| 00:00 Uhr

Ein Friedhof erzählt Geschichte

Auf den Spuren regionaler Geschichte: Die Teilnehmer des Rundgangs über den historischen Friedhof von Karlsbrunn sammelten sich um Heimatforscher Günter Blatter (auf dem Stuhl) und lauschten gebannt dessen Ausfführen. Foto: Becker & Bredel
Auf den Spuren regionaler Geschichte: Die Teilnehmer des Rundgangs über den historischen Friedhof von Karlsbrunn sammelten sich um Heimatforscher Günter Blatter (auf dem Stuhl) und lauschten gebannt dessen Ausfführen. Foto: Becker & Bredel FOTO: Becker & Bredel
Karlsbrunn. Viele interessante Geschichten haben die Gäste gehört, die an einer kleinen Führung samt Vortrag über den historischen Friedhof von Karlsbrunn teilgenommen haben. Gebannt lauschten sie Heimatforscher Günter Blatter, der von einem exhumierten Katholiken und den Nachfahren eines US-Präsidenten erzählte. Von SZ-MitarbeiterStefan Bohlander

Zu einer Führung über den historischen Friedhof in Karlsbrunn hatte am vorigen Mittwoch Ortsvorsteherin Petra Fretter eingeladen. An der kleinen Exkursion nahmen unter anderem Vertreter des Presbyteriums, Ortsratsmitglieder und Privatpersonen teil, die in einem Vortrag mehr über die abwechslungsreiche Historie der Ruhestätte erfuhren.

Der ehemalige Rektor und Heimatforscher Günter Blatter hatte im Vorfeld viele Geschichten über den Friedhof zusammengetragen, der natürlich eng verbunden ist mit der Historie des 1717 gegründeten Ortes Karlsbrunn. 1723 fanden die ersten Bürger hier ihre letzte Ruhe, tragischerweise waren es Kinder, die einen berühmten Verwandten gehabt hätten, so Blatter: Dwight D. Eisenhower, der 34. Präsidenten der Vereinigen Staaten von Amerika. Dessen Vorfahren, in Deutschland hießen sie noch Eisenhauer, stammten nämlich aus Karlsbrunn.

Glasmacher und Bergleute

Außerdem finden sich hier viele Gräber von Glasmachern, von denen bekanntlich viele im Warndt ihrem Beruf nachgegangen waren. Auch drei Karlsbrunner Bergleute, die bei Unglücken ums Leben gekommen waren, hat man hier begraben.

Bis zum Zweiten Weltkrieg wurden lediglich evangelische Bürger auf dem historischen Friedhof bestattet. Nur vereinzelt setzte man Andersgläubige bei, so etwa vor 1945 einen katholischen Soldaten. Dieser wurde jedoch exhumiert und in seine Heimat Paris überführt. Da es nach dem Krieg erste Kirchenaustritte gab, entschied man sich, einen neuen Friedhof anzulegen. Der historische wurde nach und nach stillgelegt. Bis in die 1960er Jahre fanden noch vereinzelt Bestattungen statt; der Verfall begann.

Das Unternehmen Natursteine Herz aus Großrosseln nahm sich einiger dieser verfallenen Steine an. Der Kontakt dazu kam durch Albrecht Wagner zustande, dessen Bruder mit zweieinhalb Jahren noch vor Albrechts Geburt verstarb. Den Grabstein zierte ein Engel, der zu zwei Dritteln zerstört war, erklärte Albrecht Wagner. Wie Peter und Hermann Herz erläuterten, gelang es Mitarbeitern ihrer Firma, dank vieler Bilder aus den Erinnerungen von Zeitgenossen, den Engel bestmöglich zu restaurieren. Mittlerweile hat das Großrosseler Unternehmen sechs Grabsteine restauriert und ist immer wieder bemüht, Interessierten oder potenziellen Auszubildenden diesen kreativen Aspekt ihrer Arbeit näher zu bringen. Wie Ortshistorikerin Siegron Colling im Anschluss erklärte, sind zurzeit noch 79 Grabstätten zu sehen.


Zum Thema:

Auf einen BlickDer historische Friedhof in Karlsbrunn, der in unmittelbarer Nähe des Wildparks liegt, kann täglich von 9 bis 17 Uhr besichtigt werden. Natursteine Herz veranstaltet am Sonntag, 1. September, einen Tag der offenen Tür. bo karlsbrunn.eu