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Eine alte Schaufel überrascht Archäologen

Nur wenige Menschen haben bisher gesehen, was sich Grabungsleiterin Gabriele Körlin hier im engen Förderraum anschaut: schichtweise eingespültes Material eines römischen Schachtes tief im Stollen Bruss in St. Barbara. Foto: Johannes A. Bodwing
Nur wenige Menschen haben bisher gesehen, was sich Grabungsleiterin Gabriele Körlin hier im engen Förderraum anschaut: schichtweise eingespültes Material eines römischen Schachtes tief im Stollen Bruss in St. Barbara. Foto: Johannes A. Bodwing
St. Barbara. Eine mühsam freigelegte Wand taucht im Licht der Helmlampen auf. Grau sind die Schichten, rostbraun, ockerfarben und fast schwarz. "Dahinter liegt ein Schacht", erklärt Gabriele Körlin vom Deutschen Bergbau-Museum Bochum in dem engen Förderraum. Die Römer haben hier auf allen Vieren nach Azurit gegraben, stellenweise auf Bauch und Nase Von SZ-Mitarbeiter Johannes A. Bodwing

St. Barbara. Eine mühsam freigelegte Wand taucht im Licht der Helmlampen auf. Grau sind die Schichten, rostbraun, ockerfarben und fast schwarz. "Dahinter liegt ein Schacht", erklärt Gabriele Körlin vom Deutschen Bergbau-Museum Bochum in dem engen Förderraum. Die Römer haben hier auf allen Vieren nach Azurit gegraben, stellenweise auf Bauch und Nase. Nur wenige haben diese Schichtungen bislang gesehen, die fast 1800 Jahre lang in einen rund 20 Meter tiefen Schacht gespült wurden. "Dort unten lag die Schaufel", weist Körlin zum Boden. 63 Zentimeter ist diese Schaufel noch lang, mit hölzernem Stiel und gebrochenem Blatt aus Metall. Derzeit wird sie in Mainz untersucht und restauriert und könnte helfen, den Stollen Bruss zeitlich besser einzugrenzen. Irgendwo an der Oberfläche endet der Schacht, ebenso ein zweiter, der überraschend etwa 20 Meter vor Stollenende entdeckt wurde. "Es scheint, die Römer haben sich damals verschätzt", vermutet Körlin, denn die Azuritschicht falle bergeinwärts ab. Dazu passe auch die 1,55 Meter tiefe Wasserrinne, die in anderen römischen Stollen nur etwa 30 bis 50 Zentimeter aufweise. "Das zeigt auch, wie wichtig ihnen der Abbau hier war." Durch eine etwa 40 Zentimeter hohe Lücke robbt man noch tiefer in den römischen Abbau hinein. Wie eine kleine Kaverne öffnet sich dort der Fels, in der Mitte von einer Gesteinssäule gestützt. Links davon versperren noch eingeschwemmte Schichten den Weg. Der Stollen Bruss ist deutlich größer als lange Zeit vermutet. Rund 45 Meter führt er in den Berg hinein, im Schnitt 1,40 Meter hoch und 1,30 Meter breit. Weiter hinten rechts ist der Förderraum mindestens neun auf 20 Meter ausgehöhlt. Im Herbst soll die gesamte Anlage mittels eines Lasers dreidimensional erfasst werden. "Das hier ist eine der bedeutendsten Fundstellen, die wir im Saarland haben", sagt draußen Wolfgang Adler vom Amt für Denkmalschutz. Eine mögliche touristische Nutzung der Anlage diskutiert er zusammen mit Dieter Ruck sowie Jürgen Pohl von der Touristik des Landkreises Saarlouis.