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Eltern fühlen sich allein gelassenMalter: Wir sind im Moment am sorgfältigen Prüfen

Fürstenhausen. "Die Kinder sind der Grundstein unserer Kirche. Lasst unsere Kinder nicht im Regen stehen", heißt es auf Plakaten vor dem evangelischen Gemeindehaus im Völklinger Stadtteil Fürstenhausen. In dem Haus befindet sich seit vielen Jahren auch der einzige evangelische Kindergarten im Bereich der Kirchengemeinde Völklingen-Warndt Von SZ-Redakteur Bernhard Geber

Fürstenhausen. "Die Kinder sind der Grundstein unserer Kirche. Lasst unsere Kinder nicht im Regen stehen", heißt es auf Plakaten vor dem evangelischen Gemeindehaus im Völklinger Stadtteil Fürstenhausen. In dem Haus befindet sich seit vielen Jahren auch der einzige evangelische Kindergarten im Bereich der Kirchengemeinde Völklingen-Warndt. Dieser sollte nach bisheriger Planung mit fast doppelter Größe und einer eigenen Krippengruppe auf Bergbau-Abrissgrundstücken mitten im Ort neu gebaut werden. Doch besorgte Eltern und Bürger befürchten, dass das neu gewählte Presbyterium diesen Entschluss revidiert. Deshalb treffen sich am Wochenende rund 15 engagierte Leute, von der Vorschulausschuss-Vorsitzenden Lisa Altpeter bis hin zur Vorsitzenden der Frauenhilfe, Elke Schneider, im Gemeindehaus, um ein gemeinsames Vorgehen zu beraten.Mit aufgeschreckt hat sie eine Warnung von Oberbürgermeister Klaus Lorig (CDU) in einem Gespräch, das er zum Jahresabschluss mit der SZ führte. Wenn der Kindergarten nicht gebaut werde, werde sich die Stadt völlig aus ihrem Engagement für das evangelische Gemeindehaus zurückziehen, sagte hier der Oberbürgermeister. Die Stadt zahlt hier bisher einen Betriebskosten-Zuschuss von 50 000 Euro pro Jahr. Lorig braucht den Neubau für die Erfüllung der Krippe-Quote. Deshalb hatte die Stadt angeboten, das Gemeindehaus zu kaufen und dann selbst für die Nutzung durch Kirchengemeinde und örtliche Vereine weiterzuführen.


"Wir haben Angst, dass unsere Kinder ihren Platz verlieren und dass es in Fürstenhausen gar nichts mehr gibt, auch kein Gemeindehaus und keine evangelische Kirche mehr", fasst Lisa Altpeter die Befürchtungen zusammen. Es handele sich um ein "wunderbares Angebot der Stadt", meint Bürgerin Ortrud Quartz. Und wenn es nicht angenommen werde, ist nach Ansicht von Hans Holderbaum (früheres Presbyterium) ab 2017 auch das Gemeindehaus nicht mehr zu halten.

"Das Kindergartenpersonal weiß so wenig wie dieser Kreis hier, wie es weitergehen soll", unterstreicht Holderbaum. Die Elterninitiative will nun das Presbyterium um ein Gespräch bitten und einen Förderverein gründen. In einem allgemein gehaltenen Brief an den Vorschulausschuss hatte der Presbyteriumsvorstand unlängst um "Gottvertrauen" gebeten. Völklingen. Uschi Malter, Vorsitzende des Presbyteriums der evangelischen Kirchengemeinde Völklingen-Warndt, sagte auf SZ-Anfrage zum Kindergarten-Projekt in Fürstenhausen: "Wir sind im Moment am sorgfältigen Prüfen." Es gehe darum, ob die Gemeinde Jahr für Jahr die Folgekosten erbringen könne - "angesichts vieler Baustellen in einer großen Gemeinde mit 5500 Mitgliedern". Das Presbyterium sei ein demokratisch gewähltes Gremium und nehme seine Pflichten ernst.



Der Kindergarten am jetzigen Platz im evangelischen Gemeindehaus Fürstenhausen habe eine Betriebserlaubnis, und so lange das Landesjugendamt diese Erlaubnis gebe, bestehe auch kein Grund, ihn zu schließen. "Die Kinder haben ihren Platz. Da ist nichts gefährdet", versicherte Malter. Das Presbyterium tagt wieder am 15. Januar. er

Rückschau

Im Juni 2011 hatten sich drei früher eigenständige evangelische Kirchengemeinden zur Gemeinde Völklingen-Warndt zusammengeschlossen. Die Geschäfte führte zunächst ein Bevollmächtigtenausschuss, der noch im vergangenen September die Beschlüsse zum Kindergarten-Neubau in Fürstenhausen bekräftigte. Skeptiker und Befürworter hatten damals vor der Saaltür demonstriert. Im Oktober kam ein neu gewähltes Presbyterium ins Amt, das nun das Projekt erneut überprüft. er