie spielt man Alte Musik "richtig"? Die Anhänger der "historischen Aufführungspraxis" jedenfalls bevorzugen hierbei Instrumente in der Klanggestalt vergangener Jahrhunderte und versuchen, im Geist der jeweiligen Epoche zu musizieren

St. Arnual. Wie spielt man Alte Musik "richtig"? Die Anhänger der "historischen Aufführungspraxis" jedenfalls bevorzugen hierbei Instrumente in der Klanggestalt vergangener Jahrhunderte und versuchen, im Geist der jeweiligen Epoche zu musizieren. Das Vokal- und Instrumentalensemble "Chapelle de la Vigne", eine Gruppe von Studierenden und Absolventen der Musikhochschulen Freiburg, Trossingen und Basel, baut zusätzlich auf die Verdünnung der Chorbesetzungsstärke. Nach neuen musikwissenschaftlichen Erkenntnissen waren nämlich etwa zu Bachs Zeiten die Chorstimmen gewöhnlich solistisch besetzt, was dem Gesamtklang eine heute ungewohnte Durchsichtigkeit verlieh.Am Sonntag konnte man in der Daarler Stiftskirche überprüfen, wie es sich anhört, wenn "Chapelle de la Vigne" Bach-Kantaten in dieser transparenten Version interpretiert. Dirigent Bernhard Schmidt, der zusätzlich im Tenor mitsingt, musste seine drei Achter-Gruppen von Sängern, Bläsern und Streichern (mit Fagott und Orgel) sorgsam platzieren, damit sie sich nicht gegenseitig erdrückten. Es kam besonders auf die Durchsetzungskraft der Stimmen an, die chorisch oder solistisch die musikalische Struktur der Kompositionen tragen.


Das Konzert unter der Ägide der Stiftung Historische Musik fand im Rahmen der Reihe "Bachkantaten in Saarbrücken" statt. "Feuerzungen" war das pfingstliche Motto, und motivgerecht waren die drei vorgestellten Kantaten BWV 34, 172 und 173 Kompositionen Bachs zu diesem wichtigen christlichen Fest. Man erlebte einen spinnwebfeinen Tonzauber von solcher Klarheit, dass man Themenstränge mühelos im polyphonen Geflecht verfolgen konnte.

Stimmlich waren Sonja Bühler (Sopran), Jan Thomer (Altus), Rüdiger Ballhorn (Tenor) und Jan Sauer (Bass) mit Kraft, Ausdauer und dynamischer Prägnanz voll auf ihrem Posten. Rezitative und Arien entfalteten ihre bunte Pracht - das fein abgestimmte Miteinander etwa von Holzbläsern (Oboen) und menschlichen Stimmen erfrischte mit aromatischen Klangfarben. Insgesamt ein "neuer", sympathischer Bach, der in dieser fast modern anmutenden Version die überkommenen verkrusteten Vorstellungen von barocker Steifheit zurechtrückte. pes



Nächstes Konzert: Sonntag, 4. September, 17 Uhr, Stiftskirche St. Arnual mit den beiden Bach-Kantaten BWV 35 und 199.