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Einzigartig trotz gängigen Namens

Der Ortsvorsteher höchstpersönlich zückte für dieses Gruppenbild mit vielen Bewohnern von Bergen die Kamera. Fotos: Werner Krewer
Der Ortsvorsteher höchstpersönlich zückte für dieses Gruppenbild mit vielen Bewohnern von Bergen die Kamera. Fotos: Werner Krewer
Bergen. Für den Fototermin der SZ-Aktion „Unser Ort hat viele Gesichter“ greift der Ortsvorsteher zur Kamera „Alles klar – Bergen Saar“: Das Motto des Dorfes im Hochwald steht einmal mehr Pate an diesem Samstagmorgen. Als die Glocke der Kirche zehn Uhr schlug, standen die Bürger von Bergen parat auf der Kirchentreppe, um sich von Werner Krewer ablichten zu lassen. Von SZ-MitarbeiterinRuth Solander



"Den Ortsnamen Bergen gibt es nicht nur im Saarland", erzählte der Ortsvorsteher. "Über 20 Mal findet man den Namen in Deutschland - von der Ostsee bis nach Bayern, vom Saarland bis nach Sachsen." In Bergen/Celle hatte man nach Krewers Darstellung die Idee, ein Treffen all dieser Orte zu organisieren. Alle Orte wurden angeschrieben. Acht sagten zu. "Seit 1995 hat die Idee Bestand. Abordnungen aus Bergen auf Rügen, Bergen Celle, Bergen an der Dumme, Bergen Elsterheide, Bergen Enkheim, Bergen Nahe und Bergen Chiemgau treffen sich alle zwei Jahre über Christi Himmelfahrt, weil dies der einzige Feiertag in ganz Deutschland ist." Von der Begegnung 2009 in dem Losheimer Ortsteil schwärmt Krewer heute noch. "Wir haben für unsere über 450 Gäste aus ganz Deutschland ein Riesenfest gemacht. Alle Einwohner standen dahinter und haben mitgeholfen." Was bei den Gästen sehr gut ankam, war nach seinen Aussagen die Bewirtung durch Privatleute wie auch Vereine. "Dieses ehrenamtliche Engagement kannten die anderen Orte und Städte nicht." Und auf noch etwas ist er stolz: das "Altstadtfescht", das der Gemütlichkeitsverein seit Jahrzehnten am 15. August ausrichtet. "Am 18. Februar 1969 fanden sich zwölf waschechte Bergener zusammen und haben den Verein gegründet", berichtet Krewer. Von Skatturnieren und Kegelabende über Karnevalsumzüge, Wanderungen, Theateraufführungen bis hin zu Festveranstaltungen wie der Faßbieranstich unter dem Maibaum oder dem Altstadtfescht reichten die Aktivitäten." Mittlerweile locke das Altstadtfescht viele Besucher aus nah und fern in den Ort. "Über 50 Leute helfen an diesen zwei Tagen mit."

Überzeugt ist er auch von dem Engagement der Feuerwehr mit ihrer 16-köpfigen Jugendwehr. "Alle Jugendlichen, die aus Altersgründen aus der Jugendwehr ausgeschieden sind, wechseln in die Aktivenwehr. Somit haben wir bei unserem Löschbezirk keine Nachwuchssorgen", sagt Krewer. Als weitere Vereine zählt er den Obst- und Gartenbauverein, den Angelsportverein mit eigenem Angelweiher und die CDU auf. "Leider mussten aber auch viele Vereine aufgeben, weil der Nachwuchs fehlt", bedauert der Ortsvorsteher. Er nennt den Männergesangverein "Almenrausch", die Jugend-Big-Band, das DRK, den Tischtennis-, den Fußball- und der Saarwaldverein. "Auch die Frauengemeinschaft hat sich aufgelöst."

Geschäfte? - "Fehlanzeige", gesteht der Ortsvorsteher. Bäckerautos versorgen die Bergener mit Brötchen, Brot und Kuchen. "Für Eier, Butter und Käse sorgt Heiko, der mit seinem rollenden Verkaufsladen im Dorf Station macht. Sonst müssen wir alles von Losheim ankarren - außer den Bränden, denn wir haben noch eine Schnapsbrennerei."

Tradition habe das Gasthaus Weins, seit 1869 ein Familienbetrieb - zunächst als Schankwirtschaft, später als Gasthaus. "Christoph Weins, den alle nur Chef nennen, führt das Restaurant seit 1981 und bringt vielfältige und saisonal abgestimmte Gerichte auf den Tisch.

Ende Juni feierten die Bergener Geburtstag - das 40-jährige Bestehen des Gemeindekindergartens Pusteblume, wie Krewer erzählte. "50 Kindergarten- und zehn Krippenkinder aus Bergen, Scheiden und Waldhölzbach und Losheim werden hier betreut." Die Kita sei die erste in der Gemeinde Losheim, in dem Krippenplätze vorgehalten wurden.

"Die Bergener sind die einzigen in der Gemeinde Losheim, die nicht im Gemeinderat vertreten sind", berichtet der Ortsvorsteher über den rund 550 Einwohner zählenden Ort. Der Ortsrat setzt sich aus CDU'lern und drei Parteilosen zusammen. Das Amt des Ortsvorstehers ist seit 2002 in der Hand von Familie Krewer. Werner Krewer übernahm die Aufgabe 2009 von seiner Frau Mechtild.

Was ebenfalls etwas Besonderes ist, ist die Tatsache, dass die Bürger das Internet aus der Kirche beziehen. Der Empfang von Intersaar ist im Kirchturm.

Die Filialkirche "Herz Jesu" wurde 1923 gebaut und vor acht Jahren renoviert. Sie ist ein kleines Schmuckstück in dem Losheimer Ortsteil. Nach einem Gelübde pilgern die Bergener jedes Jahr am 10. August nach St. Laurentius in Zerf. "Unklar ist der Grund des Gelübdes. Ob die Pest wütete oder ob den Bergenern eine sonstige Katastrophe - wie etwa ein Angriff durch den Nachbarort Britten, dem Erzfeind, bevorstand, ist nicht belegt", meinte Krewer schmunzelnd. Bergen mit seinen rund 550 Einwohnern liegt an der Südseite der Ausläufer des Schwarzwälder Hochwaldes und ist im Norden von Nadel- und Mischwäldern eingefasst, in den anderen Richtungen grenzen Agrarflächen an das Dorf. Am nordwestlichen Ortsrand fließt der Rotenbach, der zugleich die Landesgrenze zu Rheinland-Pfalz bildet.

Seit seiner Entstehung um das Jahr 1000 nach Christus stand Bergen in engster Verbindung zur Benediktinerabtei Mettlach. Es ist anzunehmen, dass der Ort als Fronhof zur Versorgung des Klosters auf Initiative der Mönche gegründet wurde.

Erstmals urkundlich erwähnt wurde Bergen 1303 im Losheimer Weistum. Eine große 700-Jahr-Feier im Jahre 2003 erinnerte daran. Zu diesem Jubiläum wurde eine Chronik "Bergen - aus der Geschichte eines Hochwalddorfes". Geschrieben und recherchiert hat dies Dr. Bernhard Minniger.

Nach der Auflösung des Klosters Mettlach durch französische Regierungstruppen im Jahre 1794 gehörte Bergen zur Pflege Losheim, im Amt Saarbrug, das wiederum zum Kurfürstentrum Trier gehörte. 1816 folgte die preußische Zeit und Bergen kam zur Bürgermeisterei Losheim.

Der Ortsname ist abgeleitet aus der ursprünglichen Bezeichnung "Billa Bergia", eine römische Siedlung, die noch heute in der Flurbezeichnung "Billenberg" existiert.


Das Haus von Bernd Lehnertz und Sabine Lenhardt.
Das Haus von Bernd Lehnertz und Sabine Lenhardt.
Der Bergener Ortsvorsteher Werner Krewer
Der Bergener Ortsvorsteher Werner Krewer
Ruhig liegt der mitten im Hochwald.
Ruhig liegt der mitten im Hochwald.