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Ein lautes Nein gegen Rechts

Es mangelte dem zehnten „Rock gegen Rechts“-Festival auf dem Gelände des ehemaligen Homburger Freibads am Samstag an nichts, schon gar nicht an guter Stimmung. Fotos: Thorsten Wolf
Es mangelte dem zehnten „Rock gegen Rechts“-Festival auf dem Gelände des ehemaligen Homburger Freibads am Samstag an nichts, schon gar nicht an guter Stimmung. Fotos: Thorsten Wolf
Homburg. Am Samstag hat das „Rock gegen Rechts“-Festival in Homburg runden Geburtstag gefeiert. Zum zehnten Mal kamen Bands und Musikfans zusammen, um ihr Statement gegen Fremdenfeindlichkeit und Hass auszudrücken. Auch diesmal wieder mit viel Herzblut. Von SZ-MitarbeiterThorsten Wolf

Ein bisschen Woodstock, ein bisschen Wacken und eine klare politische Aussage: Das zehnte "Rock gegen Rechts"-Festival am Samstagabend reihte sich bunt, vielfältig und nahtlos in das Streben zahlreicher Homburger Gruppierungen und Bürger ein, braunem Gedankengut und rechtsradikalen Parolen in der Kreisstadt keinen Raum zu geben (wir berichteten). Am Wochenende waren es die saarpfälzischen Jusos mit ihrem Vorsitzenden Jan Eric Rippel an der Spitze, die diesem klaren "Nein" zu Fremdenfeindlichkeit und der Ausgrenzung Andersdenkender mit viel Musik, aber auch Workshops vor Beginn des eigentlichen Festivals, Ausdruck verliehen.

Dass diese politische Aussage dabei aber keineswegs verbissen daher kam, dafür sorgte auch und gerade die Musik - und dabei nicht zuletzt der Auftritt des Schlager-Trash-Duos Schmiddi und Chris, denen die - man kann schon sagen - umjubelte Aufgabe zukam, das Festival ab 18.30 Uhr schräg und mit einer gehörigen Portion Selbstironie zu eröffnen. Nach eigenen Songs und einigen Covern, so von Titeln der Ärzte, "die beste Punkband überhaupt", und, in bester Schmiddi-und-Chris-Tradition, mit jeder Menge Sangria für die Fans, kamen die "Götter des Trash" dann am Bühnenrand hernieder und zeigten Flagge. "Politik ist uns wichtig. Und es ist uns wichtig, dass die jungen Menschen sich engagieren. Deswegen finden wir dieses Festival hier auch richtig cool", sagte Schmiddi alias Sven Schmidt. Und Christian "Chris" Gies fasste abseits des politischen Überbaus den Auftritt des Duos so zusammen: "Das war der größte Gig ever. Wir haben noch nie vor so vielen Leuten gespielt, die so mitgemacht haben."

Nach der gefeierten Bühnenparty mit Schmiddi und Chris gings nicht minder munter weiter mit Dancing at my Disco aus dem Kuseler Land, es folgten Of Saints And Sinners, The Green River Burial und als Finale Nasty. Alle fünf Bands lieferten gemeinsam auch den Soundtrack für die Geburtstagsparty des "Rock gegen Rechts"-Festivals, das am Samstag sein Zehnjähriges feierte.

Politik ist wichtig

Organisator Jan Eric Rippel, der Kreisvorsitzende der ausrichtenden Jusos Saarpfalz, zeigte sich dementsprechend bestens gelaunt. Gefragt, wie die Gewichtung bei einem solchen Festival zwischen Musik und politischem Statement zu bewerten sei, sagte Rippel: "60 zu 40 Prozent, 40 Musik und 60 Politik und Notwendigkeit." Mit seiner klaren Ansage, dass in "Homburg für Nazis und Faschisten kein Platz ist", verband Rippel im Gespräch mit unserer Zeitung auch die Einordnung des Festivals im Reigen des Homburger Protests. "Rock gegen Rechts ist unsere Art, deutlich zu machen, dass Neo-Nazis in der bürgerlichen Mitte, bei uns hier vor Ort, nichts zu suchen haben. Und ich glaube, dass Musik ein guter Weg ist, um das zu verdeutlichen."

Bands, die sich mit ihrem Auftritt hinter diese Aussage beim Festival stellen würden, müsse man nicht suchen, so Jan Eric Rippel. "Das ist absolut kein Problem. Wir bekommen in jedem Jahr viele Anfragen. Und das schönste ist: Die Bands, die wissen, dass wir das ganze hier auf Spendenbasis machen, sind gerne im Notfall bereit, auch für ganz wenig Geld zu spielen. Und dafür bin ich unendlich dankbar."



Christian Gies (links) und Sven Schmidt eröffneten als gefeiertes Duo Schmiddi und Chris das Festival.
Christian Gies (links) und Sven Schmidt eröffneten als gefeiertes Duo Schmiddi und Chris das Festival.