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Ein Förderer christlicher Kunst Altar in deutsch-romanischem Stil

Der Baldachinaltar in der katholischen Pfarrkirche St. Michael in Homburg. Foto: Thorsten Wolf
Der Baldachinaltar in der katholischen Pfarrkirche St. Michael in Homburg. Foto: Thorsten Wolf
Homburg. Er ist schon etwas Besonderes, der Baldachin-Altar in der katholische Pfarrkirche St. Michael am Fuße des Homburger Schlossberges. Ihn eint etwas mit der silbernen Figur des Bruder Konrad von Parzham in der Gnadenkapelle Altötting? Es ist derselbe Künstler, der diese beiden Schätze schuf

Homburg. Er ist schon etwas Besonderes, der Baldachin-Altar in der katholische Pfarrkirche St. Michael am Fuße des Homburger Schlossberges. Ihn eint etwas mit der silbernen Figur des Bruder Konrad von Parzham in der Gnadenkapelle Altötting? Es ist derselbe Künstler, der diese beiden Schätze schuf. Und er konnte noch mehr gestalten: im deutschen Sprachraum unter anderem sieben Bischofs-Denkmäler und etwa 25 Altäre, neben dem in Homburg auch den Herz-Jesu-Altar von St. Elisabeth in Bonn oder der Mariensänger-Altar in der Kirche Corpus Christi in Berlin.Sehr ausdrucksstarke Kunstwerke sind auch die "Grabtragung Christi" im Merseburger Stadtfriedhof , die Beweinungsgruppe im Bamberger Dom, die Pietà in Maria Rosenberg in der Pfalz oder der Kreuzweg in München St. Paul.


An diesem Sonntag, 11. März, wäre Georg Busch 150 Jahre alt geworden. Geboren wurde er 1862 in Hanau als Sohn eines Altarbauers und Holzbildhauers, er studierte 1882 bis 1889 an der Akademie der Bildenden Künste in München. Als selbstständiger Bildhauer schuf Busch zunächst Motive mit Kindern sowie Porträts, bevor er Auftrage vor allem der katholischen Kirche übernahm.

Busch entwickelte seine eigene Ausdrucksweise. Er legte großen Ausdruck in Körperhaltung, Gestik und Mimik und vereinfachte Unwesentliches. Buschs Entwürfe und Modelle erscheinen in ihrer frischen Vitalität modern. Damals verließen nur fertig ausgearbeitete Werke das Atelier.



Georg Buschs Initiative ist es zu verdanken, dass die christliche Kunst nach der Ausdruckslosigkeit im 19. Jahrhundert wieder an künstlerischer Qualität gewann. Damals belieferten fabrikähnliche Kunstanstalten die Kirchen. Busch rief Vereinigungen und Gesellschaften ins Leben, in denen der Kontakt der christlichen Künstler mit den Auftraggebern unterstützt wurde: 1893 die "Deutsche Gesellschaft für christliche Kunst", 1900 die "Gesellschaft für christliche Kunst Ausstellung und Verkaufsstelle GmbH." und 1918 den "Verein Ausstellungshaus für christliche Kunst e.V.". 1909 begann er mit der Monografienreihe "Die Kunst dem Volke", worin Künstler und Kunstwerke der Vergangenheit und Gegenwart vorgestellt wurden. In damals bester Qualität bebildert, waren diese "grünen Hefte" äußerst preisgünstig.

Wer mehr wissen möchte: Vom 6. Oktober bis 18. November sind in einer Gedächtnis-Ausstellung über Georg Busch dessen Werke im Kreuzgang des Klosters Benediktbeuern Werke zu sehen, Vernissage ist am 6. Oktober. Ein Buch wird zur Ausstellung erscheinen: Herausgeberin ist Roswitha Busch-Hofer: "Georg Busch (1862 bis 1943), Bildhauer und Förderer christlicher Kunst." red

www.homburg.de

Homburg. Der Altar der Homburger St. Michael Kirche ist ein ganz Besonderer. Gestiftet wurde der Altar 1898 von Prinz Leopold aus München, der zu jener Zeit 20 000 Mark investierte. Erbaut ist er von Busch im deutsch-romanischem Stil. Der, auf vier Säulen getragene, Überbau sieht aus wie ein Baldachin, der über den Altar gespannt ist, und gibt dem Altarseinen Namen. Ein Altar solcher Art, so Pater Heinz Limburg, sei in Deutschland nicht üblich und eher in südlichen Ländern verbreitet. Der nächste sei in München. In dem frontalen Rundbogen dieses Überbaus steht in lateinischen Lettern geschrieben: "Seht das Zelt Gottes unter den Menschen".

Auf dem Baldachin sind drei Engel zu sehen, einer in der Mitte jeder sichtbaren Seite. Außerdem knien auf der Frontseite des Baldachins Papst Clemens, mit Schlüssel und Buch, und Stifter Prinzregent Leopold, mit Schwert und Schriftrolle. Im Zentrum des Baldachin ist wiederum eine kleine Kuppel, getragen von 16 kleinen Säulen, auf der das Kreuz hochragt. Der Altar-Tisch selbst glänzt durch zwei goldene Flügeltüren in der Mitte, die sechs Reliefs mit verschiedenen Geschichten Jesu zeigen. Darunter ist ein etwas größeres goldenes Relief mit der Kreuzigung Jesu. Über den Flügeltüren befindet sich Jesus mit den griechischen Buchstaben Ë und Ù in der Hand. Über ihm ist in Latein geschrieben: "Nahe ist der Herr". Darüber, und damit der höchste Punkt des Altartisches, ist eine steinerne Kugel, auf der ein Lamm mit goldener Flagge und Heiligenschein liegt. Links und rechts der goldenen Flügeltüren sind jeweils drei Figuren abgebildet. Links die Figuren der Heiligen Bernard, Ludwig und Chrysostomos. Rechts die der Heiligen Gregor und Thomas von Aquin sowie des Prinzen Leopolds. Darüber hinaus sind links und rechts des Baldachin Altars, der auch Ziborium-Altar genannt wird, jeweils zwei Malereien in den Wänden. Zudem sind, etwas vor dem Altar, zwei metallene Tafeln an den Wänden, auf denen Leopold und Ludwig I. verewigt sind. Die Seltenheit eines solchen Altar und die gestalterische Ausarbeitung macht ihn zu einem großen Werk Buschs. cd

Georg Busch in seinem Atelier im Jahr 1912. Foto: Nachlass
Georg Busch in seinem Atelier im Jahr 1912. Foto: Nachlass