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Ein "Treffpunkt" im Container?

Dorf im Warndt. Christian Schreiner, Regionalmanager der Lokalen Aktionsgruppe (LAG) Warndt, die sich um das europäische Leader-Projekt in der Region kümmert, präsentiert voller Stolz neue Projekte. Drei Vorhaben sind es, die der LAG-Vorstand neu zur Förderung vorschlagen will (siehe "Auf einen Blick") Von SZ-Redakteurin Doris Döpke

Dorf im Warndt. Christian Schreiner, Regionalmanager der Lokalen Aktionsgruppe (LAG) Warndt, die sich um das europäische Leader-Projekt in der Region kümmert, präsentiert voller Stolz neue Projekte. Drei Vorhaben sind es, die der LAG-Vorstand neu zur Förderung vorschlagen will (siehe "Auf einen Blick"). Bei einem davon macht der Titel stutzig: Es geht um ein "Haus der Begegnung" in Dorf im Warndt.


Dieser "multifunktionale Bau in Containerbauweise", 110 Quadratmeter groß, soll laut Projektbeschreibung "den unterschiedlichen Gruppen der Dorfgemeinschaft" dienen. Die Nutzer: Kinder und Jugendliche, aber auch "ältere Personen". Für die "Kommunikation der Generationen" soll der Container da sein, ein "Treffpunkt in der Ortsmitte".

Das klingt, als handele es sich um ein ganz neues Vorhaben. Ist aber nicht an dem: Der Container-Bau, der in der Leader-Projektbeschreibung "Haus der Begegnung" heißt, hat längst den Segen von Orts- und Gemeinderat - freilich zuallererst als Ausweichsdomizil fürs Jugendzentrum Dorf im Warndt. Das Juz muss raus aus seinen alten Räumen im ehemaligen Schulhaus. Dieses hat die Cura-Med-Klinik gekauft und wird bald mit dem Umbau beginnen. Den Juz-Container auf der Wiese an der Mehrzweckhalle sollen, so hat es der Ortsrat beschlossen, neben den Jugendlichen auch andere nutzen können, etwa Vereine. Doch dass der Bau als "Haus der Begegnung" ausdrücklich "das Zusammenwachsen von Jung und Alt fördern" soll, ist neu.

Dass dieser Aspekt in der Leader-Projektbeschreibung so stark hervorgehoben sei, diene nur der "Zuschussfestigkeit" des Antrags, sagt Bürgermeister Peter Duchene auf Anfrage. Denn von den Kosten des Containers, etwa 55 500 Euro, sollen rund 30 000 Euro aus Leader-Mitteln kommen. Ja, das Juz solle Hauptnutzer sein. Und nein, das Ganze konkurriere in keiner Weise mit dem - vielleicht - für die Barbara-Siedlung Dorf im Warndt geplanten Mehrgenerationenhaus.

Das sieht Wolfgang Roos, Chef der für die Siedlung zuständigen StWB Wohnen, etwas anders: "Alles, was an Funktionen wegfällt für ein mögliches Mehrgenerationenhaus, ist nachteilig für unser Projekt." Die Idee der StWB, sagt Roos, sei nach wie vor: Man stelle ein Siedlungs-Grundstück günstig zur Verfügung für einen Kindergarten-Neubau. Den könne die StWB freilich nicht erstellen. Denkbar aber sei, dass sie einen Nachbar-Bau errichte, für Senioren und ihre Begegnung mit der jungen Generation bestimmt. Wenn der Kindergarten komme, sagt Roos, stünden die Chancen gut, dass die StWB-Gesellschafter Geld für dieses Mehrgenerationhaus bewilligen.



Meinung

Billig-Bau kann teuer werden

Von SZ-Redakteurin

Doris Döpke

Zukunftsprojekte, die in Großrosselns Ortsteilen das soziale Funktionieren sichern, das Ortsbild verbessern oder gar beides, sind rar. Und angesichts ihrer Finanznot kann sich die Gemeinde wenig leisten. Verständlich also, dass Räte und Rathauschef gerne zugreifen, wenn Zuschüsse winken.

Im Fall des Juz-Containers begeben sie sich dabei aber auf dünnes Eis. Vor allem, weil sie seinen Zweck nach den Zuschuss-Regularien definieren statt nach dem Bedarf. Es wäre fatal, wenn der Billig-Bau auf diese Weise zum Hindernis würde für ein anspruchsvolleres Projekt. Zuschüsse sind zudem meist daran gebunden, dass das Geförderte längere Zeit Bestand hat. Ein Container-Provisorium als Dauereinrichtung mitten im Ortszentrum? Das wäre für einen 30 000-Euro-Zuschuss ein arg hoher Preis.

Auf einen Blick

Projekt-Vorschläge für Leader-Förderung: Neugestaltung des Dorfplatzes St. Nikolaus (Kosten 65 500 Euro, Zuschuss 33 000 Euro); "Haus der Begegnung" Dorf im Warndt (55 500/ 30 000 Euro); "Warndt-Produkte genießen" 2009 (8000/ 4000 Euro). dd