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Familienvater wird zum Serieneinbrecher
Ein junger Vater, zwölf Einbrüche und fünf Jahre Haft

Im Saarland war der Angeklagte drei Mal auf Diebestour.
Im Saarland war der Angeklagte drei Mal auf Diebestour. FOTO: Silas Stein / dpa
Saarbrücken. Nach einer Serie von zwölf Haus-Einbrüchen im Saarland hat das Landgericht einen Familienvater aus Litauen zu fünf Jahren Haft verurteilt. Von Wolfgang Ihl
Wolfgang Ihl

Nach einer Serie von zwölf Haus-Einbrüchen im Saarland hat das Landgericht einen Familienvater aus Litauen zu fünf Jahren Haft verurteilt. Der 26-Jährige hatte vor Gericht die Einbrüche und mehrere Autodiebstähle zugegeben. Er wurde wegen ähnlicher Taten bereits in Litauen, Dänemark und den Niederlanden bestraft.



Laut eigener Aussage haben ihn wirtschaftliche Zwänge zum Kriminellen werden lassen. Nach dem Realschulabschluss habe er als Hausmeister und in einem Sportstudio gearbeitet. Aber das Geld habe nicht gereicht – in Litauen verdiene man im Schnitt nur 400 Euro im Monat. Also hätten er und seine Freundin nach der Geburt des ersten Kindes Schulden gemacht: „Es ist so passiert. Ich hatte Schulden. Und ich habe nur einen Weg gesehen, um diese Schulden zu bezahlen.“

Im Saarland war der Angeklagte drei Mal auf Diebestour. Im Juni 2015 brach er in fünf Häuser in Illingen, Ensdorf, Ottweiler und Schmelz ein. Im September 2015 versuchten der 26-Jährige und ein Bekannter vier T-5-VW-Busse zu stehlen – aber es klappte nur in zwei Fällen. Im Februar 2016 war er wieder unterwegs, verübte Einbrüche in Losheim, St. Wendel, Ottweiler, Neunkirchen, Merzig und Riegelsberg.

Bei den Einbrüchen ging der Mann regelmäßig nach dem gleichen Schema vor. Er suchte sich ein Haus mit nicht einsehbarem Garten. Wenn niemand daheim war, ging er hinters Haus, öffnete die Rollläden und machte sich an einer Glastür oder einem Fenster zu schaffen. Er machte ein kleines Loch in die Scheibe und bewegte von außen die nicht abgeschlossenen Tür- oder Fenstergriffe. Damit war er im Haus und durchsuchte es nach Wertsachen. Geld, Armbanduhren, Schmuck, Handys, Laptops und ähnliches packte er ein und nahm es mit. Zu Hause in Litauen versetzte er das Ganze bei Hehlern. Für Sachen im Wert von 6000 Euro habe er dort allenfalls 1000 Euro bekommen. Wenn das Geld ausgegeben war, sei er wieder auf Diebestour gegangen.

Fazit der Richter: Mit seinen Taten sei der Angeklagte in die absolute Privatsphäre unschuldiger Bürger eingedrungen. Das Beschädigen, Durchwühlen und Stehlen privater Erinnerungsstücke und Wertsachen habe in den betroffenen Familien einen Schaden angerichtet, der weit über den materiellen Wert der Dinge hinausgehe. Die Menschen hätten das Gefühl verloren, zu Hause in Sicherheit zu sein. Dafür sei der angeklagte Familienvater verantwortlich. Genauso wie für die Tatsache, dass er seinen kürzlich geborenen Sohn wegen der Haft bislang nur von Bildern kennt. Auch daran sei er selbst schuld. Für einen jungen, durchtrainierten Mann mit Schulabschluss gebe es in Europa viele legale Wege zum Geldverdienen. Er hätte einen dieser Wege nutzen können.