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Ein halber Stadtteil abgehängt?

Normalerweise warten die Fürstenhausener Gerd Vitt, 75, und Otmar Umlauf, 77 (von links) hier in der Kurt-Schumacher-Straße auf den Bus. Jetzt ist dort Baustelle. Foto: Jenal
Normalerweise warten die Fürstenhausener Gerd Vitt, 75, und Otmar Umlauf, 77 (von links) hier in der Kurt-Schumacher-Straße auf den Bus. Jetzt ist dort Baustelle. Foto: Jenal FOTO: Jenal
Fürstenhausen. Panne bei Völklingens Baustellenplanung: Große Busse schaffen es wegen einer Straßenverengung derzeit nicht zur Fürstenhausener Siedlung. Die Baustellenplaner wollten die Buslinie sechs Wochen lang kappen. Nach Protesten aus dem Stadtteil gibt es jetzt eine Lösung: Ein gemieteter Kleinbus bedient die Strecke. Von SZ-Redakteurin Doris Döpke

Ursprünglich sollten die Bauarbeiter schon am 8. Juli anrücken, so jedenfalls hatte es die Stadtpressestelle angekündigt: Kanalsanierung in der Kurt-Schumacher-Straße. Begonnen haben die Arbeiten aber erst an diesem Montag. Öffentlich mitgeteilt wurde die Termin-Verschiebung freilich nicht. Ebensowenig eine unangenehme Überraschung, die die Fürstenhausener zum Wochenbeginn erwartete: An den Bushaltestellen der Linie 188 in der Kaiserstraße, der Kurt-Schumacher-Straße und in der Fürstenhausener Siedlung hing statt des üblichen Fahrplans eine Notiz, dass der Bus während der Bauzeit dort nicht fahre. Und dass man als Bus-Fahrgast in die Saarbrücker Straße gehen müsse. Sechs Wochen lang.

"Das kann ich nicht", sagt Gerd Vitt am Telefon. Der 75-Jährige aus der Kurt-Schumacher-Straße ist nach eigener Auskunft gehbehindert und herzkrank - den viel weiteren Fußweg zur Haltestelle und vor allem den Auf- und Abstieg dabei könne er nicht bewältigen. Doch für Alltags-Besorgungen und Arztbesuche ist er auf den Bus angewiesen. Er kenne etliche Menschen in der Siedlung, sagt er, denen es ähnlich gehe wie ihm. Und ist zornig, dass das obere Fürstenhausen einfach von der Bus-Verbindung abgehängt werden soll.

Ralf Schmitt, Geschäftsführer der Völklinger Verkehrsbetriebe (VVB), erläutert den Hintergrund: "Wir können nicht in die Sofienstraße abbiegen." Die Einmündung sei durch die Baustelle so stark eingeengt, dass der Bus den - derzeit einzigen - Bürgersteig komplett benutzen müsse; und das sei lebensgefährlich für Fußgänger. Von dem Problem, sagt Schmitt, hätten die VVB erst bei einer Ortsbesichtigung vor zwei Wochen erfahren.

Noch später, nämlich erst am Montag, sei die Information über die abgeschnittene Bus-Verbindung zu ihm gelangt, sagt Bürgermeister Wolfgang Bintz (CDU). Sein Kommentar, ohne Wenn und Aber: "Das geht nicht." Und: Wenn eine städtische Baustelle den Busverkehr behindere, müsse der Verursacher, die Stadt also, im Vorfeld eine Lösung finden. Hier sei das nicht geschehen - ein Fehler bei der Baustellenplanung. Der wird jetzt nachträglich ausgebügelt. Im Auftrag der Stadt, sagt Bintz, haben die VVB einen Kleinbus gemietet, der um die kritische Ecke kommt. Kosten: etwa 350 Euro täglich. Der Mietbus wird ab heute die Linie 188 fahren - Gerd Vitt und die Bewohner der Siedlung kommen wieder in die Stadt.

Das Fahrzeug ist für Behinderte geeignet, berichtet Ralf Schmitt. Während der Schulferien seien seine 22 Plätze auch genug. Nach Ferienende nicht mehr; dann müssten die Fahrgäste in der Saarbrücker Straße in den großen Bus umsteigen.