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Finanzaffäre beim Landessportverband
Durchsuchung beim Präsidenten der Leichtathleten

Lothar Altmeyer, Präsident des Saarländischen Leichtathletik-Bundes und Leiter des Sportzweiges am Saarbrücker Rotenbühl-Gymnasium.
Lothar Altmeyer, Präsident des Saarländischen Leichtathletik-Bundes und Leiter des Sportzweiges am Saarbrücker Rotenbühl-Gymnasium. FOTO: Schlichter / Andreas Schlichter
Saarbrücken. Im Zuge der Affäre beim Landessportverband ermittelt die Staatsanwaltschaft jetzt auch wegen Betrugs- und Untreueverdacht gegen Präsidiumsmitglied Lothar Altmeyer, Chef der Leichtathleten. Von Michael Jungmann
Michael Jungmann

Die Durchsuchungswelle der Staatsanwaltschaft in der millionenschweren Finanzaffäre beim Landessportverband  (LSVS) reißt nicht ab. Mit einem richterlichen Beschluss meldeten sich am Mittwochmorgen Fahnder des Dezernates „Besondere Ermittlungen und Korruption“ (BEK) bei Lothar Altmeyer (60), Präsident des Saarländischen Leichtathletik-Bundes (SLB) und Leiter des Sportzweiges (Eliteschule des Sports) am Saarbrücker Rotenbühl-Gymnasium. Mario Krah, Sprecher der Staatsanwaltschaft, bestätigte auf Anfrage, dass Dienst- und Privaträume des Saarbrückers durchsucht  und „verschiedene Beweismittel sichergestellt“ wurden.  Gegen Altmeyer und andere Präsidiumsmitglieder laufen bereits seit Monaten Ermittlungen wegen möglicher Untreue und Vorteilsgewährung. Jetzt kommt bei Altmeyer Betrugsverdacht hinzu, denn – so die Angaben von Krah -, er soll etwa Fahrzeuge, Elektronik, Computersoftware und Fachliteratur über den LSVS  finanziert haben, obwohl „entsprechende Positionen dem schulischen und privaten Bereich zuzurechnen sein könnten“. Angeblich geht es auch um Reisen. Auch die Rechnungen dafür sollen beim LSVS eingereicht worden sein. Altmeyer ist seit 2016 Chef der Saar-Leichtathleten.  Der LSVS hat ihn jetzt als Nachfolger seines zurückgetretenen Präsidenten Klaus Meiser in den Aufsichtsrat der Saarland Sportoto GmbH (Saartoto) berufen.  An diesem Donnerstag soll er erstmals an einer Aufsichtsratssitzung teilnehmen.


Altmeyer selbst war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Sein Verteidiger, der Saarbrücker Rechtsanwalt Joachim Giring, sagte, es sei Aufgabe des LSVS, Breiten- und Spitzensport zu fördern. Die Staatsanwaltschaft prüfe nun offenbar in jedem Einzelfall, was zur Sportförderung gehört und was der LSVS aus den Totomitteln  leisten darf und was nicht. Das gehe zwar von der Stoppuhr bis hin zu Fahrzeugen, mit denen Beteiligte zu Schul-Weltmeisterschaften gefahren werden, sei jedoch nicht als umfassende Vorverurteilung zu verstehen. Zu welchem Ergebnis die Prüfung führe, sei offen.

Derweil bereitet sich die Belegschaft des LSVS auf eine Demonstration in eigener Sache vor.  Verdi-Chef Thomas Müller und seine Kollegin Sabine Engelhardt-Cavelius kündigen im Umfeld der am Donnerstag stattfindenden  Gesamtvorstandssitzung des Verbandes an der Sportschule eine Protestaktion an. „Die Leute haben  Herzblut für den LSVS!“ Nach Plänen des Konsolidierungsberaters Michael Blank soll jede dritte der 182 Stellen gestrichen werden.  Nachdem Innen- und Sportminister Klaus Bouillon (CDU) im Rahmen einer Infoveranstaltung für die Sportvorstände am Mittwoch eine Entscheidung über das Sanierungskonzept um zwei Wochen aufgeschoben hat, sagt Müller: „Wir gehen davon aus, dass mit diesem Moratorium auch die zum Monatsende angekündigten Kündigungen vom Tisch sind.“ Müller reklamiert zudem einen „Transferpool“  der öffentlichen Hand für  betroffene LSVS-Mitarbeiter.