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Ein Königreich für eine Fahrradspur

Völklingen. SZ-Mitarbeiter Thomas Annen hat das Völklinger Stadtgebiet per Rad durchquert. Rund 70 Minuten brauchte er von Lauterbach bis auf den Heidstock. Er genoss hübsche Aussichten und zwischendurch auch einen Eisbecher. Und er hat festgestellt: Es macht keinen Spaß, sich als Radler mit vielen Autos die Hauptstraßen zu teilen. Von SZ-Mitarbeiter Thomas Annen

Normalerweise radle ich ohne Helm. Doch heute wird eine Ausnahme gemacht. Mit dem Drahtesel geht es quer durch Völklingen, von der Lauterbacher Grundschule bis zur Grundschule auf dem Heidstock. Besonders vor der stark befahrenen Ludweiler Straße in Geislautern habe ich gehörigen Respekt.

Und ab geht die Post: Wie lange ich wohl für die Strecke brauche? Beschützt von Leitplanken rollt man zwischen Lauterbach und Ludweiler durch eine herrliche Landschaft. Jenseits des Waldes komme ich dann schnell ins Schwitzen. Dafür sorgen nicht allein die sommerlichen Temperaturen. Trotz der Schulferien herrscht ordentlich Verkehr. Ein Königreich für eine Fahrradspur!

Zur Sicherheit streife ich mir eine reflektierende Warnweste über. Die meisten Autos umkurven mich mit angemessenem Abstand, manche rauschen jedoch nur knapp an mir vorbei. Jetzt reicht's! Ich bin vielleicht todesmutig, aber sicher nicht lebensmüde. Nach der Flucht auf den Bürgersteig radle ich langsam weiter. Das ist zwar nicht erlaubt, den kleinen Regelverstoß ist mir meine Gesundheit aber wert.

Über die Wehrdener Brücke führt die Route am Weltkulturerbe vorbei in die City. Dort bleibt die Lage angespannt. "Blödmann!", ruft ein junger Mann, der kurz vom Gas muss. Doch es geht auch anders. Eine Dame bremst und lässt mir freundlich winkend den Vortritt.

Unversehrt schlage ich mich bis zum Kolpingplatz durch. Zur Belohnung gibt es einen leckeren Eisbecher. Drei Bällchen: Vanille, Schokolade und Erdbeere. Die Stärkung kann ich gut gebrauchen. Das letzte Etappenstück führt stetig leicht bergauf. Nach 16 Kilometern und einer reinen Fahrzeit von rund 70 Minuten trudele ich vor der Heidstocker Grundschule ein. Aber habe ich die Stadt wirklich komplett durchquert? Fenne, überlege ich, liegt vielleicht weiter entfernt von der Lauterbacher Schule. Und der Luisenthaler Bahnhof womöglich auch. Also wieder rauf auf den Sattel? Nein, ich bin bedient! Nach dieser stressigen Tour lege ich erst mal gemütlich die Beine hoch.

Thomas Annens nächster Fahrrad-Streifzug führt durch Großrosseln mit der ausgedehnten Berg-Etappe bei Karlsbrunn.