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Dorfrichter und Bösewicht

Homburg. Das Licht im Saalbau geht aus. Durchs Dunkel huscht ein schmales Männlein mit Laterne und durchsucht die Bühne nach seinem Chef, dem Dorfrichter Adam. Das Männlein ist der Schreiber mit dem bezeichnenden Namen Licht, und er wird noch so manches Licht in die nun folgende verworrene Geschichte bringen Von SZ-Mitarbeiterin Marion Kawohl

Homburg. Das Licht im Saalbau geht aus. Durchs Dunkel huscht ein schmales Männlein mit Laterne und durchsucht die Bühne nach seinem Chef, dem Dorfrichter Adam. Das Männlein ist der Schreiber mit dem bezeichnenden Namen Licht, und er wird noch so manches Licht in die nun folgende verworrene Geschichte bringen. Stets hält er sich dabei im Hintergrund, intrigiert nicht, führt nur die etwas wirren Befehle seines Richters aus und wird am Ende doch dessen Nachfolger.So hat Heinrich von Kleist in seinem Lustspiel "Der zerbrochene Krug" die Affäre um Richter Adam geschrieben. Der Bösewicht Adam, zwar nur ein kleiner Dorfrichter und dennoch eine Respektsperson in der ländlichen Bevölkerung, muss an diesem Gerichtstag unter den kritischen Augen des gestrengen Gerichtsrates Walter über sich und seine Zukunft urteilen. Denn schnell steht fest, dass der Bösewicht, der den ach so kostbaren Krug von Frau Marthe nächtens in der Kammer ihrer Tochter Eva zerbrach, niemand anderes ist als er selbst. Um sich aus der Affäre herauszuhalten, erfindet er eine hanebüchene Geschichte nach der anderen. Oh ja, er ist gewitzt und nicht auf den Kopf gefallen, dieser Richter, für den das Recht nur ein Mittel zum eigenen Zweck ist. Kleists Lustspiel, das sich nach anfänglichen Schwierigkeiten zu einem Renner entwickelte, ist ganz auf die Hauptrolle des schmierigen Richters zugeschnitten.


Bei der werktreuen Inszenierung des Theaters Poetenpack aus Potsdam am Donnerstagabend im Kulturzentrum Saalbau in Homburg füllt Teo Vadersen diese begehrte Charakterrolle voll und ganz aus. Sein Dorfrichter Adam dreht und windet sich, buckelt und schmeichelt nach oben und tritt und droht nach unten. Der Zuschauer kommt nicht umhin, mit ihm zu leiden, obwohl er unter all diesen rechtschaffenen Bauersleuten der Wolf im Schafspelz ist.

Auch die weiteren Rollen sind durchweg gut besetzt. Gundi Anna Schick geht ganz auf in ihrer Liebe zu dem Krug, der ihr offensichtlich wertvoller ist als die Tugend ihrer Tochter. Johanna Lesch sorgt als betüdelte Magd für komische Einlagen. Sie ist außerdem noch in der Rolle der Nachbarin Brigitte zu sehen, die letztendlich zur Aufklärung der Geschichte beiträgt. Zwei weitere Darsteller sind in Doppelrollen besetzt, was aber erst durch einen Blick ins Programm auffällt, so gut sind sie durch Kostüm und Maske getarnt.

Die flotte, pralle Inszenierung des Stücks zeigt, dass trotz der altertümlichen Ausdrucksweise Kleists Lustspiel auch heute nichts an Aktualität verloren hat. Aktuelle Parallelen gibt es mehr als genug. Verdienter Applaus vom Homburger Publikum.