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Juniorstudium
Eine ganz normale Schülerin – mit Bachelor-Abschluss

Schülerin Danielle Kallenborn hat schon ein Studium absolviert.
Schülerin Danielle Kallenborn hat schon ein Studium absolviert. FOTO: Katja Sponholz
Saarbrücken. Von Katja Sponholz Von Katja Sponholz

Eigentlich ist Danielle Kallenborn eine ganz normale Jugendliche. Eine 17-Jährige, die gerne mit ihren Freundinnen ausgeht, Zeit mit ihrem Freund verbringt, Sport macht und Gitarre spielt. Und doch ist sie etwas anders als die anderen am Ludwigsgymnasium in Saarbrücken. Auch wenn sie das nicht gerne hören möchte.



Über die Diskussion, ob Schülern nicht zuviel zugemutet wird, wenn sie ihr Abitur nach zwölf Jahren absolvieren müssen, könnte sie vermutlich nur müde lächeln. Nicht nur, weil sie ihr Abi im nächsten Jahr wohl mit der Traumnote 1,0 bestehen wird. Sondern vor allem deshalb, weil sie ganz nebenbei bereits ein Hochschulstudium abgeschlossen hat. Im Fach Wirtschaftswissenschaften erhielt sie für ihre Bachelor-Arbeit im Bereich Controlling gerade die Note 1,7.

„Danielle ist wirklich eine außerordentlich leistungsfähige Schülerin, die sich auch noch sozial engagiert und Schülersprecherin ist. Ein ganz natürlicher, feiner, junger Mensch“, sagt Oberstudiendirektor Christian Heib. Doch das schönste Kompliment für die 17-Jährige ist, wenn er über sie sagt: „Sie ist das Gegenteil einer Streberin.“ Denn genau diese Einschätzung liegt ihr besonders am Herzen: „Das ist mir wichtig, dass ich nicht als Streber dastehe, weil es nicht so ist.“ Und was auch von ihren Mitschülern nie so empfunden werde. Ehrgeizig zu sein, finde sie zwar nicht schlecht, „aber wenn ich mich selbst beschreiben müsste, würde ich sagen, ich bin eher locker. Und meine Freunde finden mich lustig.“

Zweifellos ist Danielle jedoch auch einfach schlauer als andere. Schon im Kindergarten hatte sie sich selbst Lesen beigebracht, weil sie ihre Schwester beneidete, die schon zur Schule ging. In der Grundschule schlugen die Lehrer das erste Mal vor, dass sie eine Klasse überspringen sollte. Aber das kam für das Mädchen und ihre Eltern, die niemals irgendwelchen Druck auf sie ausgeübt hätten, nicht in Frage. „Mir war es wichtiger, dass ich mit den Freundinnen in meiner Klasse zusammen blieb.“ Dass sie in all den Jahren überall immer die Note 1 hatte und lange überlegen muss, um ein Fach zu finden, in dem sie vielleicht mal eine 2 schrieb, hat sie jedoch nicht überheblich gemacht. „Vielleicht liegt es einfach nur daran, dass ich mir Sachen ganz schnell merken kann.“

Ihre überdurchschnittliche Begabung blieb auch den Lehrern am Ludwigsgymnasium nicht verborgen. In der siebten Klasse vermittelte ihr ihre Klassenlehrerin ein Mathematik-Propädeutikum am Institut für Jugendmanagement in Heidelberg. Über dessen Young Business School arbeitete sie schließlich nicht nur den Stoff von höheren Klassen durch, sondern fuhr auch zu einer Präsenzphase nach Heidelberg. Dort wurde sie schließlich von Dozenten angesprochen, ob sie nicht studieren wolle. „Das hat mich schon überrascht“, blickt sie zurück, „aber ich habe mich auch ein bisschen geehrt gefühlt. Es war ja wie ein Lob.“ Und kaum hatte sie sich dazu entschlossen, es an der Fernuni Hagen mit Wirtschaftswissenschaften zu probieren, ging es Schlag auf Schlag: „Gefragt worden mit 12, eingeschrieben mit 13, die erste Klausur mit 14“, bilanziert sie.

Doch die Zeit bis zu ihrem „Bachelor of Science“ mit 17, in denen sie Fernstudieneinheiten durcharbeiten und neben Studenten, die „schon 35 oder noch älter“ waren, Klausuren in Frankfurt schreiben musste, war keinesfalls durch stundenlanges, verbissenes Pauken geprägt. Im Gegenteil: „Mir hat es einfach Spaß gemacht, zu lesen und mich mit den Themen zu beschäftigen“, erinnert sie sich. „Aber ich wollte vor allem auch meine normale Freizeit haben, mich mit Freunden treffen, Hobbies nachgehen und nicht den ganzen Tag lernen.“ Ihre Bachelor-Arbeit schrieb sie schließlich in den großen Ferien – innerhalb von zwei Wochen. Korrektur las ihre Mutter, die selbst Wirtschaft studiert hat. „Sie hat auch schon mal vorgeschlagen, ob wir später beruflich nicht mal etwas zusammen machen können.“

Solche Pläne sind für Danielle jedoch noch in weiter Ferne. Sie überlegt jetzt erst einmal, wo sie ihren Master machen wird. Denkbar sei ein englischsprachiger Studiengang an der European Business School im Rheingau. Keinesfalls jedoch will sie wieder an eine Fernuni. Schließlich möchte sie jetzt „auch einmal das normale Studentenleben kennenlernen, mit allem was dazugehört!“ Das heißt: Nicht um 6.30 Uhr aufstehen, sondern vielleicht erst um 9, in einer WG leben und nicht immer alleine über Büchern hocken.

Doch bis dahin will sie sich nun erst einmal ein bisschen Zeit lassen. „Ich habe ja im Prinzip schon drei Jahre gewonnen“, sagt sie. Deshalb ist für sie schon ganz klar, was sie nach dem Abi macht: Ein „Chill-Jahr“, in dem sie mit Freunden zunächst per Interrail durch Europa reist und danach mit ihrem Freund nach Ostasien oder Kanada. Was dann irgendwann später als Berufswunsch herauskommt – früher stand auch schon mal Bankdirektorin oder Professorin auf der Liste – ist noch offen. „Das Problem ist, dass mir so viele verschiedene Fächer Spaß machen!“ Doch ganz egal, wo sie einmal lande, könne sie von dem Abschluss in Wirtschaftswissenschaften so oder so profitieren: „Das schafft eine gute Basis und kann man immer gebrauchen“, meint sie. „Und wenn ich mal ein Café eröffnen möchte, ist es gut, wenn ich die Buchhaltung selbst machen kann.“

Gute Dienste hat ihr das Studium jedoch schon als Schülerin erwiesen: In „brenzligen Situationen“, sagt sie lachend, etwa in Clubs, in denen nur Volljährige Zutritt haben, zeige sie einfach ihren Studentenausweis. „Da durfte ich dann immer sofort rein, weil nie jemand aufs Geburtsdatum guckt und alle meinen, wer studiert, muss schon 18 sein.“