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Einmal Hexe sein an Fastnacht

In diesen Tagen müssen einige wichtige Entscheidungen getroffen werden. Hexe oder Vampir? Clown oder Scheich? Für echte Fastnachter ein alljährlich wiederkehrendes Problem, denn man will ja nicht jeden Februar mit der selben Kostümierung herumlaufen. Doch es gibt auch ein Leben außerhalb der Fastnacht. Vor allem für Eltern von Viertklässlern

In diesen Tagen müssen einige wichtige Entscheidungen getroffen werden. Hexe oder Vampir? Clown oder Scheich? Für echte Fastnachter ein alljährlich wiederkehrendes Problem, denn man will ja nicht jeden Februar mit der selben Kostümierung herumlaufen. Doch es gibt auch ein Leben außerhalb der Fastnacht. Vor allem für Eltern von Viertklässlern. Da heißt es dann: Gymnasium oder Erweiterte Realschule? Acht Jahre oder neun Jahre zum Abitur? Die Schulen überbieten sich gegenseitig bei ihrer Selbstdarstellung, sie kochen, experimentieren und zeigen ihr besonderes Profil. Natürlich kann man eine Entscheidung auch wieder rückgängig machen, aber die Schule zu wechseln ist nicht so einfach wie eine Clownsnase abzunehmen. Das Problem der Eltern ist verständlich - wie soll man bei Zehnjährigen schon spätere Vorlieben vorhersagen können? Aber auch mit 17 oder 18 Jahren wird's nicht leichter. Deshalb bieten auch die Hochschulen Tage der offenen Tür an oder laden künftige Abiturienten in die Hörsäle ein. Trotzdem brechen 30 Prozent der Studenten entweder das Studium ab oder belegen ein anderes Fach. Auch in der medizinischen Fakultät in Homburg stellen so manche Kandidaten fest, dass sie dieses Fach am Ende doch nicht wollten. Darunter immer mehr Mädchen. Das Schulsystem, so die These von einigen Bildungsexperten, sei auf Mädchen ausgelegt. Mädchen kämen mit der Institution Schule besser zurecht als Jungen. Deshalb schreiben sie bessere Noten und am Ende das bessere Abitur. Und deshalb streben sie in die Medizin. Es gibt auch solche, die Hexe werden wollen - aber nur für die Fastnacht. Diejenigen Bildungsexperten, die die Mädchen schulisch im Vorteil sehen, tragen aber lieber das ganze Jahr über ihre Verkleidung. Sie fürchten sich zu sehr vor der Verfolgung der leibhaftigen Hexen aus der Frauenbewegung.