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Ein Wunsch zum 100. Geburtstag

Unermüdlich hat Alex Deutsch bei seinen Besuchen von Schulklassen für Toleranz geworben, hier eine Archivaufnahme aus dem Jahr 2001. Foto: Engel & Seeber
Unermüdlich hat Alex Deutsch bei seinen Besuchen von Schulklassen für Toleranz geworben, hier eine Archivaufnahme aus dem Jahr 2001. Foto: Engel & Seeber FOTO: Engel & Seeber
Neunkirchen. Am 7. August findet eine Gedenkveranstaltung für Alex Deutsch in der Stummschen Reithalle Neunkirchen statt. Zu seinem 100. Geburtstag ein Zeichen, dass es weiter geht mit seinem Vermächtnis – Kampf gegen Rassismus, Werben um Toleranz. Von SZ-RedakteurinClaudia Emmerich

Am 7. August würde Alex Deutsch 100 Jahre. "Das wäre er auch gern geworden", sagt seine Witwe Doris Deutsch bei ihrem Besuch in unserer Redaktion. Ganz erreicht hat Alex Deutsch dieses Alter nicht. Am 9. Februar 2011 ist der ehemalige Auschwitz-Häftling in Wiebelskirchen gestorben. Bis zuletzt besuchte er Schulen, um über die Schrecken des Nationalsozialismus aufzuklären, gegen Rassismus zu kämpfen und für Toleranz zu werben.

Doch natürlich soll Alex Deutsch am 7. August gedacht werden. "Nicht als Trauertag, sondern als Erinnerungstag", wie es Reinhold Strobel, Vorsitzender des Förderkreises an der Alex-Deutsch-Schule Wellesweiler, formuliert. Er begleitet Doris Deutsch beim Redaktionsbesuch.

Um 18 Uhr, so berichten unsere Gäste, beginnt in der Stummschen Reithalle Neunkirchen die Gedenkveranstaltung. Zum Programm gehören Reden, musikalische Begleitung, Umtrunk sowie vor allem auch Gelegenheit zu Gesprächen und Begegnung. Oberbürgermeister Jürgen Fried - die Stadt Neunkirchen ist Gastgeber - spricht ebenso wie Pfarrer i.R. Klaus Heintz und Landrätin Cornelia Hoffmann-Bethscheider. Die Landesregierung vertritt Bildungs- und Kultusminister Ulrich Commerçon.

Reinhold Strobel selbst wird die Festrede zu Alex Deutsch halten: "Ich gehe auf seine Vita ein, vor allem die letzte Phase. Auf dem Totenbett hat er zu seiner Frau gesagt: Du machst das weiter." Und Doris Deutsch erfülle das Vermächtnis. Strobel: "Wenn Alex Deutsch heute von oben zusehen würde, würde er sagen: "Es geht weiter. Doris macht das gut."

Der Zeitzeuge fehlt. Aber seine Witwe, über Jahrzehnte auch bei den Schulbesuchen ihres Mannes an seiner Seite, ist quasi "Zeugin des Zeitzeugen". Und geht jetzt - unterstützt von Reinhold Strobel - selbst in Schulen, um das Werk ihres Mannes fortzusetzen.

Aber sie ist mehr als Berichterstatterin zum Leben und den Ideen von Alex Deutsch. Doris Deutsch bringt ihre eigenen Vita mit ein. Ein Leben, das ebenfalls vom Klima des Drittes Reiches geprägt war. "Ich bin Jahrgang 1937, habe Krieg und Unterdrückung durch den Nationalsozialismus selbst erlebt", erinnert Doris Deutsch.

Es berühre sie immer noch, wenn sie beim Besuch von Schulklassen auch den Film über das Leben von Alex Deutsch mit den Schülern anschaue, sagt unser Redaktionsgast. Aber sie erfülle das Vermächtnis ihre Mannes gern und erfahre auch positive Rückmeldung von Schülern: "Sie kommen manchmal nach der Veranstaltung, bedanken sich und fragen noch nach."

Einen Wunsch haben Doris Deutsch und Reinhold Strobel zum 100. Geburtstag von Alex Deutsch: "Dass seine Botschaft von Toleranz gehört werden möchte und viele an der Verbreitung dieser Botschaft mithelfen."


Doris Deutsch (Mitte) und Reinhold Strobel stellten SZ-Redakteurin Claudia Emmerich das Programm zur Gedenkfeier vor. Foto: spe
Doris Deutsch (Mitte) und Reinhold Strobel stellten SZ-Redakteurin Claudia Emmerich das Programm zur Gedenkfeier vor. Foto: spe FOTO: spe