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Sportverbands-Skandal
„Der LSVS hat viele krank gemacht“

 Der Skandal um den Landessportverband für das Saarland (LSVS) hat etliche unbeteiligte Mitarbeiter den Job gekostet.
Der Skandal um den Landessportverband für das Saarland (LSVS) hat etliche unbeteiligte Mitarbeiter den Job gekostet. FOTO: BeckerBredel
Saarbrücken. Seit Monaten befasst sich das Arbeitsgericht mit den Opfern des LSVS-Skandals. Eine Betroffene berichtet, was sie durchlebt hat – bis zur Kündigung. Von Patric Cordier

Wenn sich ab Dienstag die Justiz wieder mit dem Skandal um den Landessportverband für das Saarland (LSVS) beschäftigt, wird der große Medienrummel wohl ausbleiben. Denn diesmal beschäftigt sich keine Strafkammer mit den prominenten Verursachern und Verantwortlichen für das Millionendefizit. Diesmal geht es vor dem Arbeitsgericht um die Opfer des Skandals: Mitarbeiter, die ihre sicher geglaubten Arbeitsplätze verloren haben und nun gerichtlich gegen die Kündigungen vorgehen.


„Ich hoffe, dass der Richter seinen Job unparteiisch und richtig macht. Ich habe in den letzten Monaten den Glauben an die Gerechtigkeit verloren. Ich befürchte, es zählt nur noch Vitamin B“, sagt eine LSVS-Mitarbeiterin, deren unbefristeter Vertrag gekündigt wurde. Sie möchte unerkannt bleiben. Weil ihre Klage noch läuft, weil sie Repressalien durch den Konsolidierungsberater oder den Noch-Arbeitgeber befürchtet.

Angst – es ist das beherrschende Gefühl der letzten Monate. „Am Anfang haben wir alle auf die Worte von Klaus Meiser vertraut, der ja gesagt hat, dass sich die Belegschaft keine Sorgen machen müsse“, sagt die Mitarbeiterin. Doch relativ rasch kamen erste Zweifel. Vor allem als der damalige LSVS-Präsident Meiser den ehemaligen LSVS-Hauptgeschäftsführer Paul Hans für die finanzielle Situation des LSVS verantwortlich machte. „Herr Hans kann doch keiner Mücke was tun. Niemand bestreitet, dass er was wusste. Aber aus eigenem Antrieb hat der nichts gemacht“, so die Mitarbeiterin.



Die Stimmung an der Sportschule sei mit jedem Tag schlechter geworden. „Informationen bekamen wir nur über die Medien.“ Richtig schlimm wurde es, als die Existenz der Liste mit potenziellen Kandidaten bekannt wurde. „Wer steht auf dieser Entlassungsliste? Welche Kriterien wurden bei der Erstellung angewendet? Gehaltsstufe? Familienstand? Dauer der Betriebszugehörigkeit? Trifft es mich? Oder doch die Kollegin gegenüber?“, erzählt die Mitarbeiterin von einer Atmosphäre der Angst. „Wir hatten alle Panik, etwas falsch zu machen. Etwas Falsches zu sagen zu den falschen Leuten. Der LSVS hat viele krank gemacht. Fast jeder war in psychologischer Behandlung oder ist es noch. Es gibt junge Familien, die gerade gebaut haben. Da sind Alleinerziehende. Da sind Menschen, die ihr gesamtes Berufsleben beim LSVS verbracht haben. Niemand wusste, wie es weitergehen wird. Auch ich habe nachts nicht geschlafen. Ich habe geweint. Vor Wut und Trotz.“

Diese Gefühle hat die junge Frau noch heute. Gerade wenn sie an die versprochene Unterstützung denkt, fühlt sie sich und ihre Kollegen im Stich gelassen. Die so genannte Task Force, die neue Stellen vermitteln sollte, habe nicht viel gebracht. „Ich glaube, zwei von 46 Betroffenen wurden vermittelt. Jeder muss für sich selbst suchen. Bewerbungen müssen wir selbst schreiben, weil man uns ja keine Angebote macht. Und bei sogenannten internen Ausschreibungen hilft uns niemand, dass wir überhaupt eine Chance bekommen, uns dort zu bewerben.“

Immer wieder fließen während des Gesprächs Tränen. Manchmal versagt die Stimme. Dann kommt sie wieder. Kräftig. Mit Wut, vor allem auf Konsolidierungsberater Michael Blank. „Der LSVS ist keine normale Firma, das versteht Herr Blank aber nicht.“ Die Wut richtet sich auch gegen die Politik. „Jede größere Firma im Land wird unterstützt, wenn es um Arbeitsplatzerhalt geht. Die Rechtsaufsicht der Politik hat doch versagt. Warum hat man keinen Staatskommissar eingesetzt? Vielleicht, weil sich kein Politiker das antun wollte, den Sport abzuwickeln und neu aufzustellen“, klagt die Mitarbeiterin. Enttäuscht seien die Kollegen auch vom neuen Präsidium. „Adrian Zöhler habe ich nicht einmal persönlich getroffen.“ Dass an der Sportschule angeblich alles prima läuft, sei einfach nicht wahr. Was bislang langjährige Fachkräfte gemacht hätten, solle nun von Freiwilligen, Studenten und Mini-Jobbern erledigt werden. „Die sind völlig überfordert. Das kann nicht gutgehen.“

Am Dienstag nun werden einige Klagen auf Wiedereinstellung vor dem Arbeitsgericht verhandelt. Es wird für viele wohl nicht die letzte Instanz sein. Der Glaube an eine Rückkehr fehlt. „Ich habe mich von meinen Kollegen verabschiedet“, sagt die Mitarbeiterin, „ich glaube, mir wird die ganze Dimension erst bewusst, wenn ich zum Arbeitsamt gehe und mich arbeitssuchend melden muss.“