| 15:05 Uhr

Ende Erster Weltkrieg
Der ferne nahe Krieg in 52 Saar-Gemeinden

Vor 100 Jahren ging der Erste Weltkrieg zu Ende, die Deutschen stürzten den Kaiser. Unser Symbolbild zeigt einen deutschen Soldat, der im April 1915 durch einen Schützengraben vor Ypern in Westflandern spaziert.
Vor 100 Jahren ging der Erste Weltkrieg zu Ende, die Deutschen stürzten den Kaiser. Unser Symbolbild zeigt einen deutschen Soldat, der im April 1915 durch einen Schützengraben vor Ypern in Westflandern spaziert. FOTO: dpa
Saarbrücken. Der Verein für Landeskunde arbeitet weiter an einem Internet-Projekt. Rund 12 000 Aufrufe pro Monat erhält die Homepage. Von Cathrin Elss-Seringhaus
Cathrin Elss-Seringhaus

Nach dem Krieg ist vor dem Krieg. Das gilt insbesondere für Militärhistoriker im Saarland. Denn nachdem mit dem 11. November 1918, an dem sich der Termin der Waffenstillstandsunterzeichnung zum 100. Mal jährt, das Erinnerungsjahr zum Ersten Weltkrieg endet, steht ein weiteres historisches Jubiläum ins Haus. 2020 liegt der deutsch-französische Krieg 1870/71, die Schlacht am Spicherer Berg, 150 Jahre zurück.


Der Verein für Landeskunde im Saarland mit Sitz in St. Wendel steckt schon mittendrin in seinen intensivierten Forschungen zu 1870/71. Zugleich will man dafür sorgen, dass sich ein ehrgeiziges Internet-Projekt zum Ersten Weltkrieg komplettiert, das man zusammen mit dem Institut für Geschichtliche Landeskunde an der Universität Mainz realisiert hat. Es ging darum, regionale und lokale Informationen auf einer Plattform zu bündeln, unter www.erster-weltkrieg-saarland.de findet sich bereits sehr viel gut aufbereitetes Material.

Friedrich Denne, Vorsitzender des hiesigen Vereins für Landeskunde, findet, es ist noch lange nicht genug. „Wir wollen und werden für alle 52 saarländische Gemeinden eine eigene Informationsbank zum Ersten Weltkrieg aufbauen“, sagt er der SZ. Derzeit tauchen unter anderem schon Sulzbach, Otzenhausen, Neunkirchen, Saarbrücken und Falscheid auf. Oft werden Schulchroniken zitiert, die ein überaus anschauliches Zeitbild liefern. Die sublokalen Ereignisse lassen sich zu repräsentativen Großmosaiken zusammenfügen.



Für Wiesbach (Eppelborn) gilt dies in besonderem Maße, hier erschließt sich die wenig rühmliche Rolle, die die katholische Kirche gespielt hat. Sie war in weiten Teilen kaisertreu und befürwortete den Krieg, ja sorgte mit religiös verbrämten Durchhalteparolen für die Moral der Truppe: Die wurde, wie Forschungen zeigen, in einem unvorstellbaren Artelleriekrieg geradezu vorsätzlich „zerfetzt“. 76 Prozent der Soldaten starben durch Artilleriegeschosse, von Infanteriemunition wurden 16 Prozent getötet, von Handgranaten ein- bis zwei Prozent und durch Giftgasangriffe kamen zwei Prozent der Männer um. Doch diese Schreckensbilanz brachte den Wiesbacher Pfarrer nicht in Distanz zu Krieg und Militarismus. Auf der Homepage des Vereins für Landeskunde liest man: „Er lud die heimgekehrten Soldaten nach Kriegsende mehrfach zu Danksagungsfeiern mit Segen und Te Deum in die Kirche ein. Dabei sollten alle, die des „Kaisers Rock getragen haben“ die im Felde „erworbenen Ehrenzeichen“ anlegen und reservierte Plätze einnehmen. Mitglieder der Kriegervereine und Fahnenträger sollten Spalier stehen, (…):“

Laut Denne gehört die Homepage seines Vereins mit 10 000 bis 12 500 Aufrufen pro Monat zu den erfolgreichsten historischen Datenbanken in Deutschland. 180 Einzelmitglieder sind bei Denne organisiert, auch acht Vereine aus Frankreich und zwei Vereine aus Luxemburgs sind mit dabei.