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Baby getötet
Emotionaler Auftakt in neuem Babymord-Prozess

Hier soll ein Mann sein zwei Monate altes Baby aus dem Fenster seiner Wohnung im zweiten Stock geworfen und getötet haben.
Hier soll ein Mann sein zwei Monate altes Baby aus dem Fenster seiner Wohnung im zweiten Stock geworfen und getötet haben. FOTO: (freelens Pool) Klaus Bolte / dpa
Frankenthal. Er soll sein Kind aus dem zweiten Stock geworfen haben: Zum zweiten Mal steht ein Mann in Rheinland-Pfalz vor Gericht.

(dpa) Der Großvater des kleinen Opfers wirkt erschöpft. Vor dem Landgericht Frankenthal hat er am Dienstag wieder den mutmaßlichen Täter gesehen, jenen Mann, der die zwei Monate alte Senna aus dem zweiten Stock eines Hauses geworfen und damit getötet haben soll. Der Angeklagte ist der Vater des Kindes.


Oft wird der Großvater gefragt, was er fühlt und wie es seiner Tochter, der Mutter des Babys, geht. Er hat sich geäußert, aber nun ist Schluss. „Ehrlich, ich kann nicht mehr“, sagt der 49-Jährige. Sein weißes Sweatshirt ziert vorne das Foto des Säuglings. Auf der Rückseite steht: „Unser Engel Senna ist immer mit uns.“

Zum zweiten Mal hat am Dienstag der Prozess um Sennas Tod begonnen – und für die Angehörigen reißen damit alte Wunden anscheinend wieder auf. Das erste Verfahren gegen den Vater war geplatzt, weil eine Richterin erkrankt ist. Während bei der Neuauflage manches wie ein Déjà-vu erscheint, wirkt der Angeklagte komplett anders als beim Prozessbeginn im November 2016. War der jungenhaft wirkende Mann damals – ebenso wie die Mutter des Kindes – in Tränen aufgelöst, so scheint der 34-Jährige nun gefasst, als er in den Gerichtssaal geführt wird. Die Vorwürfe haben nichts von ihrer Wucht verloren. Am Abend des 13. Mai 2016 sei der Mann mit dem Baby, dessen Mutter, zwei Töchtern aus einer früheren Beziehung und einem Bekannten zu Hause in Frankenthal in Rheinland-Pfalz gewesen, trägt Oberstaatsanwältin Doris Brehmeier-Metz vor. Wie in seiner vorherigen Beziehung sei er „extrem eifersüchtig“ gewesen, was sich darin gezeigt habe, dass er der Frau vorgeworfen habe, sie verbringe zu viel Zeit mit dem Kind und dies nehme ihm die Frau weg. Grundlos habe er angenommen, die Lebensgefährtin betrüge ihn. Schließlich sei er in das Zimmer gegangen, in dem sie mit den Kindern schlief, habe ein Messer gegriffen und ihr mehrfach in Rücken und Schulter gestochen.

Ein vom Lärm alarmierter Bekannter habe der Frau helfen wollen, was ihm diverse Schnittwunden einbrachte. „Während der Auseinandersetzung hatte das Kind Senna zu schreien begonnen“, so die Oberstaatsanwältin. Mit den Worten „Jetzt mache ich den Rest“ habe der Angeklagte sein Kind aus der Wiege genommen, sei mit ihm auf den Balkon gegangen und habe es – „um sich an der Mutter zu rächen“ und es zu töten – „in einer ausladenden Bewegung auf die Straße“ geworfen. Das Baby starb an einem Schädel-Hirn-Trauma.

Danach habe der Mann, der nun allein mit seinen älteren Töchtern in der Wohnung gewesen sei, diese als Druckmittel gegen die Polizei einsetzen wollen und soll einer Tochter zweimal in den Bauch gestochen haben. Schließlich stürmte die Polizei die Wohnung.



Der 34-Jährige soll unter Kokaineinfluss gestanden haben. Der Vorsitzende Richter erteilt den rechtlichen Hinweis, es komme in Betracht, dass er im Zustand erheblich verminderter Steuerungsfähigkeit gehandelt habe.

Der Angeklagte erklärt erneut, dass er die Tochter mit eigenen Händen umgebracht und die andere eigenhändig verletzt habe, heißt es dann in einer Erklärung, die Anwalt Alexander Klein verliest. Er verzweifle an seiner Schuld gegenüber Frau und Töchtern. Die neue Verhandlung sei auch für ihn eine „enorme Belastung“.

Klein weist aber auch darauf hin, dass der Mann vor der Ermittlungsrichterin bestritten habe, das Kind absichtlich vom Balkon geworfen zu haben. Er zweifelt erneut die Glaubwürdigkeit der Mutter an, deren Aussagen von Rachegelüsten und glühendem Belastungseifer getragen seien. Dabei sei ihre Aussage letztlich der „tragende Pfeiler“ der Staatsanwaltschaft, das Mordmerkmal niedrige Beweggründe anzunehmen.

Der Anwalt der Frau, Frank Peter, sagt, der Vorwurf der Rachegelüste werde immer diskutiert, wenn sich Nebenkläger an einem Verfahren beteiligten. Dabei sei es einfach der Wunsch, dass der Täter verurteilt werde. Zum Thema Glaubwürdigkeit sagt er: „Ich sehe hier keine Lüge meiner Mandantin.“