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Historisches Museum Wallerfangen
Dürer malte mit Wallerfanger Blau

Peter Winter, Vorsitzender des Vereins für Heimatforschung Wallerfangen, hauchte dem dortigen Historischen Museum neues Leben ein.
Peter Winter, Vorsitzender des Vereins für Heimatforschung Wallerfangen, hauchte dem dortigen Historischen Museum neues Leben ein. FOTO: Rich Serra
Wallerfangen. Wallerfangen, ein Provinznest? Von wegen. Nicht nur der Sonnenkönig kam vorbei. Das zeigt das Historische Museum – ein Paradebeispiel für zeitgemäße Heimatgeschichte. Von Cathrin Elss-Seringhaus

Wenn Peter Winter (79), Vorsitzender des Vereins für Heimatforschung Wallerfangen über die letzten Jahre des Museums auf der Adolphshöhe berichtet, hört es sich an, als zitiere er das Kapitel „Zukunftsfähigkeit“ aus einem Handbuch des Saarländischen Museumsverbandes (SMV). Denn im ehemaligen Schulhaus, dessen Lehrer Theodor Liebertz um 1900 mit dem Sammeln und Dokumentieren der Lokalgeschichte begann, passierte vor drei Jahren genau das, was der Museumsverband allen Vereinen und Sammlern rät, die sich um ihre Bestände und die Weiterführung des Ausstellungsbetriebes sorgen: Man besann sich auf die Besonderheiten des Ortes, setzte Schwerpunkte, startete das große Ausmisten. „Wir wollten nicht noch ein Bügeleisen- oder Uhrenmuseum sein“, sagt Winter. Als der geschichtsaffine ehemalige Saarlouiser Landrat, der im nahegelegenen Saarlouiser Stadtteil Beaumarais lebt, 2007 beim Heimatforscher-Verein aktiv wurde, fand er nach eigenem Bekunden das übliche Bild vor: überfrachtete, ungeordnete Vitrinen, kaum Erklär-Texte, angewelkte Räume. „Langfristig sah ich das Totenglöcklein läuten“, sagt er.


Das Überlebens-Modell hieß Renovierung und Modernisierung. „Wenn, dann mussten es Investitionen für die nächsten 30 Jahre sein“, so Winter. Also wurde geklotzt und nicht gekleckert, auch dank satter Rücklagen: 80 000 Euro lagen auf der hohen Kante des Vereins, weil die Einnahmen aus dem traditionellen jährlichen Keramikmarkt vor der Haustür zurückgelegt worden waren. Hinzu kamen Spenden (26 000 Euro) und Zuschüsse vom Kreis (40 000 Euro) sowie Tourismusfördermittel (96 000 Euro).

Welch eine privilegierte Situation, einen Landrat zu haben, der die Türen öffnet? Einen Verein muss man haben, der nach vorne will und ein überzeugendes inhaltliches Konzept vorlegt. Es lautete: Wir porträtieren Wallerfangen als ein Zentrum von überörtlicher Bedeutung. „Wir wussten: Dieses Thema konnte uns keiner mehr wegnehmen“, so Winter. „Ich war überzeugt, wir hatten ein gutes Produkt.“ Dessen Alleinstellungsmerkmal öffnete denn auch die Schatullen der anderen. 2015 ging dann ein gänzlich neu gestaltetes, helles „Historisches Museum Wallerfangen“ an den Start. Der Name ersetzte den „Schreckbegriff“ Heimatmuseum, der nach wackerer Amateur-Bemühtheit klingt statt nach Professionalität. Offensichtlich bewirkte dieser Ruck nach vorn, in die Zukunft auch eine innerbetriebliche Aufbruchstimmung: Der Verein, der heute 150 Mitglieder hat, wuchs seit der Wiedereröffnung um 20 Personen.



Und tatsächlich kann sich das Haus heute in Sachen Präsentation und Inszenierung selbstbewusst neben das Historische Museum Saar am Saarbrücker Schlossplatz stellen. Denn man engagierte nur Design- und Museumsgestaltungs-Profis, die mit Riesenbannern, bewegten Bildern, Hörstationen und launigen Texte eine muntere Infotainment-Atmosphäre schufen. Hier soll man nicht nie gesehene, kostbare Exponate kennen lernen, sondern das fabelhafte Wallerfangen. Ein Provinzkaff? Von wegen. Ein Fürstensitz zur Keltenzeit, ein Kupferförder-Ort bei den Römern, in der frühen Neuzeit ein Verwaltungs- und Handelszentrum des Herzogtums Lothringen, später durch die Gründung der Keramikfabrik durch Nicolas Villeroy (1759-1843) eine frühindustrielle Boomtown. 1000 Arbeiter drängten täglich in das Fabrik-Dorf direkt am Rathaus, ein Luftbild von 1929 zeigt die Dicht-an-Dicht-Bebauung. Zwischen 1882 und 1913 wurde die gesamte Belegschaft viermal durchfotografiert, ohne Namen.

Der fleißige Dorflehrer Liebertz entwickelte den Ehrgeiz, sie zu ermitteln, seine Dokumentation kann man einsehen – ein Schatz für Ahnenforscher. Auch erfährt man, dass Albrecht Dürer mit Wallerfanger Blau (Azurit) malte, einer Farbe, die aus Wallerfanger Kupferminen stammte. Ebenso, dass Wallerfangen immer wieder hohen Besuch empfing, von Kaiser Maximilian I. (1503) und Kaiser Karl V. (1546) bis hin zum Sonnenkönig Ludwig XIV. (1683). Das war, bevor Vauban die Festungsstadt Saarlouis baute und die stolzen Wallerfanger zur Umsiedlung gezwungen wurden.

Historisches Museum Wallerfangen, Louisenstraße 3 (Adolphshöhe), 66798 Wallerfangen. Geöffnet: Freitag bis Sonntag, 15 bis 18 Uhr; verein-fuer-heimatforschung-wallerfangen.de