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Ein Berufsbild im Wandel der ZeitEin komplexer Beruf mit hohen Anforderungen an Fachkräfte

Regionalverband. Der Mediengestalter Digital und Print zählt zu den beliebtesten Ausbildungsberufen im Dualen System. Bei der IHK Saarland sind derzeit 103 aktive Ausbildungsverträge eingetragen. Die gestalterische, kreative Komponente begeistert Jugendliche, die in die Grafik- und Designwelt einsteigen wollen Von Joachim Rauber

Regionalverband. Der Mediengestalter Digital und Print zählt zu den beliebtesten Ausbildungsberufen im Dualen System. Bei der IHK Saarland sind derzeit 103 aktive Ausbildungsverträge eingetragen. Die gestalterische, kreative Komponente begeistert Jugendliche, die in die Grafik- und Designwelt einsteigen wollen. Dementsprechend tritt hier eine Vielzahl von Bewerbern jedes Jahr um die wenigen angebotenen Ausbildungsplätze in Wettstreit. Als Ausbildungsberater der IHK muss man den zahlreichen Interessierten dann eröffnen, dass von den Werbeagenturen und Mediendienstleistern oft allgemeines Abitur oder ein Abschluss der Fachoberschule Design mit guten Noten in Mathematik, Englisch und Datenverarbeitung erwartet werden. Bewerber, die eine Internetseite erstellt oder mit Fotobearbeitung Erfahrung haben, sind im Vorteil. "Für den Mediengestalter Digital und Print erhalten wir mindestens 50 Bewerbungen auf eine freie Ausbildungsstelle, in den Berufen Drucker, Siebdrucker oder Buchbinder, die mindestens genauso interessant sind, keine Handvoll, und dabei haben sie bessere Aussichten nach der Ausbildung", so Walter Staab, Gesamtbetriebsleiter der Krüger Druck + Verlag GmbH & Co. KG aus Dillingen. Bis es 2007 zu der Neuordnung des Mediengestalters Digital und Print kam, war es ein weiter Weg. Johannes Gutenberg erstellte um 1445 seine Bibel mit beweglichen und wieder verwendbaren Metall-Lettern im Handsatz. Dabei gelang es ihm durch den Einsatz unterschiedlich breiter Buchstaben, alle Zeilen gleich lang und gleichzeitig alle Wortzwischenräume gleich groß zu gestalten. Für dieses Projekt brauchte er fünf Jahre; allerdings löste er damit die erste Medienrevolution aus. Es waren noch einige weitere Quantensprünge bis zur Digitaltechnik und dem Mediengestalter Digital und Print notwendig. Begleitet wurde diese Entwicklung in der Druck- und Medienbranche von fast 30 verschiedenen Berufs- und Tätigkeitsbezeichnungen. Seit über 200 Jahren gibt es den Setzer oder Schriftsetzer, der sich bis in die 90er Jahre mit Bleilettern aus dem Setzkasten die Finger schwarz machte. Der Schriftsetzer, seit 1951 mit geregelten Ausbildungsinhalten, war ein Ausbildungsberuf im Druckhandwerk und in der Papier verarbeitenden Industrie zur Herstellung bzw. Weiterverarbeitung von Druckformen für Buchdruck. Ein grundlegender Entwicklungssprung war der Einsatz von Fotosatzmaschinen, bei dem durch Belichtung der Schriftzeichen mit einem optischen oder optoelektronischen Verfahren mit Licht das zu setzende Zeichen auf einen Trägerfilm übertragen wurde. Parallel wurden Berufe wie Fotogravurzeichner (1961-1998), Druckvorlagenhersteller (1974-1996), Druckformhersteller (1974-1994), Reprograf (1963-1998) ins Leben gerufen, die alle an der Kette zwischen Vorlage und Endprodukt beteiligt waren. Seit Anfang der 90er Jahre wurden Printprodukte dann fast ausschließlich im Rahmen von DTP (Desk Top Publishing) produziert, dessen digitale Verfahren die fotografischen Techniken der Druckvorstufe zwischenzeitlich fast vollständig verdrängt haben. Obwohl der Schriftsetzer und die übrigen Berufe sich im Laufe der Jahre stets den aktuellen Anforderungen anpassten, sah das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) die Notwendigkeit einer grundlegenden Berufsreform und integrierte 1998 diese Berufe in den neuen Beruf Mediengestalter Digital- und Printmedien. Der Abschied vom Bleisatz, die grundlegende Veränderung der Druckverfahren und -vorlagen sowie der Einfluss der Informations- und Telekommunikationstechniken und der Digitaltechnik mit dem Riesensprung in das WYSIWYG (What you see is what you get) machte die "Verabschiedung" dieses Berufsbildes notwendig. Sie verband die Inhalte dieser Berufe mit neuen Qualifikationen aus den Bereichen Multimedia, Digitale Medien und Digitaldruck. Seit der Neuordnung 2007 wird die bundesweit geregelte dreijährige Ausbildung in den Fachrichtungen Gestaltung und Technik, Beratung und Planung sowie Konzeption und Visualisierung angeboten, wobei Gestaltung & Technik am häufigsten gewählt wird. Zahlreiche Wahlqualifikationen ermöglichen es, die besonderen Kompetenzen des Ausbildungsbetriebes und des Auszubildenden zu berücksichtigen. Der Autor (Foto: Ruppenthal) ist Diplom-Betriebswirt; er ist Ausbildungsberater bei der IHK Saarland. Saarbrücken. Den Wandel im Berufsleben spürt auch Horst Korb täglich und hautnah. Der Schriftsetzermeister (Handwerk) arbeitet heute im Produktionsmanagement der Saarbrücker Zeitung. Seit 20 Jahren ist er zudem Mitglied im Prüfungsausschuss des heutigen Berufs Mediengestalter Print. Für dieses ehrenamtliche Engagement wurde er unlängst vom saarländischen Ministerpräsidenten Peter Müller (CDU) mit einer goldenen Ehrennadel ausgezeichnet. Trotz der Belastung will Korb, der im Drei-Schicht-Betrieb arbeitet, dem Prüfungsausschuss treu bleiben. Sicher müsse er manch einen Termin wegen seiner Arbeit absagen, aber er schätzt die Kontakte zu den jungen Menschen und den langjährigen Kolleginnen und Kollegen, wie er im Gespräch mit der SZ sagt. "Du bleibst auf dem Laufenden, weißt, was abgeht in unserem Beruf", stellt Korb die aus seiner Sicht positive Seite seines Ehrenamtes heraus. Und der Wandel ist in seinem Lehrberuf augenscheinlich. Während damals mit Blei und Setzkasten gearbeitet wurde, bestimmt heute der PC mit seinen vielen Möglichkeiten die Arbeit. Mit seinen Kolleginnen und Kollegen des Prüfungsausschusses begutachtet Korb die praktischen Prüfungsstücke der Auszubildenden. Diese müssten zum Beispiel einen Entwurf laut Aufgabenstellung anfertigen (zum Beispiel ein Plakat) und als Ausdruck abzuliefern. Hier zeigten sich dann die Leistungsunterschiede. Mediengestalter sei eben "ein komplexer Beruf", der hohe Anforderungen an die Fachkräfte stelle. thf