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Künftiger Ministerpräsident
Ein CDU-Matrose wird Kapitän des Saarlandes

Im Landtag ist er kein Neuling: Darüber hinaus ist Tobias Hans, seit 2009 Abgeordneter und seit 2015 CDU-Fraktionschef, aber noch weitgehend unbekannt.
Im Landtag ist er kein Neuling: Darüber hinaus ist Tobias Hans, seit 2009 Abgeordneter und seit 2015 CDU-Fraktionschef, aber noch weitgehend unbekannt. FOTO: Becker&Bredel
Saarbrücken. Die große Koalition soll unter dem künftigen Regierungschef Tobias Hans stabil weiterarbeiten. Die SPD wittert bereits Morgenluft. Von Daniel Kirch
Daniel Kirch

Chefkorrespondent Landespolitik

Zum Rosenmontagsumzug in seiner Heimatstadt Neunkirchen schlüpfte Tobias Hans vorige Woche in ein Matrosen-Kostüm. Aber selbst wenn er eine Kapitäns-Uniform getragen hätte, wäre wohl niemand auf die Idee gekommen, dass der 40-Jährige im Saarland schon in Kürze das Kommando übernehmen wird. Der CDU-Politiker wird dann nicht nur der jüngste Ministerpräsident sein, den das Saarland in seiner 60-jährigen Geschichte hatte. Sondern auch der jüngste unter den 16 amtierenden Regierungschefs in Deutschland.


Lange Zeit galt Finanzminister Stephan Toscani als Favorit für die Nachfolge Annegret Kramp-Karrenbauers. Doch die Regierungschefin traut den Job wohl eher dem jüngeren Hans zu. Sie empfahl ihn gestern „mit bestem Gewissen“.

Außerhalb des Saarlandes dürfte Hans in etwa so bekannt sein wie der Oberbürgermeister von Recklinghausen; selbst im Saarland ist sein Bekanntheitsgrad begrenzt. Das wird sich automatisch ändern, wenn Hans in seinem neuen Amt bald unter verstärkter medialer Beobachtung stehen wird. Zumal er – wovon er selbst ausgeht – nach einer Übergangszeit auch den CDU-Landesvorsitz von Kramp-Karrenbauer übernehmen wird.



Wer also ist dieser Tobias Hans, der mit 14 Jahren der Jungen Union und mit 16 Jahren der CDU beitrat? Ein klares Profil wie die sozial-konservative Kramp-Karrenbauer hat Hans bislang nicht. Das Sozialpolitische habe ihn geprägt, sagt Hans, aber als Regierungschef werde er seine Rolle als Mittler zwischen Christlich-Sozialen, Konservativen und Liberalen in der Partei verstehen.

Hans stammt aus Münchwies, einem Neunkircher Stadtteil mit gut 1000 Einwohnern. Seine heutige Frau lernte der Pferdeliebhaber bei einem Wanderritt kennen. Seitdem er vor Jahren 18 Kilogramm abgenommen hat, wirkt er auch am Rednerpult wesentlich dynamischer. Was noch bekannt ist: Sein Studium der Informationswissenschaften beendete er ohne Abschluss.

Zunächst arbeitete er an der Psychosomatischen Fachklinik in seinem Heimatort Münchwies. 2006 stieg er als wissenschaftlicher Mitarbeiter der CDU-Landtagsfraktion ein. Nach einer kurzen Station als persönlicher Referent der Arbeitsminister Josef Hecken und Gerhard Vigener wurde er 2009 in den Landtag gewählt. Dort übernahm Hans 2015 – gefördert auch von seinem Vorgänger Klaus Meiser – den Chefposten der CDU-Fraktion und trat damit in die Fußstapfen seines Vaters Peter Hans, der von 1999 bis zu seinem Tod 2007 ebenfalls Fraktionsvorsitzender war. Hans ist auch kommunalpolitisch verankert. Sein Versuch, Landrat des SPD-geprägten Landkreises Neunkirchen zu werden, scheiterte 2015 aber.

Hans war nie Staatssekretär oder Minister, ein Manko für einen Regierungschef? „In einer parlamentarischen Demokratie ist parlamentarische Erfahrung nicht weniger wert als Regierungserfahrung“, sagt er.

Was bedeutet der Wechsel an der Spitze der Landesregierung für die große Koalition? „Ich gehe davon aus, dass sich auch in einer neuen Konstellation die Statik der Koalition im Saarland nicht verändert“, sagt Vize-Regierungschefin Anke Rehlinger, die in wenigen Wochen SPD-Landeschefin werden soll. Ähnliches hört man auch von Tobias Hans selbst. Die SPD, die sich als Stabilitätsanker der Koalition sieht, will in einem Koalitionsausschuss aber zunächst mit der CDU „über die Gesamtaufstellung und die Art und Weise der Zusammenarbeit“ sprechen.

Auch bei Linken und AfD löst Hans fürs Erste keine Abwehr-Reflexe aus. „Man muss abwarten, welche Ergebnisse er in seiner Arbeit erreichen wird“, sagt Linken-Fraktionschef Oskar Lafontaine. „Ansonsten spricht nichts dagegen, ihn mit dieser Aufgabe zu betrauen.“ AfD-Mann Rudolf Müller bezeichnet Hans als „präsentable Erscheinung“. Was dahinterstecke, werde man sehen.

Hans – davon kann man ausgehen – ist für die SPD-Abgeordneten wählbar. Die Sozialdemokraten können mit dem Weggang Kramp-Karrenbauers ohnehin ganz gut leben. Denn die Dominanz der CDU im Saarland beruhte in den vergangenen Jahren ganz wesentlich auf der Popularität Kramp-Karrenbauers. Gegen eine Regierungschefin, die auch große Teile der sozialdemokratischen Wähler ganz gut finden, hatte es die saarländische SPD in den vergangenen Jahren extrem schwer. Nun wittern die Genossen Morgenluft. „Dass sich durch solche Personalbrüche auch Chancen für Mitbewerber ergeben, ist logisch“, sagt SPD-Fraktionschef Pauluhn.

Tobias Hans (hier 2013) trat mit 16 in die CDU ein. Er ist der Sohn des früheren CDU-Fraktionschefs Peter Hans, der 2007 starb.
Tobias Hans (hier 2013) trat mit 16 in die CDU ein. Er ist der Sohn des früheren CDU-Fraktionschefs Peter Hans, der 2007 starb. FOTO: Becker Bredel