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Kirche
Dutzende katholische Kirchen geschlossen

Die stark sanierungsbedürftige Kirche St. Johannes in Wellesweiler wurde 2009 abgerissen. An der Stelle wurde 2011 ein Gemeindezentrum mit integriertem Kirchenraum gebaut.
Die stark sanierungsbedürftige Kirche St. Johannes in Wellesweiler wurde 2009 abgerissen. An der Stelle wurde 2011 ein Gemeindezentrum mit integriertem Kirchenraum gebaut. FOTO: Foto: Willi Hiegel
Trier/Speyer/Mainz. Weniger Geld, weniger Mitglieder, weniger Gottesdienstbesucher: Die katholische Kirche musste sich von etlichen Gotteshäusern trennen. Von Birgit Reichert

Die katholische Kirche in Rheinland-Pfalz und im Saarland hat seit dem Jahr 2000 mehrere Dutzend Kirchen aufgegeben. Sie wurden abgerissen, verkauft oder umgenutzt, ergab eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur (dpa) bei den Bistümern. Das Bistum Trier hat sich in der Zeit von 31 Kirchengebäuden getrennt, das Bistum Speyer von 16. Das Mainzer Bistum dagegen hat keine Kirche dicht gemacht – lediglich eine Kapelle entweiht.


„Das Aufgeben einer Kirche ist immer schmerzlich, denn mit einer Kirche sind für viele Menschen Erinnerungen an wichtige Lebensereignisse verknüpft“, sagte Bistumssprecher Markus Herr in Speyer. Andererseits sei der Unterhalt einer Kirche mit Kosten verbunden, die nur gerechtfertigt seien, wenn die Kirche in einer Gemeinde gebraucht werde. In vielen Fällen sei der seelsorgerische Bedarf in den Pfarreien eben nicht mehr gegeben gewesen. Im Bistum Speyer gibt es insgesamt rund 500 Kirchen und 200 Kapellen.

Auch das Bistum Trier gibt als Gründe für die Entweihung von Kirchen die rückläufige Zahl der Gottesdienstbesucher und fehlende finanzielle Mittel an. Seit 2012 wird an einem Immobilienkonzept gearbeitet, das den künftigen Bedarf an Gebäuden für allen Pfarreien ermitteln soll, sagte Sprecherin Judith Rupp in Trier. Eine Prognose darüber, ob und wie viele weitere Kirchen geschlossen werden müssten, sei schwierig. Es lasse sich „womöglich nicht vermeiden“, vor allem wenn große Baumaßnahmen anstünden und Kirchengemeinden damit in finanzielle Nöte gerieten, sagte sie.

Das Bistum Speyer, in dem man sich dieses Jahr von St. Ulrich in Haßloch und Christ König in Pirmasens getrennt hat, geht davon aus, dass die Entwicklung in den nächsten Jahren andauern wird. Wegen der Demografie und abnehmender Kirchenbindung werde das Haushaltsvolumen langfristig um rund ein Prozent pro Jahr zurückgehen, sagte Herr. Eine Konsequenz sei, dass der Bestand an Kirchen, Pfarrhäusern und Pfarrheimen „in moderatem Maß“ verkleinert und den Einnahmen angepasst werden müsse. Wobei stets an erster Stelle der seelsorgerische Bedarf in einer Gemeinde stehe.

Im Trierer Bistum kostet der Unterhalt der insgesamt 1818 Kirchen, die in Rheinland-Pfalz und im Saarland stehen, rund 13 Millionen Euro im Jahr. In Speyer sind für die Instandhaltung der Kirchen 2018 rund 12,5 Millionen Euro eingeplant. Das Bistum Mainz gibt für den Unterhalt von 2014 bis 2016 gut 21 Millionen Euro an. Darin enthalten sind neben Bistumszuschüssen der Eigenanteil der Kirchengemeinden und eventuelle staatliche Zuschüsse. Die reinen Bistumszuschüsse hätten bei knapp 14 Millionen Euro gelegen.



Im Bistum Trier sind in diesem Jahr die Kirche St. Paulus in Trier und die Heilig-Kreuz-Kirche in Koblenz-Ehrenbreitstein aufgegeben worden. Bei den zuvor aufgegebenen Gotteshäusern gab es Abrisse beispielsweise von Heilig Geist im saarländischen St. Wendel, St. Johannes in Neunkirchen-Wellesweiler und St. Peter und Paul in Urbar. Verkauft wurden etwa St. Helena in Saarbrücken-Burbach, Thomas Morus in Daun und Maria Hilf in Koblenz-Lützel. Das Canisianum der Jesuiten in Saarlouis wurde an die Stadt zurückgegeben.

Das Speyerer Bistum gibt an, dass seit 2000 drei Kirchen „abgebrochen“ wurden. Acht werden demnach heute anders genutzt, zum Beispiel als Kochschule, Wohnhaus oder Kita. Und fünf Kirchen würden weiter als Kirche genutzt - von griechisch-orthodoxen Gemeinden oder evangelischen Freigemeinden.

An vielen Orten in Rheinland-Pfalz werden Kirchen bereits von Katholiken und Protestanten gemeinsam genutzt – in sogenannten Simultankirchen: Ob in Hahn, Bendorf oder Brauneberg. In der Pfalz gibt es als simultan genutzte Kirchen unter anderem die Abteikirche in Otterberg. Auch in Christ König in Kaiserslautern, wo Katholiken in der protestantischen Kirche Messe feiern, sei die Zusammenarbeit sehr gut, sagte Sprecher Herr. Die Kooperation solle ausgebaut werden: Das Bistum und die evangelische Landeskirche ermutigten Gemeinden und Pfarreien, kirchliche Gebäude gemeinsam zu nutzen.

Und was ist mit Neubauten? Bei den Speyerern sind seit 2000 keine neuen Kirchen gebaut worden. Im Bistum Mainz sei 2014 der letzte Neubau in Rollwald (Hessen) eingeweiht worden, sagte Sprecher Tobias Blum. 2000 gab es einen in Nieder-Erlenbach, 1995 in Lampertheim-Hüttenfeld. Das Trierer Bistum berichtet von zwei Ersatz-Neubauten, der letzte war Anfang 2011 in Neunkirchen-Wellesweiler.