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Ein Film, der verletzlich macht

Wadern. Sonntagmorgen, kurz vor elf Uhr: Eine Menschentraube hat sich vor dem Waderner Kino gebildet, Fotografen und ein Fernsehteam schwirren um den Eingang herum. Wen sie im Fokus haben, erkennt man sofort. Ein großer junger Mann mit Sonnenbrille schüttelt Hände, nimmt Glückwünsche entgegen und lacht in die Kamera Von SZ-Mitarbeiterin Kathrin Werno

Wadern. Sonntagmorgen, kurz vor elf Uhr: Eine Menschentraube hat sich vor dem Waderner Kino gebildet, Fotografen und ein Fernsehteam schwirren um den Eingang herum. Wen sie im Fokus haben, erkennt man sofort. Ein großer junger Mann mit Sonnenbrille schüttelt Hände, nimmt Glückwünsche entgegen und lacht in die Kamera. An diesem Sonntagmorgen macht das Waderner Starlight-Kino seinem Namen alle Ehre - noch vor drei Tagen haben beim Filmfest in München die Gratulanten bei Timo Müller Schlange gestanden, als der Diplomfilm des Jungregisseurs den mit 30000 Euro dotierten Förderpreis Deutscher Film 2008 verliehen bekam. "Morscholz" heißt sein 110-minütiger Streifen, der nun Saarland-Premiere feiert. Gedreht wurde er im Spätsommer 2004 in Morscholz, von wo die Mutter des 30-Jährigen stammt und wo er regelmäßig seine Verwandten, vor allem seine Großmutter Josefine Behres besucht. Natürlich ist die 83-Jährige jetzt auch zur Premiere gekommen - aber nicht "nur" als stolze Oma, sondern auch als Hauptdarstellerin neben der Tante Hiltrud Lichthardt. Fast alle Gäste dieser Privatvorstellung haben irgendetwas mit dem Film zu tun, manche haben als Laiendarsteller mitgewirkt und sind jetzt nervös, sich selbst zum ersten Mal auf einer Leinwand zu sehen. "Morscholz" ist mit dem Budget eines Hochschul-Kurzfilms mit kleinem Team, überwiegend Laien und einigen professionellen Mimen, realisiert worden. Hauptdarsteller ist der ausgebildete Schauspieler Laurens Walter, der in der Kategorie "Schauspieler, männlich" auch für den Förderpreis Deutscher Film nominiert war. Kaum ist es dunkel, wird es mucksmäuschenstill auf den Rängen. Es folgen verlegene Lacher, wenn jemand sich groß und in Farbe durchs Kino flimmern sieht. Aber dann wird es still, denn "Morscholz" beschreibt keine Heile-Welt-Idylle, wie man sich das vielleicht von seiner Heimat wünschen würde. Alltag und Probleme Der Film handelt von zwei Familien, ihrem Alltag und ihren Problemen. Er beschreibt keine wahren Begebenheiten, sondern die Handlung hat Timo Müller erfunden. Gedreht wurde aber komplett in Morscholz und Steinberg, zum Teil in den Häusern seiner Verwandten. "Ein Film, der verletzlich ist, ein Film, der verletzlich macht", beschreibt der junge Regisseur, der in Trier aufwuchs und auf der renommierten Hochschule für Fernsehen und Film in München studiert hat, seinen Streifen. "Es ist ein ehrlicher Film. Ein Film ohne die Schönen, Reichen, ohne die Paris Hiltons." Und deshalb geht es nach der Premiere mit dem ganzen Team auch nicht zu einer schillernden Filmparty, sondern ins Gasthaus Biehl nach Steinberg zum Schnitzelessen.




 Eine Szene aus dem Film "Morscholz". Foto: Jessica Krummacher
Eine Szene aus dem Film "Morscholz". Foto: Jessica Krummacher